Start Gamescom Jetzt offiziell: Gamescom 2020 ohne Besucher – virtuelle Messe geplant (Update)

Jetzt offiziell: Gamescom 2020 ohne Besucher – virtuelle Messe geplant (Update)

Das Großveranstaltungs-Verbot verhindert eine Gamescom 2020 auf dem Kölner Messegelände (Foto: GamesWirtschaft)
Das Großveranstaltungs-Verbot verhindert eine Gamescom 2020 auf dem Kölner Messegelände (Foto: GamesWirtschaft)

Eine Absage der Gamecom 2020 soll unter allen Umständen vermieden werden: Was die Veranstalter jetzt stattdessen planen.

Update vom 19.5.2020: KoelnMesse und Branchenverband haben erste Details zur ‚virtuellen‘ Gamescom 2020 bekannt gegeben. Die Spielemesse findet vom 27. bis 30. August statt – Details zu Programm und Ablauf finden Sie hier.

Update vom 21.4.2020: Anders als die Gamescom und die Devcom wird das Gamescom City Festival 2020 nicht ins Netz verlegt, sondern in diesem Jahr ersatzlos gestrichen. Das haben die Veranstalter heute bekannt gegeben.

Meldung vom 16.4.2020: Handelt es sich bei der Gamescom um eine Großveranstaltung? Angesichts von zuletzt 373.000 Besuchern plus Tausenden weiterer beteiligter Akteure (Standpersonal, Security, Catering, Technik etc.) eigentlich eine rhetorische Frage, sollte man meinen.

Doch die KoelnMesse wollte sich mit dem gestern beschlossenen Großveranstaltungs-Verbot der Bundesregierung bis zuletzt nicht abfinden. „Ich sehe die Diskussion um Großveranstaltungen noch nicht beendet“, stellte Messe-Chef Gerald Böse gestern gegenüber dem WDR klar. „Eine Messe ist kein Bundesligaspiel und kein Rockkonzert.“

Für eine Photokina oder den Business-Bereich der Gamescom mag diese Analyse zutreffen. Doch in der Disziplin „Mensch pro Quadratmeter“ unterscheiden sich die Endverbraucher-Flächen der Kölner Spielemesse in Nichts von einer Stehplatz-Tribüne oder einem Festivalgelände. Im Gegenteil: Lange im Voraus ausverkaufte Messetage, stundenlange Wartezeiten und dichtes Gedränge sind Teil der Gamescom-DNA. An jedem einzelnen Messetag bewegen sich mehr als 100.000 Personen auf dem Gelände – weit mehr als bei „Rock im Park“ oder Wacken. Noch vor zwei Jahren mussten einzelne Gamescom-Hallen wegen Überfüllung zeitweilig geschlossen werden – aus Sicherheitsgründen.

Nun sorgt die Corona-Pandemie dafür, dass Events aller Größenordnungen abgesagt werden – von der Geburtstagsfeier im Restaurant bis hin zu Volksfesten. Ebenso wie andere Messe-, Festival-, Sport-, Kongress- und Konzert-Veranstalter beschäftigt sich auch die KoelnMesse seit Wochen mit Alternativ- und Worst-Case-Szenarien. In wenigen Einzelfällen ist die Verschiebung von Events auf einen späteren Zeitpunkt gelungen, etwa in den Herbst – oft genug mussten Konferenzen oder Messen für 2020 aber komplett abgesagt werden.

Eine immer wieder diskutierte Gamescom-Verschiebung hat man in Köln von vornherein ausgeschlossen – auch deshalb, weil der Veranstaltungskalender keine derartigen Manöver eines solchen Event-Supertankers zulässt.

Seit Mitte März lautet daher die gebetsmühlenartig verbreitete Botschaft: Die Gamescom 2020 findet statt – Punkt. Nach der Absage der E3 2020 wäre der diesjährigen Gamescom eine umso wichtigere Rolle zugekommen, denn eigentlich war/ist der Ende-August-Termin perfekt für Ankündigungen und spielbares Material von Weihnachts-Neuheiten. Nur wenige Wochen nach der Gamescom sollen die PlayStation 5 und die Xbox Series X auf den Markt kommen.

