Start Gamescom Greift Frankfurt nach der Gamescom?

Greift Frankfurt nach der Gamescom?

Holt er die Gamescom nach Frankfurt? Wolfgang Marzin ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Messegesellschaft (Foto: Messe Frankfurt GmbH / Pietro Sutera)

Unter seiner Leitung eilte die Leipziger Games Convention von Rekord zu Rekord – jetzt zeigt sich Frankfurts Messe-Chef Wolfgang Marzin offen für eine Gamescom Frankfurt.

„Alles in ihrer Macht stehende“ wolle seine Landesregierung tun, damit die Gamescom auch ja in Nordrhein-Westfalen bleibe, versprach Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei seinem diesjährigen Rundgang. Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker – gleichzeitig Aufsichtsrats-Chefin der KoelnMesse – trommelt für einen Gamescom-Verbleib in der Domstadt.

Ein dreistelliger Millionen-Betrag fließt bis 2030 in den Aus- und Umbau des Geländes in Köln-Deutz: Neue Parkhäuser, neue Hallen, neue digitale Wegweiser.

Doch wird das reichen, um die Gamescom mittelfristig am Rhein zu halten? Die Jubiläums-Feierlichkeiten würdigten zwar die glorreiche Vergangenheit – ein klares, öffentliches Bekenntnis für Köln gab es seitens des Branchenverbands Game jedoch nur für die Gamescom 2019, nicht aber für 2020 und darüber hinaus.

Wo schlägt also künftig das „heart of gaming“?

Gamescom ab 2020: Messe Düsseldorf mit Terminproblemen

Drei, vier, allenfalls fünf potenzielle Standorte gibt es in Deutschland für eine solche XXL-Messe – Düsseldorf zum Beispiel. Von dort heißt es auf GamesWirtschaft-Anfrage: „Grundsätzlich ist der Standort Düsseldorf kapazitär und technisch geeignet für die Veranstaltung einer internationalen Computer- und Videospielemesse. Bei der Akquise von oder Bewerbung für Veranstaltungen müssen für die Messe Düsseldorf drei Kriterien erfüllt sein: Ausreichende Geländekapazität, Geländeverfügbarkeit und Profitabilität der Veranstaltung.“

Welche Stadt "kann" Gamescom? In Deutschland gibt es neben Köln nur drei weitere Messe-Standorte mit mehr als 200.000 Quadratmetern Fläche (Stand: September 2018)
Welche Stadt „kann“ Gamescom? In Deutschland gibt es neben Köln nur drei weitere Messe-Standorte mit mehr als 200.000 Quadratmetern Fläche (Stand: September 2018)

Die Chancen für einen Wechsel sind allerdings gering, denn: „Die Gamescom überschneidet sich terminlich mit der jährlich stattfindenden Weltleitmesse für Caravaning – dem Caravan Salon Düsseldorf.“ Die Veranstaltung mit zuletzt 248.000 Besuchern belegt nahezu das gesamte Düsseldorfer Messegelände.

Wie wär’s mit der bayerischen Landeshauptstadt? Dort klingt die Auskunft schon etwas euphorischer: „Die Gaming-Industrie würde in München ein exzellentes Umfeld vorfinden“, sagt Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München. „Selbstverständlich sind wir jederzeit zu Gesprächen bereit, falls der Veranstalter einen Standortwechsel in Erwägung zieht.“

Messe Frankfurt: Games-Convention-Macher im Chefsessel

Doch in der Branche fällt immer häufiger der Name einer Stadt: Frankfurt am Main.

Die Faktenlage: Das Messegelände liegt mitten in der City und ist das drittgrößte der Welt – in Laufweite des Hauptbahnhofs, eingebettet in eine Stadt mit 50 Prozent mehr Hotelbetten im Vergleich zu Köln, Schauplatz von Deutschlands größter Messe (IAA Pkw) und angebunden an den viertgrößten Flughafen Europas.

Durch Schwergewichte wie Nintendo of Europe, Bethesda, Crytek, Sony Interactive, Bandai Namco, Deck 13 und Konami gilt Hessen außerdem als das umsatzstärkste Games-Bundesland.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Frankfurt heißt Wolfgang Marzin – und wer länger als zehn Jahre in der Branche tätig ist, bei dem klingelt womöglich etwas. Denn vor seinem Wechsel nach „Mainhattan“ im Frühjahr 2010 war Marzin sechs Jahre lang Chef der Messe Leipzig. In dieser Zeit hat er alle relevanten Kennzahlen der Gamescom-Vorgängermesse Games Convention glatt verdoppelt – Besucherzahlen, akkreditierte Journalisten, Aussteller, Ausstellungsfläche.

