Bayern verdrängt Nordrhein-Westfalen von Platz 1 als ‚bester Games-Standort‘: Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 wird 2026 noch mal zum Politikum.
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wahre Jeschichte: Es begab sich im Frühjahr anno 2026, dass sich Fürsten, Herzöge und Junker des Landes Nordrhein-Westfalen über eine Depesche der Gilde für digitalen Frohsinn (kurz: Game) beugten. Sie konnten kaum glauben, was da Türkis auf Weiß geschrieben stand.
Der Legende nach traten sie zusammen, um sich zu vergewissern: „Spieglein, Spieglein an der Wand – wo liegt das schönste Games-Entwicklungsland?“
Und der Spiegel antwortete: „Ihr, Nordrhein-Westfalen, seid das schönste hier, aber … check notes … der Freistaat Bayern, über den sieben Bergen ist noch tausend Mal schöner als ihr.“
Und die Gelehrten zürnten. Denn sie wollten nicht wahr haben, dass es einen Landstrich geben könnte, wo die Einheimischen in gar seltsamen Dialekten kommunizieren und sich rustikal gewanden und Bier in abenteuerlich großen Gebinden konsumieren, der aber bei den Mitgliedern der Spielmanns-Zunft offenbar höheres Ansehen genießt als die Gestade an Rhein und Ruhr.

Und so zitierten sie die Hand des Königs – Lord Nathanael vom Stamme der Liminskis – vor den Medien-Ausschuss. Er möge sich umgehend erklären, warum NRW „nur noch Gamesland Nummer Zwei“ sei, abgelöst von Bayern.
Lord Nathanael beliebte zu spekulieren, dass es aus Sicht der Gilde doch einigermaßen ennuyant sei, wenn die Krone immer nur vom selben Land (hier: NRW) getragen würde. Platz 2 von 16 sei doch ganz okay – auch wenn die Ansprüche andere seien.
Sicher, die Zuwendungen stagnieren, aber das sei in Zeiten leerer Schatullen schon ein Erfolg. Zumal Teilen des Proletariats schon jetzt nicht zu vermitteln sei, warum so viele Dukaten aus der staatlichen Schatzkammer ausgereicht werden.
Mit Stolz verwies Lord Nathanael darauf, dass sich König Markus I. im fernen München nichts sehnlicher wünsche, als irgendwann einmal Gastgeber der Gamescom zu sein. Doch die Domstadt Köln bleibe langfristig Austragungsort – ein entsprechender Pakt sei erst im vergangenen Jahr geschlossen worden, flankiert mit Zusagen in Millionen-Höhe.
Als sich diese Nachricht dereinst wie ein Lauffeuer verbreitete, glaubten die Menschen ein leises Wimmern zu vernehmen, weil Markus I. gar bitterlich in sein weiß-blaues Kissen schluchzte.
Der Hand des Königs sei zudem wohl bewusst, dass das Spiele-Gewerbe auf niedrigere Zehnt-Abgaben drängt, wie es in anderen Königreichen der Fall sei. Doch die Gelehrten der Münze würden zaudern. Vielleicht gelänge ja ein Durchbruch bis zur Gamescom, denn Schatzmeister Klingbeil werde nach Colonia reisen und dort seine Aufwartung machen. „Überdrüssig“ seien die Menschen vom nicht enden wollenden Geschwätz – jetzt müssten Taten folgen.
Und die Gesandten des Medien-Ausschusses sahen, dass alles gut ward – und dass ein zweiter Platz auch viel Schönes haben kann. Denn so bleibt ja noch Luft nach oben. Frohen Mutes gingen sie zum nächsten Punkt der Tagesordnung („Verschiedenes“) über.
Und die Moral von der Geschicht‘? NRW ist ‚gut‘, mehr aber auch nicht.
So weit also die Märchenstunde aus dem Düsseldorfer Landtag, wie sie sich vor drei Monaten zugetragen hat und auf deren Protokoll (PDF) ich in dieser Woche zufällig gestoßen bin.
Märchenstunde dahingehend, weil sich auch in diesem Fall der Eindruck aufdrängt, dass sich die Politik an Legendenbildungen aller Art abarbeitet.
Das fängt schon mal damit an, dass der Adelstitel „Bester Games-Standort in Deutschland“ galant den Beipackzettel unterschlägt, wo es eben gerade nicht um den objektiv ‚besten‘ Standort geht, etwa mit Blick auf Marktrelevanz, Arbeitsmarkt, Fachkräfte, Hochschulen, Ansiedlungen, Auszeichnungen, Investitionen, Messen, Events. Sondern explizit um das gefühlte und erlebte „politische Engagement“ auf regionaler Ebene.
Und so kommt es, dass etwa Hessen zwar a) den größten Games-Arbeitgeber stellt und b) mehr Games-Umsatz macht als der Rest des Landes zusammen, beim Thema Fördermittel aber c) mehr als knausrig ist und d) überhaupt mit der Branche fremdelt – und deshalb e) auf dem letzten Platz landet. Noch hinter MeckPomm, wo es so gut wie überhaupt keine Computerspiele-‚Industrie‘ gibt. Ätsch.
An der fraglichen Umfrage hatten sich im November 2024 exakt 187 Betriebe beteiligt. Also im Schnitt 16 pro Bundesland, das Saarland schon mitgerechnet.
Doch wie ist es nun um Nordrhein-Westfalen bestellt? Jenes Land, das als Keimzelle germanischer Games-Kultur gilt? Wo die vier ältesten Studios und Publisher des Landes nach wie vor ihren Sitz haben? Wo der Anstoß für die Siedler erfolgte und der Gothic-Stil bis heute nachwirkt? Wo im August wieder 350.000+ Gamescom-Besucher die Segnungen Kölscher Baustellenplanung kennen und lieben lernen?
Die Opposition (hier: die NRW-SPD) mag gute Gründe haben, wenn sie sich wundert, warum man auf Rang 2 abgerutscht sei – während die Bayern keine Gelegenheit auslassen, um auf ihre Spitzenposition hinzuweisen. Doch das fällt in die Abteilung Politfolklore.
Eine ungleich spannendere Frage wäre: „Ey, Spieglein, wenn die Landesregierung mehr als 4 Mio. € p. a. investiert und die Bundesregierung seit 2019 mit weiteren 47 Mio. € nachgeholfen hat – wie geht eigentlich die Erklärung, dass seit der Jahrtausendwende so wenige neue Mittelständler im Gamescom-Land hinzugekommen sind?“
Vielleicht lautet die Antwort: „Weil wir einfach nur ein liebenswerter Indie- und AA-Standort sein wollen – ohne all das Free2Play- und Blockbuster-Gedöns.“ Kann ja sein. In diesem Fall wäre es auch nicht schlimm, dass die Bundes-Förderdatenbank derzeit 17 laufende NRW-Projekte listet, während Berlin und Bayern auf 31 beziehungsweise 39 kommen.
Ich hab jedenfalls große Sympathien für ein Bundesland, das eine gewisse Erfahrung in der Disziplin ‚Meister der Herzen‘ hat – und das Ende August wieder für eine Woche der Nabel der Videospiele-Welt sein wird.
Dass es bis dahin tatsächlich Fortschritte in Sachen Steuer-Förderung geben könnte, wie man in NRW hofft, ist nach Lage der Dinge nicht sehr wahrscheinlich. Aber manchmal werden ja Märchen wahr.
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft
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