Start Gamescom Coronavirus: Wie wahrscheinlich ist eine Gamescom-Absage? (Update)

Coronavirus: Wie wahrscheinlich ist eine Gamescom-Absage? (Update)

Köln im Gamescom-Fieber: Mit Desinfektionsmitteln und Ärzte-Teams wollen die Veranstalter das Publikum vor dem Coronavirus schützen (Foto: Gamescom 2019 / KoelnMesse / Thomas Klerx)
Köln im Gamescom-Fieber: Mit Desinfektionsmitteln und Ärzte-Teams wollen die Veranstalter das Publikum vor dem Coronavirus schützen (Foto: Gamescom 2019 / KoelnMesse / Thomas Klerx)

Eine Gamescom 2020-Absage? Ein irrer Gedanke. Doch mit jedem Tag wachsen die Sorgen um die Auswirkungen des Coronavirus auf die Kölner Videospiel-Weltleitmesse.

Update vom 31. März 2020: Verband und Messegesellschaft haben heute verkündet, dass mindestens Teile der Gamescom 2020 in rein virtueller Form stattfinden – also in Form von Videos und Livestreams. Dies betrifft unter anderem die Eröffnungsshow Gamescom Opening Night Live. Damit reagieren die Ausrichter auf die steigende Verunsicherung von Ausstellern und Besuchern mit Blick auf die weltweit anhaltende Ausbreitung des Coronavirus samt der behördlich angeordneten Versammlungsverbote.

Ob und in welcher Form die Gamescom 2020 auf dem Kölner Messegelände stattfinden kann, wollen die Veranstalter gemeinsam mit den Behörden in sechs Wochen – also Mitte Mai – final entscheiden. Dieser Zeitplan sei mit den großen Ausstellern vereinbart worden, die ihrerseits Planungssicherheit einfordern.

Sollten die Messehallen leer bleiben (müssen), werden sowohl den Ausstellern als auch den Besuchern bereits geleistete Zahlungen erstattet. Dies gilt auch für die Entwicklerkonferenz Devcom, die bereits am 22. August startet.

Update vom 30. März 2020: „Jetzt ist die Zeit, zusammen zu halten und zu Hause zu bleiben, damit wir auf der Gamescom 2020 dann die neuesten und coolsten Games erleben können.“ So steht es geschrieben in einem Newsletter, den die Gamescom-Veranstalter vor dem Wochenende versandt haben. Daran wird abermals bekräftigt, dass die Vorbereitungen für die Gamescom 2020 „nach aktuellem Stand planmäßig“ weiterlaufen. Wörtlich heißt es: „Sollte die Gamescom seitens der Koelnmesse abgesagt werden, erstatten wir alle Tickets, die im offiziellen Ticket-Shop gekauft wurden. Gutscheincodes werden ungültig und für neue Veranstaltungen neu bereitgestellt.“

Übersetzt: Eine Gamescom-Absage ist eines von mehreren Szenarien, mit denen sich die Verantwortlichen auseinandersetzen. Bislang hat kein Großaussteller seinen Rückzug angekündigt – gleichwohl drängt die Zeit: In den kommenden Wochen wollen und müssen mehrere Spielehersteller eine Entscheidung treffen, ob die Vorbereitung der Messe-Auftritte seriös fortgeführt werden kann oder nicht.

Seit dem Start des Gamescom-Kartenvorverkaufs am 11. März hat das Ausmaß der globalen Corona-Pandemie eine neue Qualität erreicht: Zunehmend betroffen sind – neben Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland – vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika sowie Großbritannien. Das Außenministerium hat eine globale Reisewarnung ausgesprochen. Bis mindestens Mitte April dürfen Nicht-EU-Bürger nicht mehr nach Deutschland einreisen. Der internationale Flugverkehr ist weitgehend zum Erliegen gekommen – in vielen Ländern gelten strenge Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen.

Update vom 19. März 2020: In der zurückliegenden Woche hat sich die Coronavirus-Lage sowohl in Deutschland als auch in vielen anderen Ländern dramatisch zugespitzt. Die Politik reagiert mit flächendeckenden Ladenschließungen, regionalen Ausgangssperren und einem Verbot von Veranstaltungen aller Größenordnungen. Gestern hat die KoelnMesse angekündigt, dass bis mindestens Juni 2020 keine Messen und Konferenzen auf dem Kölner Messegelände stattfinden werden.

