Start Wirtschaft Private Division: Take-Two Interactive startet Indie-Label

Private Division: Take-Two Interactive startet Indie-Label

Mit Private Division etabliert Take-Two Interactive ein eigenes Indie-Label.
Mit Private Division etabliert Take-Two Interactive ein eigenes Indie-Label.

Nach Rockstar Games und 2K Games nimmt Take-Two Interactive eine dritte Marke in Betrieb: Private Division. Im Fokus: vielversprechende Projekte junger Indie-Teams.

[no_toc]Take-Two Interactive ist nicht der erste Groß-Publisher, der auf die Idee kommt, abseits der eigenen Blockbuster auch in Projekte kleiner, unabhängiger Studios zu investieren. Doch die Art und Weise, wie das im Falle von Private Division geschehen soll, ist außergewöhnlich.

Bislang unterscheidet der börsennotierte Spielehersteller zwischen zwei Labels:

  • Rockstar Games („Grand Theft Auto“, „Red Dead Redemption“)
  • 2K Games („Mafia 3“, „Bioshock“, „NBA2K18“)

Hinzu kommt nun Private Division. Die Abteilung finanziert und vermarktet nicht nur vielversprechende Projekte von unabhängigen Studios. Auch innerhalb des Publishers agiert das Team genau so, wie die Studios geführt werden sollen: unabhängig. Private Division ist also kein Anhängsel von 2K Games.

Private Division: Neue Indie-Sparte bei Take-Two Interactive

Im Visier von Private Division sind junge, unverbrauchte Indie-Studios mit möglichst großer Erfahrung. Die ersten Deals sind bereits unter Dach und Fach – weitere folgen. Überzeugt werden sollen die künftigen Partner nicht alleine mit der internationalen Vertriebs- und Marketing-Power eines der größten Spieleherstellers der Welt: Vielmehr kümmert sich ein dezidiertes Team um einen erlesenen Kreis von Spiele-Entwicklern.

Ein weiterer Pluspunkt: Alle Markenrechte und Copyrights – also die komplette Intellectual Property – bleiben grundsätzlich beim jeweiligen Studio. Dadurch ist gewährleistet, dass die kreativen Köpfe im Erfolgsfalle auch Fortsetzungen oder Spin-Offs entwickeln können, ohne bis zum Sanktnimmerleinstag an den Publisher gebunden zu sein.

Private Division: Erfahrenes Management-Team betreut Indie-Teams

Der heutigen Ankündigung geht eine zweijährige Vorbereitungszeit voraus. Schon jetzt gibt es klare Ansprechpartner, die sich ausschließlich um die Projekte der Teams kümmern sollen.

Private Division ist also so etwas wie die private Krankenversicherung für Indie-Studios: Chefarztbehandlung, Einzelzimmer, bevorzugte Termine.

An der Spitze des Teams steht der langjährige Take-Two-Manager Michael Worowz als Senior Vice President. An seiner Seite wirkt Allen Murray als Executive Producer, der bereits für Microsoft Xbox und Bungie gearbeitet hat.

Das Publishing-Label betreibt drei Standorte: New York, Seattle und München. Von der bayerischen Landeshauptstadt aus koordiniert Markus Wilding als Senior Director alle Kommunikations-Maßnahmen. Wilding war bereits von 2001 bis 2015 für Take-Two tätig, weiß also, wie der Publisher tickt. Nach zwei Jahren als Communications Director von Remote Control Productions kehrt er an die alte Wirkungsstätte zurück und hilft beim Aufbau des neuen Labels.

Allen Murry (3. von links), Michael Worosz (4. von links) und Markus Wilding (2. von rechts) gehören zum Kernteam von Private Division.
Allen Murry (3. von links), Michael Worosz (4. von links) und Markus Wilding (2. von rechts) gehören zum Kernteam von Private Division.

Private Division: Obsidian Entertainment und Panache unter Vertrag

Nicht grundlos zeigt das Label-Logo einen stilisierten Edelstein: Das Team fahndet nach Rohdiamanten, die dann mit den Ressourcen von Take-Two geschliffen und poliert werden.

