
Mehr als eine Viertelmilliarde Euro hat der Bund seit 2019 Deutschlands Spiele-Entwicklern zugesagt: Was wo wie mit dem Geld passiert.
In wenigen Tagen – am 28. August 2020 – jährt sich der Start der ‚großen‘ Games-Förderung zum sechsten Mal. Nach einer mehrmonatigen Pilotphase hat CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer zur Gamescom 2020 den offiziellen Startschuss erteilt. Ein Spiel mit dem charmanten Codenamen Süßkartoffel war mit über 2 Mio. € das erste XXL-Projekt – 2023 ist Shadow Gambit: The Cursed Crew als vorerst letzte Produktion des Münchener Studios Mimimi Games erschienen.
Stand 24. Juli 2026 listet die amtliche Subventions-Datenbank exakt 701 Projekte mit einem Gesamt-Volumen von 266.984.986 €: Seit 2019 hat der Bund den hiesigen Spiele-Entwicklern also mehr als eine Viertelmilliarde Euro zugesagt. Zwischenzeitlich eingestellte Projekte – etwa ELEX 3 – sind nicht mehr enthalten.
Der überwiegende Teil dieser Spiele ist längst fertiggestellt und auf dem Markt – inklusive Early-Access-Versionen. Weiterhin in Entwicklung befinden sich 151 Projekte mit einem Volumen von 107 Mio. €; fast wöchentlich kommen neue Spiele hinzu.
An Mitteln mangelt es nicht: Allein im Haushalt des laufenden Jahres hat der Bundestag 125 Mio. € eingeplant – zur Halbzeit sind davon noch mehr als 80 Mio. € ‚übrig‘. Übersetzt: Die Mittel fließen ausgesprochen schleppend ab, wofür es sowohl externe als auch hausgemachte Gründe gibt – etwa die vergleichsweise hohe Budget-Untergrenze von 300.000 €.
Sehr grundsätzlich verfolgt die Games-Förderung des Bundes das Ziel, die Entwicklung international wettbewerbsfähiger Computer- und Videospiele in Deutschland zu ermöglichen. Die Förderquote ist abhängig von der Betriebsgröße: Die Basis-Förderung liegt bei 25 Prozent der Produktionskosten – bei Startups trägt der Bund bis zu 50 Prozent. Zuschüsse verteilen sich über die komplette veranschlagte Laufzeit und müssen nicht zurückbezahlt werden.
Games-Förderung des Bundes summiert sich auf über 250 Mio. €
Doch wohin fließen nun mehrere hundert Millionen Fördergelder – an welche Unternehmen, in welche Spiele und in welche Regionen? Auf der Website des zuständigen Bundes-Forschungsministeriums sind dazu so gut wie keine Informationen zu finden. Auch eine vom Ministerium finanzierte Branchenverbands-Studie bleibt an dieser Stelle hart an der Oberfläche.
GamesWirtschaft hat daher die vorliegenden Daten ausgewertet – und spannende Erkenntnisse herausgekeltert. So entfällt fast die Hälfte der gesamten Fördersumme von 266 Mio. € auf nur 25 Publisher (inklusive deren Töchter) und Groß-Studios.
Förder-Spitzenreiter war, ist und bleibt Kalypso Media – und zwar mit deutlichem Abstand: Fast 20 Millionen Euro hat der Publisher aus Worms eingeworben. Damit entstehen Strategie- und Aufbau-Spiele wie Tropico 7, Dungeons 4 und Commandos: Origins bei Kalypso-Töchtern in Gütersloh, Paderborn, Darmstadt und München. Mit 160 Beschäftigten allein im Inland zählt das Unternehmen zu den größten Games-Arbeitgebern.
Bei den inhabergeführten, deutschen Studios folgen die Everspace-Macher von Rockfish Games in Hamburg mit insgesamt über 10 Mio. € vor King Art (Bremen / 9,5 Mio. €), Aesir Interactive (München / 7,5 Mio. €) und Egosoft (Würselen / 4,2 Mio. €). Rockfish Games ist außerdem der erste Spiele-Entwickler, der die Maximalsumme von 8 Mio. € für einen einzelnen Titel in Anspruch nimmt. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sprach von einem „Meilenstein“.

Sinn und Zweck der Förderung besteht außerdem darin, Investitionen internationaler Publisher zu ‚triggern‘. Deshalb finden sich in der Liste auch Spielehersteller mit ausländischen Holdings und Mutterkonzernen – etwa aus Schweden (Embracer / THQ Nordic, Stillfront, Jumpgate) und Frankreich (Ubisoft, Focus / Pullup). Bedingt durch die prekäre Situation in den Konzernzentralen in Stockholm und Paris kam es allerdings zuletzt zu einem messbaren Strömungsabriss – nur noch ganz wenige neue Titel wurden in Auftrag gegeben.