Nach eigenen Angaben mehren sich die Anfragen beim Gamescom-Veranstalter mit Blick auf eine potenzielle Coronavirus-Gefährdung von Ausstellern und Besuchern. Die behördlichen Maßnahmen und Vorgaben würden derzeit beinahe täglich angepasst – die zeitliche Befristung aller Maßnahmen sei daher aktuell nicht absehbar.

Dennoch würden die Vorbereitungen für die Gamescom zum geplanten Zeitpunkt „mit Augenmaß fortgesetzt“. Die Lage werde permanent neu bewertet. Aus Köln heißt es dazu: „Wir werden alle Entscheidungen für oder gegen eine Durchführung so früh wie möglich treffen und selbstverständlich alle Beteiligten unverzüglich informieren.“

Der Ticket-Vorverkauf läuft ungebremst weiter: Stand heute hat die KoelnMesse mehr als 62.000 Tickets abgesetzt. Die Gamescom 2020 soll am 25. August 2020 (Dienstag) starten, tags zuvor (Montag, 24.8.) ist die Eröffnungs-Show Gamescom Opening Night Live geplant. Die vorgelagerte Entwicklerkonferenz Devcom 2020 mit 3.000 Entwicklern aus aller Welt beginnt bereits am Samstag (22.8.).

Ursprüngliche Meldung vom 12. März 2020: Der deutsche Gesundheitsminister warnt vor „nicht notwendigen Reisen“ in bestimmte Regionen Nordrhein-Westfalens und plädiert für die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern – Konzerte, Konferenzen, Sport-Ereignisse. NRW, Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin und Bayern setzen die Empfehlung 1:1 um, andere Bundesländer gehen inzwischen noch viel weiter. Bundesliga, Champions League, Formel 1, möglicherweise selbst Olympia und Fußball-EM stehen auf der Kippe. Die USA, China, Israel, Italien und viele andere Staaten verhängen Einreiseverbote – die Weltwirtschaft steht vor der größten Herausforderung seit der Finanzkrise (2008/09) und 9/11.

Ein solches Szenario hätten sich die wenigsten noch vor wenigen Wochen in ihren kühnsten (Alb)Träumen ausmalen können. Jetzt führt das Coronavirus (Covid-19) dazu, dass eine Großveranstaltung und eine Messe nach der anderen gestrichen wird. Für Messegesellschaften, Fluglinien, Gastronomie, Hotellerie, Dienstleister, Catering-Unternehmen, Agenturen, Taxifahrer und Messebauer wird das Coronavirus zunehmend existenzbedrohend, zumal die Infektionszahlen weiter ansteigen und die behördlichen Maßnahmen an Schärfe zunehmen.

Nach der Absage der E3 2020 besonders im Fokus aus Sicht der Computerspiele-Industrie: die Mitte August startende Gamescom 2020 – spätestens jetzt die wichtigste Games-Messe in der westlichen Atmosphäre. Mit zuletzt 373.000 Besuchern gilt die Kölner Gamescom zudem branchenübergreifend als eine der größten Publikumsmessen in Deutschland.

Die Gamescom-Woche wird ab dem 22. August von der Entwicklerkonferenz Devcom eingeläutet – allein zu diesem Kongress werden 3.000 Experten aus aller Welt erwartet.

Die größten Messen in Deutschland 2019: Die Gamescom 2019 beendet das Messejahr auf Platz 5 (Stand: 9.12.2019)
Die größten Messen in Deutschland 2019: Die Gamescom 2019 beendet das Messejahr auf Platz 5 (Stand: 9.12.2019)

Coronavirus-Pandemie: Kann die Gamescom 2020 überhaupt stattfinden?

Nun starten die Gamescom-Aufbauarbeiten erst Mitte August, also in fünf Monaten – bis dahin wird sich die Situation zwangsläufig anders darstellen als im März. Die Entscheidung über die Durchführung der Gamescom 2020 wird allerdings zu einem deutlich früheren Zeitpunkt passieren (müssen). Denn die Planungen sind seit Monaten in vollem Gange: Hotelzimmer wurden reserviert, Standflächen gebucht, Messebauer und Dienstleister beauftragt. Bereits seit Mitte Februar wird ein „Spätbucherzuschlag“ erhoben. Die sogenannte „Aufplanung“ – also die Zuteilung von Hallen und Messeflächen – hat schon im Januar begonnen.

