Start Wirtschaft 20 Jahre Bigpoint: Hamburger Browsergames-Pionier feiert Jubiläum

20 Jahre Bigpoint: Hamburger Browsergames-Pionier feiert Jubiläum

Nach stürmischen Jahren jetzt in ruhiger See: Bigpoint feiert 20. Geburtstag (Abbildung: Bigpoint)
Nach stürmischen Jahren jetzt in ruhiger See: Bigpoint feiert 20. Geburtstag (Abbildung: Bigpoint)

Mit Browser-Spielen wie Farmerama oder Seafight war Bigpoint einst Vorbild und Vorreiter: Jetzt feiern die Hamburger 20jähriges Jubiläum.

„Ich sag BIG – ihr sagt …“„POINT!“. „Und jetzt hier auf der linken Seite …“„BIG!“„Und die die rechte Seite“„POINT!“„Und zusammen!“„BIG“„POINT“ – „BIG“„POINT“

Der Anheizer auf der Showbühne hatte das Games-Convention-2009-Publikum in den Leipziger Messehallen erkennbar im Griff. Klare Ansage: Wir sind Bigpoint – und gekommen, um zu bleiben.

Das Erfolgsgeheimnis des damals noch vergleichsweise frischen Free2Play-Konzepts: Strategiespiele wie Dark Orbit, Farmerama oder Seafight waren erstens kostenlos und zweitens direkt im Internet-Browser spielbar – ohne Konsole, ohne Download, auf jedem handelsüblichen PC. Wer schneller voran kommen will, zahlt.

Dieses Geschäftsmodell funktioniert damals wie heute, wie der 20. Bigpoint-Geburtstag in diesen Tagen belegt. Damit gehört das Studio – neben Traditionsschmieden wie Gameforge, Egosoft, Aerosoft, Crytek, Upjers, Piranha Bytes, Yager oder Ubisoft Blue Byte – zu den langlebigsten Computerspiele-Herstellern des Landes. Nach wie vor sind Farmerama, Pirate Storm & Co. im Browser spielbar.

20 Jahre Bigpoint: Jubiläum und Umzug

Das langjährige Bigpoint-Hauptquartier an der Drehbahn in allerbester Hamburger City-Lage diente dem Team vor wenigen Tagen ein letztes Mal als Party-Location – denn die Bigpoint GmbH wechselt den Stadtteil. „Wir hatten gleich drei gute Gründe, richtig zu feiern: das Jubiläum, Weihnachten und den Umzug in unser neues Büro“, erzählt Michelle Zou, die als Managing Director die Bigpoint-Geschäfte führt.

Nach Abwicklung der mittlerweile aufgelösten Berliner Zweigstelle wird die Zahl der Bigpoint-Beschäftigten in Hamburg derzeit offiziell mit „über 100“ angegeben. Es waren schon mal deutlich mehr – nämlich 800.

Das ist allerdings 15 Jahre her. Damals gab es bestenfalls eine Handvoll deutscher Studios mit vergleichbaren Mitarbeiter- und Umsatzzahlen und Margen wie Bigpoint, wo man sehr erfolgreich mit TV-Werbung experimentierte. US-Fonds und Investoren setzten auf weiteres Wachstum und erwarben knapp 70 Prozent des stramm expandierenden Unternehmens – für kolportierte 240 Millionen Euro. Gründer Heiko Hubertz behielt vorerst ein Drittel der Anteile.

Kurze Zeit später – ab 2011/2012 – geriet Bigpoint in die Krise: Überambitionierte Projekte floppten, Niederlassungen wurden geschlossen, die viel zu schnell gewachsene Belegschaft musste ebenso schnell wieder reduziert werden. Auch der angedachte Börsengang war damit vom Tisch. 2013 steigt Hubertz komplett aus, geht auf Weltreise und gründet mit Whow Games ein neues Unternehmen.