Fast immer ist der Antragsteller identisch mit der ‚ausführenden Stelle‘ – also jenem Studio, das letztlich das Spiel entwickelt. Doch das muss nicht so sein. Prominentestes Beispiel: Im Falle von Anno 117: Pax Romana hat das Düsseldorfer Hauptquartier von Ubisoft Blue Byte den Antrag gestellt und Ubisoft Mainz den Titel gebaut. Bei einem Anno-Gesamt-Budget von 22,8 Mio. € sind die Steuerzahler mit 5,7 Mio. € dabei – in eine Erweiterung fließen zusätzliche 800.000 €.
- Kalypso Media 19.542.261 €
- THQ Nordic 13.510.679 €
- Rockfish Games 10.170.201 €
- King Art 9.459.629 €
- Ubisoft 9.282.244 €
- Aesir Interactive 7.482.670 €
- Deck 13 Interactive / Focus 6.094.320 €
- Stillfront Group 5.965.984 €
- Jumpgate 4.725.711 €
- Egosoft 4.205.398 €
- Chimera Entertainment 3.583.587 €
- Limbic Entertainment 3.498.957 €
- Stratosphere Games 3.233.105 €
- Tobspr 3.153.375 €
- Travian Games 2.924.859 €
- Blue Backpack 2.591.630 €
- Weltenbauer 2.547.024 €
- Envision Entertainment 2.145.579 €
- Mimimi Games 2.025.942 €
- Keen Games 2.022.752 €
Bundesländer: Matthäus-Effekt at work
Jeder fünfte Euro fließt nach Bayern, nämlich 56 Mio. € – gefolgt von Berlin (44 Mio. €), NRW (36 Mio.) sowie Hamburg und Hessen mit jeweils 32 Mio. €. Die Schlusslichter bilden Studios in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, die jeweils weniger als 500.000 € abrufen.
In Bremen verteilen sich fast 9,9 Mio. € auf nur acht Spiele, also mehr als 1 Mio. € pro Titel. Diese Sondersituation erklärt sich dadurch, weil das dortige Studio King Art besonders große Computerspiele baut. Also eine ähnliche Konstellation wie in Thüringen, wo alle Anträge von einer einzigen Firma stammen – nämlich TML-Edition in Erfurt, den Machern des Fernbus Simulator.

Im Ranking zeigt sich auch der Matthäus-Effekt, wonach sich vorhandene Standort-Vorteile verstärken: Dort, wo es seit 10 Jahren und länger die größten regionalen Fördertöpfe gibt (etwa in Bayern, Berlin, NRW, Hamburg), werden auch überdurchschnittlich viele Mittel vom Bund abgerufen.
Eine Ausnahme bildet Hessen – wo mit einem Schnitt von fast 676.000 € vergleichsweise wenige, dafür überdurchschnittlich große Produktionen entstehen. Zum Vergleich: In Berlin – das mit 150 die meisten geförderten Projekte stellt – sind es durchschnittlich ’nur‘ 296.000 €. In der Hauptstadt oder auch in NRW werden also viel mehr, dafür aber ‚kleinere‘ Spiele entwickelt als etwa in Bayern oder Hamburg – üblicherweise ein Indiz für eine besonders vitale Indie- und Startup-Landschaft.
Gesamtsumme aller vom Bund geförderten Projekte seit 2019 (‚Ausführende Stelle‘) – in Klammern: Anzahl der Projekte
- Bayern 56.014.747 (133)
- Berlin 44.388.533 (150)
- Nordrhein-Westfalen 35.852.378 (94)
- Hamburg 31.972.375 € (69)
- Hessen 31.852.690 (47)
- Baden-Württemberg 19.204.017 € (71)
- Rheinland-Pfalz 14.144.180 € (32)
- Bremen 9.827.409 € (8)
- Schleswig-Holstein 6.112.368 € (15)
- Niedersachsen 5.358.672 (24)
- Sachsen-Anhalt 4.978.537 € (13)
- Sachsen 3.044.202 € (21)
- Saarland 1.781.861 € (10)
- Thüringen 1.520.700 (4)
- Mecklenburg-Vorpommern 493.160 (5)
- Brandenburg 439.157 (5)
Gesamtsumme: 266.984.986 €
Die größten Projekte der Bundes-Games-Förderung
Aus den Geldflüssen lassen sich keine direkten Rückschlüsse ziehen, ob die Förderung im Einzelfall ‚wirkt‘ oder nicht. Unzweifelhaft ist aber: Die Zuschüsse haben erkennbar dazu beigetragen, internationale Hits auf den Weg zu bringen und/oder das Wachstum der dazugehörigen Studios zu befördern – etwa Keen Games (Enshrouded), Grimlore (Titan Quest 2), Envision Entertainment (Pioneers of Pagonia), Rockfish (Everspace) oder Tobspr (Shapez).
Und: Die Co-Finanzierung durch den Bund hat Publisher-Verträge vielfach erst möglich gemacht.
