Start Meinung Fröhlich am Freitag 21/2019: Europa braucht starke Publisher

Fröhlich am Freitag 21/2019: Europa braucht starke Publisher

Europas Spiele-Publisher sehen sich mit starker Konkurrenz aus Asien und den USA konfrontiert.

Dass mit Piranha Bytes ein weiteres deutsches Studio nach Skandinavien verkauft wird, sollte weder verwundern noch betrüben: Europa wird dadurch gestärkt.

Fröhlich am Freitag 21/2019: Die wöchentliche Kolumne aus der Chefredaktion

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

„Wat? Äh. Das ist gut, oder? Ich mag Piraha Bytes sehr. Ich mag auch THQ Nordic. Das muss doch was bedeuten…“

Nicht nur Letsplayer Gronkh fragte sich in dieser Woche via Tweet, was sich denn durch die Übernahme von Deutschlands bekanntestem Rollenspiel-Entwickler Piranha Bytes („Gothic“, „Risen“, „ELEX“) in der Praxis ändert.

Die Kurz-Antwort: nicht viel – die ausführliche Antwort finden Sie hier. Piranha Bytes (Essen) entwickelt, die THQ Nordic GmbH (Wien) publisht – und der Außendienst von Koch Media (München) übernimmt den Vertrieb. So lief es bei „ELEX“, so wird es bei „ELEX 2“ geschehen – und wenn die Abendgebete vieler Rollenspiel-Fans erhört werden, wird es auch bei „Gothic 5“ so laufen, das dann roundabout 2024 erscheint. Kommen Sie gerne in fünf Jahren nochmal auf mich zurück, sollte ich mit Letzterem daneben liegen.

So logisch und absehbar der Zukauf auch gewesen sein mag: Er trägt abermals dazu bei, dass schon jetzt weite Teil der deutschen Computerspiele-Industrie von Stockholm aus regiert werden, darunter…

  • die beiden umsatzstärksten Spiele-Entwickler (InnoGames, Goodgame Studios)
  • der weltweit größte Veranstalter von eSport-Events (ESL / Turtle Entertainment)
  • der größte europäische Games-Distributor (Koch Media)
Börsennotiert und in Kauflaune: Schwedische Unternehmen teilen Deutschlands Studios unter sich auf (Stand: 22.5.2019)
Börsennotiert und in Kauflaune: Schwedische Unternehmen teilen Deutschlands Studios unter sich auf (Stand: 22.5.2019)

Gleichzeitig haben sich die Reihen jener mittelständischen deutscher Spiele-Entwickler gelichtet, die mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen und mehr oder minder selbstbestimmt über Unternehmens-Strategie und Portfolio entscheiden – die Stellung halten Kalypso, Travian, Crytek, CipSoft, Daedalic, Deck 13 oder Upjers.

Heißt: Wenn demnächst staatliche Fördergelder von 50 Millionen Euro abgeworfen werden, dann bedeutet das in der Praxis, dass erhebliche Brocken zwangsläufig in den Niederlassungen ausländischer Unternehmen landen. Denn nur kapitalstarke, überwiegend börsennotierte Firmen werden in der Lage sein, mit ambitionierten Businessplänen einen Unterschied zu machen.

Wer sich das globale Machtgefüge im Spiele-Business vor Augen führt, weiß, dass chinesische, japanische und US-Konzerne die Spielregeln diktieren. Wozu das im Ergebnis führt, zeigt das Beispiel Mobilfunk, wo es einst Nokia, Siemens oder Ericsson vermasselt haben und nun eben Samsung, Huawei und Apple die Sache unter sich ausmachen. Analoges gilt für den kompletten Unterhaltungselektronik-Sektor oder für den Online-Handel.

Die größten Games-Unternehmen der Welt sind überwiegend in Asien zu Hause (Quelle: Newzoo / Stand: April 2019)
Die größten Games-Unternehmen der Welt sind überwiegend in Asien zu Hause (Quelle: Newzoo / Stand: April 2019)

Es ist daher gut und wichtig, dass Europa weiterhin große Publisher und Holdings hervorbringt, die auch Großprojekte vorfinanziert bekommen – allen voran Ubisoft (Frankreich), aber auch Paradox, MTG und Stillfront (alle Schweden), CD Projekt (Polen), Focus (Frankreich) oder eben THQ Nordic (ebenfalls Schweden).

Wenn im Vorfeld der Europawahl also gebetsmühlenartig auf die Wichtigkeit eines „starken Europa“ hingewiesen wird, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, dann gilt das in gleicher Weise für die europäische Games-Industrie. Oder wie es Jan Böhmermann in dieser Woche formulierte: „Alone, we are alone“.

Ein schönes Wochenende inklusive spannendem Wahl-Sonntag wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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