Start Wirtschaft Lizenz-Streit: Crytek verklagt „Star Citizen“-Entwickler

Lizenz-Streit: Crytek verklagt „Star Citizen“-Entwickler

Crytek sieht in
Crytek sieht in "Star Citizen" eine unzulässige Nutzung der CryEngine und verklagt das Studio auf Schadenersatz.

Wegen unzulässiger Nutzung der CryEngine verklagt das deutsche Entwicklerstudio Crytek den „Star Citizen“-Hersteller vor einem kalifornischen Gericht.

Das Weltraum-Spiel „Star Citizen“ wird immer größer und immer kostspieliger – jetzt könnte es womöglich noch teurer werden. Denn Crytek hat eine Klage vor einem kalifornischen Gericht gegen Cloud Imperium Games und Roberts Space Industries eingereicht.

Das Spiel basiert auf der CryEngine, einer Technologie, die vom Frankfurter Studio Crytek entwickelt wurde und unter anderem Spiele wie „Crysis 3“ und „Kingdom Come: Deliverance“ befeuert. Der Vorwurf: Die Unternehmen hätten ein zweites, eigenständiges Projekt auf CryEngine-Basis gestartet – in Form von „Squadron 42“.

„Star Citizen“: Crytek reicht Klage vor kalifornischem Gericht ein

Kurzum: Eine Lizenz – zwei Spiele, das ginge so nicht. Durch die unzulässige Nutzung und die daraus resultierende Vertragsverletzung sei ein Anspruch auf Schadenersatz entstanden. Cloud Imperium Games habe es nicht nur versäumt, Vorab-Lizenzgebühren zu bezahlen – Crytek stünden auch entsprechende Provisionen („Royalty“) pro verkauftem Spiel zu.

Obendrein hat man der weiterentwickelten Kern-Technologie einen neuen, eigenen Namen verpasst und werbe damit: StarEngine. Tatsächlich würde Cloud Imperium Games weiterhin die CryEngine nutzen, zumindest teilweise. In der Klageschrift wird ausgeführt, dass der Entwickler die Hinweise auf den Hersteller Crytek entfernt habe, inklusive aller Copyright-Angaben.

Cloud Imperium Games hat sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert. Demnach käme die CryEngine weder im einen noch im anderen Fall noch im Einsatz – stattdessen sei man bereits 2016 zur kostenlosen Lumberyard-Engine gewechselt, die vom eCommerce-Riesen Amazon vertrieben wird. Lumberyard wiederum basiert auf der CryEngine.

Das beklagte Unternehmen wolle sich nun mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen und fordert von Crytek auch die Erstattung der anfallenden Anwalts- und Gerichtskosten.

Endlos-Projekt „Star Citizen“: Das Weltraumspiel von „Wing Commander“-Schöpfer Chris Roberts

Hinter „Star Citizen“ steckt der bekannte Spiele-Entwickler Chris Roberts, der in den 90er-Jahren die weltweit erfolgreiche „Wing Commander“-Serie für Electronic Arts produziert hat.

Sein Mix aus Raumschiff-Flugsimulation und Wirtschaftssimulation wird seit 2012 entwickelt und besteht aus verschiedenen Bauteilen und Spielmodi. Kern des Spiels ist ein riesiges Online-Universum, in dem unter anderem Weltraum-Gefechte und der Handel mit Gütern stattfinden. Sowohl das Hauptspiel als auch die Solo-Komponente namens „Squadron 42“ befinden sich seit mehreren Jahren in Entwicklung und wurden mehrfach verschoben. Für die Zwischensequenzen wurden Hollywood-Größen wie Gary Oldman und Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill verpflichtet.

Die zugrundeliegende Crowdfunding-Finanzierung via Kickstarter plus die nachfolgenden Vorverkaufs-Aktionen spülten einen Rekordbetrag in die Kassen der Entwickler: Ende November lag der Pegelstand bei 170 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 140 Millionen Euro. Fast zwei Millionen Unterstützer weist die Website aus. Gleichzeitig gibt es Kritiker, die in Zweifel ziehen, dass das Projekt jemals im versprochenen Umfang fertiggestellt werden kann.

Cloud Imperium Games unterhält seit 2015 eine Filiale namens Foundry 42 in Frankfurt, nur wenige S-Bahn-Stationen entfernt vom Crytek-Hauptquartier. Mit 75 Mitarbeitern – darunter viele ehemalige Crytek-Beschäftigte – gehört die Niederlassung zu den 20 größten Entwicklerstudios in Deutschland.

Die 50 größten Games-Entwickler in Deutschland (Stand: 25. Juli 2017)
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