Dem gegenüber steht eine sehr lange Liste an Flops und Betriebsaufgaben – über die aber üblicherweise der Mantel des Schweigens weht. Überhaupt mangelt es der Games-Förderung seit jeher an Transparenz: Nach einer wenig schmeichelhaften Prüfung des Bundesrechnungshofs wurden die Vorgaben teils überarbeitet; zentrale Beanstandungen – etwa mit Blick auf mögliche „Mitnahme-Effekte“ – sind geblieben.
Top 20 der in Entwicklung befindlichen Spiele-Projekte
Bitte beachten: Vielfach handelt es sich um Arbeitstitel und Codenamen – die finalen Spielenamen können (und werden) folglich davon abweichen. In Klammern: die Laufzeit
- Multispace (Rockfish Games / Hamburg) – 8.000.000 € (2/31)
- Warhammer: Dawn of War 4 (King Art / Bremen) – 6.536.820 € (5/26 + 4/28) *
- Foxtrott (Deck 13 Interactive / Frankfurt) – 5.007.903 € (11/26)
- Tropico 7 (Gaming Minds / Gütersloh) – 3.234.370 € (3/26 + 10/28) **
- TMNT: The Last Ronin (Black Forest Games / Offenburg) – 3.160.685 € (6/28)
- Whisper 3 (Aesir Interactive / München) – 3.098.212 € (12/27)
- New Tomorrow (Claymore Game Studios / Darmstadt) – 2.475.429 € (6/29)
- Coven (Realmforge Studios / München) – 2.335.187 € (12/27) + 375.406 € (1/26)
- Project 3 (Tobspr Games / München) – 2.295.101 € (9/29)
- Schießeisen (King Art / Bremen) – 2.244.028 € (4/27)
- Kinstrife (Finitude / Berlin) – 1.976.995 € (2/28)
- X-26 (Egosoft / Aachen) – 1.967.188 € (12/26)
- Project 5 (KAIKO / Frankfurt) – 1.963.994 € (6/26)
- Eisenfaust (HandyGames / Giebelstadt) – 1.789.292 € (4/27)
- Corsair Cove (Limbic Entertainment / Langen) – 1.756.876 € (5/26)
- Projekt Genesis (Gaming Minds Studios / Paderborn) – 1.735.433 € (12/27)
- SolidRiver (Welevel / München) – 1.678.084 € (7/26)
- Neo Berlin 2087 (Elysium Game Studio / Berlin) – 1.420.472 € (12/26)
- Battle Frontier (Sky-E Red Games / Rüsselsheim) – 1.317.855 € (8/25)
- Go For Gold (M2P Entertainment / Bochum) – 1.316.324 € (2/26)
* bestehend aus 2.632.157 € (5/26) + Ultimate Edition 3.904.663 € (4/28)
** bestehend aus 1.971.826 € (3/26) + Season Pass 1.262.544 (10/28)
Top 20 der veröffentlichten Projekte (inklusive Early-Access)
- Anno 117: Pax Romana (Ubisoft Mainz) – 5.697.585 € (zzgl. weiterer Förderung für DLC 800.729 € – Details)
- Railway Empire 2 inkl. DLCs (Gaming Minds / Gütersloh) – 3.258.918 €
- Anno 1800 inkl. DLCs + Konsole (Ubisoft Mainz) – 2.630.272 €
- Titan Quest 2 (Grimlore Games / München) – 2.594.565 €
- Songs of Silence inkl. DLC (Chimera Entertainment / München) – 2.444.418 €
- Commandos Origins (Claymore Game Studios / Darmstadt) – 2.371.671 €
- Destroy All Humans! 2 (Black Forest Games / Offenburg) – 2.233.170 €
- Shadow Gambit: The Cursed Crew (Mimimi Games / München) –2.025.942 €
- Enshrouded (Keen Games / Frankfurt) – 2.022.752 €
- Food Fight TD: Tower Defense (Neox Studios / Hamburg) – 1.946.407 €
- Firefighting Simulator: Ignite (Weltenbauer / Wiesbaden) – 1.939.023 €
- Yerba Buena (Mad About Pandas / Berlin) – 1.919.986 € (8/26)
- Total Supremacy (Bytro Labs / Hamburg) – 1.864.442 €
- Dungeons 4 (Realmforge Studios / München) – 1.844.167 €
- Seafarer: The Ship Sim (Astragon Development / Hamm) – 1.824.023 €
- Endzone 2 (Gentlymad Studios / Wiesbaden) – 1.729.652 €
- Everspace 2: Wraths of the Ancients (Rockfish / Hamburg) – 1.649.196 €
- Warhammer 40.000: Tacticus (Snowprint Studios / Berlin) – 1.510.982 €
- The Legend of Khiimori (Aesir Interactive / München) – 1.471.162 €
- Star Trek: Voyager – Across the Unknown (Gamexcite / Hamburg) – 1.404.140 € (inklusive DLCs)
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