Oftgestellte Frage: Wer entscheidet eigentlich wann darüber, ob und unter welchen Umständen eine solche Mega-Messe durchgeführt wird, bei der sich an jedem einzelnen Publikumstag mehr als 100.000 Personen (Besucher, Aussteller, Security, Lieferanten usw.) auf dem Gelände aufhalten? Die Sicherheit einer Veranstaltung wird zunächst von den Behörden im jeweiligen Bundesland – hier: Nordrhein-Westfalen – in Abstimmung mit der Kommune beurteilt, also Köln. Auch Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Ordnungsamt sind in solche Abwägungen involviert.

Das Beispiel der Internet World in München belegt allerdings, dass es erst gar nicht zu einer amtlichen Anordnung kommen muss, um eine Messe zu Fall zu bringen. Dort hat das Gesundheitsamt die Anforderungen kurzfristig in astronomische Höhen geschraubt, so dass den Veranstaltern nur die Absage blieb. So wurde unter anderem gefordert, dass jeder Teilnehmer einen negativen Covid-19-Test vorweisen muss. Die Internationale Tourismusbehörde in Berlin wurde abgesagt, weil die Besucher hätten nachweisen müssen, dass sie zuletzt keinen Kontakt zu Personen aus Risikogebieten wie China, Südkorea oder Norditalien gehabt hätten – utopisch.

Gamescom 2020 Termin: Die Messe startet am 25. August 2020 und endet am 29. August 2020 (Änderungen vorbehalten, Stand: 26.8.19)
Gamescom 2020 Termin: Die Messe startet am 25. August 2020 und endet am 29. August 2020 (Änderungen vorbehalten, Stand: 26.8.19)

Gamescom 2020: Wie verhalten sich die Groß-Aussteller?

Die Erfahrung mit bereits abgesagten Groß-Messen wie dem Mobile World Congress (Barcelona), der E3 2020 (Los Angeles) oder der GDC 2020 (San Francisco) lehrt: Die Entscheidung wird den Veranstaltern nahezu immer von den Großausstellern abgenommen. Sobald ein XXL-Kunde oder -Sponsor aussteigt, setzt eine Kettenreaktion ein, die kaum bis gar nicht zu stoppen ist. Anfangs mag es ein kleines Leck sein: Doch analog zur Titanic wird ein Schott nach dem anderen überspült, ehe der – vermeintlich – unsinkbare Event-Dampfer sinkt.

Heißt für die Gamescom: Es wird ganz wesentlich auf jene Publisher ankommen, die große Flächen belegen – allen voran börsennotierte US-Konzerne wie Electronic Arts, Activision Blizzard, Take-Two, Microsoft, Amazon (Twitch), Facebook und Google (YouTube, Stadia) plus europäische Publisher wie Ubisoft, THQ Nordic oder Wargaming. Weil Asien in besonderem Maße vom Coronavirus betroffen ist, wird diesmal viel von Nintendo, Sony Interactive, Bandai Namco, Capcom, Samsung und Square Enix abhängen. Zieht man den Gamescom-2019-Flächen heran, würden allein diese sechs Aussteller eine komplette Messehalle belegen.

Die internationale Bedeutung der Gamescom könnte in diesem Fall zur Achillesferse werden: 2019 nahmen Aussteller aus über 50 Nationen teil – Auslandsanteil: 68 Prozent. Jeder zehnte Fachbesucher stammte zuletzt aus Asien.

Eine GamesWirtschaft-Blitzumfrage unter mittelgroßen, großen und sehr großen Ausstellern belegt: Bislang gibt es zwar keine Pläne für einen Rückzug, doch die Maßnahmen erfolgen mit dezent angezogener Handbremse. Beispiel: Derzeit anstehende Aufgaben und Aufträge werden auf einen möglichst späten Zeitpunkt verlegt, um noch rechtzeitig auf alle Eventualitäten reagieren zu können – klassisches Risikomanagement.

Gamescom 2019 Bilanz: Mit 373.000 Besuchern war die Spielemesse an allen fünf Messetagen ausverkauft (Foto: KoelnMesse / Harald Fleissner)
Gamescom 2019 Bilanz: Mit 373.000 Besuchern war die Spielemesse an allen fünf Messetagen ausverkauft (Foto: KoelnMesse / Harald Fleissner)

Gamescom 2020 Ticket-Vorverkauf hat begonnen

Nur wenige Minuten nach der E3-2020-Absage hat die KoelnMesse mit dem offiziellen Ticketvorverkauf für die Gamescom 2020 begonnen – was selbst bei hartgesottenen Gamescom-Fans und YouTubern einen Mix aus Verblüffung, Entsetzen und schaumgebremster Vorfreude ausgelöst hat.

