Wenn am Dienstag der Deutsche Computerspielpreis 2019 verliehen wird, dürfte es auf und vor der Bühne vor einem Menschenschlag nur so wimmeln: Gamer!

Fröhlich am Freitag 14/2019: Was ist eigentlich ein ‚Gamer‘?

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

lassen Sie uns über Eierlikör sprechen. Ersatzweise über Old Spice, Bausparverträge oder das TV-Programm der Öffentlich-Rechtlichen. Es sind Beispiele dafür, wie sich Marken mühen, mit einem in die Jahre gekommenes Produkt ein junges Publikum zu erreichen.

Diese Sorgen hat die deutsche Games-Industrie nicht: Mit vernehmbarem Stolz hat der Branchenverband in dieser Woche verkündet, dass die Zielgruppe älter wird – schon wieder, wie bereits 2017 und 2018. Um fünfeinhalb Jahre ist das Durchschnittsalter seit 2013 gestiegen. Fast jeder dritte Computer- und Videospiele-Nutzer ist schon jetzt älter als 50 Jahre.

Mit den Zahlen wird gegen den gängigen Eindruck anargumentiert, bei Games handele sich um ‚Kinderkram‘ oder ‚Spielzeug‘ – so, als müsste einem Mittdreißiger die Schamesröte ins Gesicht schießen, wenn er mit einer heimlich angeknipsten Switch erwischt wird. Vokabeln wie „Zocken“ – oder noch schlimmer: „Daddeln“ – zeugen von einem Hobby, dem immer noch etwas Lebenszeitvernichtendes, gar Anrüchiges anhaftet.

Die Meldung hat noch aus einem anderen Grund für lebhafte Debatten in den sozialen Netzwerken gesorgt. Nämlich mit der Frage, wer und was eigentlich ein ‚Gamer‘ ist – und wenn ja, wie viele.

42 Prozent der Deutschen sind angeblich ‚Gamer‘ – 34 Millionen Menschen im Land. Der Verband versteht darunter jeden, der „regelmäßig“ oder „gelegentlich“ spielt. Näher ausgeführt wurde das zunächst nicht, etliche Medien haben die Meldung 1:1 in die Welt geblasen. Erst auf Nachfrage war zu erfahren: Wer mehr als einmal im Monat an PC, Konsole oder Smartphone spielt, ist hochoffiziell ein „Gamer“.

So gesehen spiele ich kulinarisch in einer Liga mit Jamie Oliver, Tim Mälzer und Johann Lafer. Denn ich bin zwar am Herd furchtbar untalentiert, aber durchaus in der Lage, mehrmals im Monat unfallfrei einen Topf Wasser zu erhitzen – und somit: Köchin!

Die spektakulär niedrigen Hürden für den Status ‚Gamer‘ sind natürlich bewusst gewählt. Mit dieser Botschaft wird schließlich (Standort-)Politik gemacht. Ab Montag lässt sich dieses Schauspiel wieder live besichtigen. Denn dann startet die Games Week Berlin samt Deutschem Computerspielpreis – traditionell der Ort mit der bundesweit höchsten Dichte an Teilzeit-‚Gamern‘ mit Bundestagsmandat. Darauf einen Verpoorten!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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