Die Halle 3 mit ihrer spektakulären Architektur gehört zu den Aushängeschildern des Frankfurter Messegeländes (Foto: Messe Frankfurt GmbH)
Die Halle 3 mit ihrer spektakulären Architektur gehört zu den Aushängeschildern des Frankfurter Messegeländes (Foto: Messe Frankfurt GmbH)

Für die letzte Games Convention 2008 meldete die Messegesellschaft mehr als 200.000 Besucher. Es gibt nur wenige Messe-Formate, die in so kurzer Zeit vergleichbare Zahlen hingelegt haben.

Doch Leipzig wurde Opfer des eigenen Erfolgs: Schon ein Jahr zuvor hatte sich angedeutet, dass die Messe nicht zu halten sein wird. Offizielle Begründung: fehlende Hotelkapazitäten, kaum Potenzial für weiteres Wachstum auf dem Gelände und eine völlig überlastete Verkehrs-Infrastruktur, insbesondere mit Blick auf die Flug-Kapazitäten.

Inoffizieller Grund: Der Branchenverband wollte unbedingt den Umzug nach Köln – dann unter der eigenen Marke Gamescom ab 2009. Marzin hatte lange um einen Verbleib der Messe im Osten der Republik gekämpft – letztlich vergeblich. Unter seiner Leitung versuchte die Messe Leipzig parallel einen Neustart mit der „Games Convention Online“. Weil die im Verband organisierten Großaussteller ihr Messe-Budget nach Köln umlenkten, ging das Konzept nicht auf.

Die Gamescom ist mittlerweile die zweitgrößte, jährlich veranstaltete Messe in Deutschland (Stand: August 2018)
Die Gamescom ist mittlerweile die zweitgrößte, jährlich veranstaltete Messe in Deutschland (Stand: August 2018)

Gamescom in Frankfurt: „Erfüllt alle erforderlichen Voraussetzungen“

Die Ironie der Geschichte: Der Spielemesse-Standort Köln steht heute vor den gleichen Herausforderungen wie Leipzig vor zehn Jahren.

  • Die Messegesellschaft warnt eindringlich vor Engpässen bei den Unterkünften: „Schon jetzt fehlen Hotelkapazitäten, vor allem im 4- und 5-Sterne-Segment. Die Situation wird sich verschärfen“, so die KoelnMesse.
  • Mit zunehmender Internationalität werden die Flugverbindungen an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf zum Thema, gerade für Besucher aus dem asiatischen und süd- und nordamerikanischen Raum.
  • Das Kölner Messegelände verfügt zwar über bislang ungenutzte Flächen – derzeit weisen allerdings nur vier Hallen eine lichte Höhe von mehr als 10 Metern auf. Neue, moderne Hallen werden erst in den kommenden Jahren fertiggestellt.
Das "Torhaus" ist Sitz der Messegesellschaft - und seit 1984 Teil der Frankfurter Skyline (Foto: Messe Frankfurt GmbH / Marc Jacquemin)
Das „Torhaus“ ist Sitz der Messegesellschaft – und seit 1984 Teil der Frankfurter Skyline (Foto: Messe Frankfurt GmbH / Marc Jacquemin)

Wäre Frankfurt denn überhaupt bereit für die Gamescom? „Wir sind immer offen für neue Veranstaltungen in Frankfurt. Vor allem wenn es um die sehr innovative und erfolgreiche Games-Branche geht“, stellt Wolfgang Marzin fest. Und: „Die Stadt Frankfurt und die Messe Frankfurt verfügen über alle erforderlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches, führendes Event der Branche.“

Ein Wechsel eines Standorts sei grundsätzlich vorstellbar, schließlich stünden Messestandorte im Wettbewerb. „Die Initiative ergreift allerdings oftmals die ausstellende Industrie der jeweiligen Branche zusammen mit dem entsprechenden Verband und dem Markeneigentümer der Messe.“

Der Ball liegt nun also auf dem Spielfeld des Induestrieverbands Game. Mit der Bekanntgabe einer Entscheidung wird spätestens im Sommer 2019 gerechnet.

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2 Kommentare

  1. Warum habt ihr die MESSE STUTTGART nicht in eurer Vergleichsliste? Top-Erreichbarkeit über Flughafen, Bahn und Autobahn. Erstklassige Hotel-Infrastruktur. Ähnliche Messen in Stuttgart wie z.B. COMICCON sind hervorragend angenommen worden

    • Die Messe Stuttgart ist nicht dabei, weil man schon jetzt zwei Stuttgarts bräuchte, um eine einzige Gamescom nach aktuellem Zuschnitt auszurichten.

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