Die Folge: Nach eigenen Angaben muss die KoelnMesse derzeit besonders viele Anfragen mit Blick auf eine mögliche Gefährung von Ausstellern und Besuchern durch den Coronavirus beantworten. In Absprache mit den Behörden würden die Maßnahmen für jede einzelne Veranstaltung bewertet. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Gamescom für den festgelegten Termin „planmäßig“ weiter – „nach aktuellem Stand“ (12. März 2020).

Vor Ort wolle man die Besucher über „sinnvolle Prophylaxemaßnahmen“ aufklären, Desinfektionsmittel anbieten und mit erhöhter Reinigungsfrequenz durchkärchern. Auf mögliche Verdachtsfälle sei man mit „qualifizierten Ärzten und Rettungsassistenten“ vorbereitet. Tritt ein Verdachtsfall auf, werde man „alle räumlichen und organisatorischen Vorkehrungen treffen, um sofortige Abhilfemaßnahmen zu ergreifen.“

Wer jemals live eine Gamescom erlebt hat oder die Fotos und Videos von pickepackevollen Hallen kennt, wird ahnen: Das ist nicht mehr als frommer Wunsch, vermutlich nicht mal das. Allein mit Sagrotan-Spendern und Hinweisschildern wird das Publikum bei anhaltender Pandemie nicht zu schützen sein.

Pickepackevoll: Gamescom-Messestände wie jener von Epic Games ("Fortnite") wurden förmlich überrannt - Foto: KoelnMesse / Thomas Klerx
Pickepackevoll: Gamescom-Messestände wie jener von Epic Games („Fortnite“) wurden förmlich überrannt – Foto: KoelnMesse / Thomas Klerx

Coronavirus: Zögerliche Gamescom-Kommunikation

Vor diesem Hintergrund muss die Informationspolitik als mindestens irritierend beurteilt werden: Weder in der Pressemitteilung noch in der Ankündigung gegenüber Endverbrauchern und Fachbesuchern wird auch nur mit einer Silbe auf das Coronavirus eingegangen – so, als würde das Problem überhaupt nicht existieren.

Dass die Tickets im Fall einer Absage vollumfänglich erstattet würden, ist nur per Nachfrage via Hotline oder Chat zu erfahren (Update vom 12. März 2020: Mittlerweile wurde das offizielle und gut versteckte FAQ entsprechend aktualisiert). Wer auf eigene Faust ein Hotel gebucht hat oder demnächst bucht, muss auf Kulanz hoffen, wird aber in den allermeisten Fällen auf Stornierungskosten sitzen bleiben.

Für Aussteller und Besucher kommt die derzeitige Situation daher einer Wette gleich – niemand kann seriös vorhersagen, ob und unter welchen Umständen die Gamescom 2020 stattfindet. Die Unsicherheit wird keine noch so prominent besetzte Aussteller-Liste nehmen können, wie sie in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde.

Gamescom 2020: Coronavirus hält Welt in Atem

Bleibt die Frage: Warum lassen sich die Veranstalter überhaupt auf dieses Wagnis ein? Die Marke „Gamescom“ gehört dem Berliner Lobbyverband Game. Dass sich der Verband gemeinsam mit der KoelnMesse dafür entschieden hat, trotz weiter steigender Coronavirus-Fallzahlen unbeirrt an der Gamescom festzuhalten, ist bestenfalls mit der Hoffnung zu erklären, die globale Situation könnte sich in den kommenden Wochen und Monaten beruhigen.

Hieße: sinkende Fallzahlen, kaum noch Neu-Infektionen, Wiederaufnahme des internationalen Flugverkehrs sowie eine Aufhebung von Reisewarnungen, Grenzschließungen und Veranstaltungs-Verboten.

Kurzum: die Rückkehr zur Normalität, wie wir sie bis Ende Januar kannten.

Nur wenn all diese Voraussetzungen bis Mai, spätestens Juni erfüllt sind, bestehen Chancen, dass möglichst viele relevante Aussteller an Bord bleiben – und die Gamescom 2020 wie geplant durchgeführt werden kann.


Weitere Informationen zur Gamescom 2020 (Öffnungszeiten, Rahmenprogramm, Tickets, Schulferien usw.) finden Sie in diesem Artikel. Tipps und Tricks zur Hotelbuchung finden Sie hier.

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