Zum Start hat das Label bereits fünf Studios unter Vertrag genommen. Die Liste macht deutlich, in welche Richtung es konzeptionell, inhaltlich und qualitativ für Private Division gehen soll:

Squad (Mexico City)

Das Raumschiff-Bastelprogramm „Kerbal Space Program“ des mexikanischen Studios Squad gehört zu den bestbewerteten Publikums-Lieblingen auf Steam. Take-Two hatte das Spiel im Mai 2017 übernommen.

Panache Digital Games (Montreal, Kanada)

Das kanadische Studio wurde 2014 von den beiden langjährigen Ubisoft-Spieldesignern Patrice Désilets und Jean-Francois Boivin gegründet. Désilets war Creative Director der Ubisoft-Blockbuster „Assassin’s Creed“ und „Prince of Persia: Sands of Time“, Boivin koordinierte die Entwicklerteams der „Splinter Cell“- und „Assassin’s Creed“-Spiele.

Mit ihrem neuesten Projekt „Ancestors: The Humankind Odyssey“ bleiben sie ihrem Genre treu: Das Survival-Action-Adventure spielt im afrikanischen Dschungel zur Zeit der ersten Menschen.

The Outsiders (Stockholm, Schweden)

Als „Punk Rock Wikinger“ bezeichnen sich die Mitarbeiter von The Outsiders, das von den ehemaligen DICE-Designern Benjamin Cousins und David Goldfarb geleitet wird. Das zwölfköpfige Team produziert ein Mystery-Wikinger-Rollenspiel – Arbeitstitel: „Project Wight“.

V1 Interactive (Redmond, USA)

Studiogründer Marcus Letho arbeitete fast zwei Jahrzehnte als Creative Art Director für Bungie und war an allen „Halo“-Titeln beteiligt. Die Hauptfigur – der Master Chief – ist sein Werk. Nächstes Projekt: ein – Überraschung! – Science-Fiction-Shooter.

Obsidian Entertainment (Irvine, Kalifornien)

Die Rollenspiel-Spezialisten haben sich mit Titeln wie „Neverwinter Nights 2“, „Fallout: New Vegas“ und „Pillars of Eternity“ einen Namen gemacht. Hinter Obsidian stecken die „Fallout“-Erfinder Tim Cain und Leonard Boyarsky. Für Private Divison bauen sie ein noch unangekündigtes Science-Fiction-Rollenspiel.

Private Division: Eine neue Hoffnung für Games made in Germany?

Durch Private Division ergeben sich auch für Studios im deutschsprachigen Raum neue Optionen. Indes kommen bislang nicht allzu viele Studios in Frage, die dem sehr klar umrissenen Anforderungsprofil von Take-Two entsprechen würden. Denn reine Mobilegames-Teams scheiden genauso aus wie Free2play-Browsergames-Entwickler.

Auch eine gewisse Erfahrung – also ein Track Record – schadet nicht: Das Team sollte nachweisen können, dass es in der Lage ist, Spiele zur Marktreife zu bringen.

Ins Beuteschema passen würden beispielsweise Piranha Bytes („ELEX“), FDG Entertainment („Oceanhorn“), Mimimi Productions („Shadow Tactics“), Rockfish Games („Everspace“), Deck 13 („The Surge“), Black Forest Games („Fade to Silence“), King Art („Die Zwerge“) oder auch das Berliner Studio Yager, mit dem Take-Two Interactive bereits 2012 beim Ego-Shooter „Spec Ops: the Line“ zusammengearbeitet hat.

Der Haken: Viele dieser Studios sind vertraglich anderweitig gebunden, meist langfristig.

Langfristig ist indes auch die Planung von Take-Two Interactive: Mit Ausnahme von „Kerbal Space Program“ kommt keines der bereits eingekauften Spiele vor März 2019 auf den Markt.

Diese nachhaltige Planung zeigt, dass es hier nicht um den schnellen PR-Effekt geht: Mittelfristig will das börsennotierte Unternehmen Geld mit Indie-Titeln verdienen und ein vorzeigbares Portfolio aufbauen. Umso beeindruckender ist, mit welcher Ernsthaftigkeit und Vision das Thema Indie-Games angegangen wird.

Wenn alles gut läuft wie geplant, dann entwickelt Private Division mittelfristig einen ähnlichen Ruf wie Blizzard oder Rockstar Games – also Top-Qualität, unabhängig vom Genre.

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