Köln im Gamescom-Fieber: Mit Desinfektionsmitteln und Ärzte-Teams wollten die Veranstalter das Publikum vor dem Coronavirus schützen (Foto: Gamescom 2019 / KoelnMesse / Thomas Klerx)
Köln im Gamescom-Fieber: Mit Desinfektionsmitteln und Ärzte-Teams wollten die Veranstalter das Publikum vor dem Coronavirus schützen (Foto: Gamescom 2019 / KoelnMesse / Thomas Klerx)

Dass die Veranstalter eine 2020-Lücke unter allen Umständen vermeiden wollten, ist also verständlich. Heute am späten Nachmittag wurde offiziell bestätigt: Das „weltgrößte Games-Event“ findet in diesem Jahr ‚rein digital‘ statt. Das gilt sowohl für die Gamescom als auch für die Entwicklerkonferenz Devcom 2020. Bereits erworbene Privat- und Fachbesucher-Tickets und Aussteller-Anzahlungen sollen in den kommenden Wochen zu 100 Prozent rückerstattet werden.

Stattdessen soll es eine virtuelle Gamescom geben: Die unterjährig verwaiste Streaming- und Video-Website Gamescom Now feiert post-österliche Auferstehung. Dort sollen sowohl die Eröffnungs-Show („Gamescom: Opening Night Live“) übertragen als auch Spiele-Neuheiten vorgestellt werden. Weitere Module sind in Vorbereitung – Details soll es Mitte Mai geben. Gemeinsam mit den Partnern werde „mit Hochdruck“ an der Weiterentwicklung von „Gamescom: Opening Night Live“ und Gamescom Now plus „neuen und spannenden Digital-Formaten“ gearbeitet, verspricht Game-Chef Felix Falk. Dem Industrieverband gehören die Marken Gamescom und Devcom.

Gamescom 2020 Termin: Die Messe startet am 25. August 2020 und endet am 29. August 2020 (Änderungen vorbehalten, Stand: 26.8.19)
Gamescom 2020 Termin: Die Messe startet am 25. August 2020 und endet am 29. August 2020 (Änderungen vorbehalten, Stand: 26.8.19)

Offen bleibt, wie etwa Nintendo, Microsoft oder Sony davon überzeugt werden sollen, neues Exklusiv-Material zwangsläufig dort und nicht auf eigenen, ungleich reichweitenstärkeren Kanälen zu präsentieren. Zumal die ausgewiesenen Abrufzahlen von Gamescom-2019-Inhalten (Online, Social Media, Print, TV, Radio) ja überwiegend darauf fußten, dass mehrere tausend internationaler Journalisten, Blogger und Influencer in der Lage waren, exklusives Material vor Ort zu produzieren. Exakt diese Arbeitsgrundlage entfällt in diesem Jahr.

Vom Tisch ist seit heute Abend im Übrigen auch die Idee einer reinen Gamescom-Fachbesucher-Ausgabe, also eine zusammengedampfte Business-Area, wie sie zwischenzeitlich im Raum stand. Selbst KoelnMesse-Manager Böse hatte bereits eingeräumt, dass gerade US-amerikanische Unternehmen in besonderem Maße „nervös“ seien. Solange Einreisen in die EU und nach Deutschland mit massiven Einschränkungen, Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind, wäre eine solche internationale Ausrichtung ohnehin reines Wunschdenken geblieben.

KoelnMesse-Geschäftsführer Oliver Frese sprach daher heute aus gutem Grund von einer „schmerzhaften Entscheidung“ – nicht nur mit Blick auf die Veranstalter, sondern auch auf die alljährlich 500.000 Gamescom-Fans (inklusive Gamescom Festival). „Wir freuen uns aber jetzt schon auf die digitale Gamescom 2020 – genauso wie auf unsere Fachmessen, die wir danach ab September wieder in ‚analoger‘ Form auf unserem Gelände durchführen können.“

Um die eingangs gestellte Frage noch zu beantworten: Selbstverständlich ist die Gamescom eine Großveranstaltung. Legt man die Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Risikobewertung von Events in Corona-Zeiten an, dann ist das Format geradezu prototypisch für eine Veranstaltung, wie sie bis auf Weiteres dringend zu vermeiden ist. Zumal der Großraum Köln und das Bundesland Nordrhein-Westfalen weiterhin zu den am schwersten betroffenen Corona-Regionen in Deutschland zählen. Zuletzt hatte der Kölner Krisenstab Vorbereitungen für ein Notfall-Lazarett in den Messehallen getroffen, das in den kommenden Wochen und Monaten bei Bedarf jederzeit hochgefahren werden kann.

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