Start Wirtschaft eSports.com AG unter vorläufiger Insolvenzverwaltung (Update)

eSports.com AG unter vorläufiger Insolvenzverwaltung (Update)

eSports.com sammelte mehrere Millionen Euro an Investorengeldern im Rahmen eines ICO ein.
eSports.com sammelte mehrere Millionen Euro an Investorengeldern im Rahmen eines ICO ein.

Verliert ProSieben den strategischen eSport-Partner? Das Amtsgericht München hat für die eSports.com AG einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt.

Update vom 1.4.2019: Auf GamesWirtschaft-Anfrage teilt die ProSiebenSat.1 Media SE mit, dass die Insolvenz der eSports.com AG „keinerlei Auswirkungen auf die eSports-Strategie und -Aktivitäten“ der Sendergruppe habe. Zur eSports.com AG bestünde keine direkte Geschäftsbeziehung. Die von der ProSiebenSat.1 Sports GmbH und der eSports.com AG gemeinsam betriebene eSports.com GSA GmbH sei nicht insolvent. Ziel sei es, die Plattform eSports.com/de „im deutschsprachigen Raum unverändert weiter zu führen“.

Meldung vom 1.4.2019, 11:30 Uhr:

„Wir sind das am schnellsten wachsende eSports-Community-Portal weltweit.“

So lautet die Selbstwahrnehmung von eSports.com im FAQ-Bereich der Website. Doch von Wachstum – noch dazu „schnellem“ – konnte zuletzt kaum die Rede sein. Zwar wurden die redaktionellen Beiträge und Videos bis vor wenigen Tagen aktualisiert, doch die Foren sind überwiegend seit Herbst 2018 verwaist. In den vergangenen Monaten lagen die Website-Zugriffe konstant deutlich unter 80.000 Visits.

Seit dem 14. März um 13 Uhr steht die Heidelberger eSports.com AG nun unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Als Insolvenzverwalter wurde der Münchener Rechtsanwalt Rolf Pohlmann eingesetzt. Die „Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen“ soll gewährleisten, dass bis zur Entscheidung über ein Insolvenzverfahren keine Vermögenswerte abfließen.

eSports.com hat eine kurze, aber bewegte Geschichte hinter sich – inklusive der Einführung einer eigenen Blockchain-Kryptowährung (ERT – eSports Reward Token), mehrmaligen Management-Wechseln und Korrekturen der Ausrichtung. Im Rahmen eines ICOs im Oktober 2017 wurden nach Unternehmensangaben mehr als fünf Millionen Euro eingesammelt. Das ursprüngliche Geschäftsmodell sah vor, dass Hardware, Fanartikel, Tickets, Coaching-Stunden und eSport-Wetten via ERT bezahlt werden. Wenige Monate später – im März 2018 – teilte das Unternehmen mit, dass auf das erhoffte Millionen-Wettgeschäft verzichtet wird. ERT ist weiterhin auf Handelsplätzen gelistet, allerdings finden kaum An- und Verkäufe statt.

Nach GamesWirtschaft-Informationen sollen unterschiedliche Auffassungen mit Blick auf die künftige Strategie mitursächlich für die Schieflage gewesen sein. Hinter der eSports.com AG steht ein Geflecht aus Beteiligungen, Kooperationspartnern und Finanz-Investoren. Erst im Dezember 2018 wurde mit der ProSiebenSat.1-Sparte 7Sports das gemeinsame Joint-Venture eSports.com GSA in München gegründet. Ziel: der Aufbau der führenden eSport-Plattform im deutschsprachigen Raum. Die Geschäftsführung teilten sich eSports.com-Vorstand Fabian Furch und ProSieben-Manager Stefan Zandt. eSport-Experte Arne Peters, langjähriger Intel- und ESL-Manager, hat im Februar 2019 seinen Vertrag als Chief Strategy Officer gekündigt.

Bereits im Juni 2018 wurde eine mehrjährige Kooperation mit Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund bekannt gegeben. BVB-Marketing-Chef Carsten Cramer attestierte eSports.com eine „Millionen-Reichweite“ samt „trennscharfer Klientel“. Turniere mit BVB-Profis waren geplant, sind aber nie zustande gekommen. Für Aufsehen sorgte eSports.com, als zum Bundesliga-Rückrundenstart im Januar 2018 großflächige Werbebanden für das Unternehmen warben.

Wie geht es nun dem ProSieben-Joint-Venture weiter, sollte der Partner ausfallen? GamesWirtschaft hat das Unternehmen sowie Kooperationspartner um Stellungnahmen gebeten. Sobald weitere Informationen vorliegen, wird dieser Beitrag aktualisiert.

Hintergründe rund um eSports.com finden Sie in folgenden Artikeln:

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