Managing Director der Bigpoint GmbH in Hamburg: Michelle Zou (Foto: Bigpoint)
Managing Director der Bigpoint GmbH in Hamburg: Michelle Zou (Foto: Bigpoint)

Hamburg meets Shanghai

Seit 2016 ist Bigpoint Teil des chinesischen Software-Konzerns Yoozoo Interactive, der für das komplette Bigpoint-Inventar vergleichsweise günstige 80 Millionen Euro zahlte.

In den zurückliegenden sechs Jahren wurden Ziele und Geschäftsführung mehrfach ausgetauscht. Michelle Zou räumt ein, dass Bigpoint und Yoozoo zunächst lernen mussten, „so gut wie möglich miteinander zu arbeiten“. Es seien Dinge ausprobiert und wieder verändert worden. Dies habe aber weniger mit Yoozoo zu tun gehabt als mit dem Umstand, dass Bigpoint nun mal in einem sehr dynamischen Markt unterwegs sei: „Kurskorrekturen sind von Zeit zu Zeit von Vorteil.“

Beispiel: Das vom einstigen Management ausgegebene Ziel, zu einem der Top 5-Mobilegames-Publisher zu reifen, wurde mittlerweile einkassiert und durch eine neue Strategie ersetzt. Tatsächlich weist der Appstore mit Hocus Puzzle nur ein einziges Smartphone-Spiel aus – das seit 2017 nicht mehr aktualisiert wurde.

Stattdessen habe man im Jahr 2022 zum Beispiel den Rollenspiel-Klassiker Drakensang Online auf Steam veröffentlicht – und auch 2023 sollen weitere Cross-Plattform-Titel folgen. Mobile bleibe als Plattform relevant, sei aber nicht mehr der Hauptfokus. Damit geht Bigpoint einen komplett anderen Weg als Hamburger Mitbewerber wie Goodgame Studios oder InnoGames.

Für die bestehenden Online-Games wie Farmerama oder Drakensang Online stellt Zou weitere Investitionen und Nachschub in Form von Updates in Aussicht – und zwar auf Jahre hinaus. Das gilt auch für Co-Publishing-Games wie A Game of Thrones: Winter is Coming und die Online-Rollenspiel-Reihe League of Angels.

Der Browserspiel-Klassiker Dark Orbit ist seit 2006 online (Abbildung: Bigpoint)
Der Browserspiel-Klassiker Dark Orbit ist seit 2006 online (Abbildung: Bigpoint)

20 Jahre Bigpoint: Noch viel vor

Vom künftigen Bigpoint-Büro verspricht sich Michelle Zou gleich mehrere Vorteile: „Mit unserem relativ neuen Arbeitszeitmodell hat sich ein Großteil unserer Mitarbeiter dazu entschlossen, vorwiegend im Home-Office zu arbeiten. Das erlaubt uns, das Budget, das normalerweise in Miete und Instandhaltung eines großen Büros geflossen wäre, in unsere Mitarbeiter und Games zu investieren.“

Die frischbezogenen Büros seien außerdem moderner und flexibler als das bisherige Hauptquartier: Dadurch könnten sich Mitarbeiter spontan entscheiden, von zu Hause aus zu arbeiten oder einen Arbeitsplatz oder passenden Meeting-Raum zu buchen.

„Wir versprechen uns davon, dass jeder dadurch die Freiheit bekommt, in seinem eigenen Tempo zu arbeiten, ohne sich dabei von seinen Kollegen abgekapselt zu fühlen“, erklärt Zou. „Der Begriff wurde in letzter Zeit oft verwendet und hat eventuell ein wenig von seinem Flair verloren, aber wir glauben daran, dass dies einen positiven Effekt auf die Work-Life-Balance haben wird.“

Derweil arbeiten Zous Teams an komplett neuen Projekten und Marken, darunter ein noch nicht angekündigtes Mobile-Tycoon-Game. Die Firma will (wieder) wachsen und die eigenen Spiele-Marken auch für andere Entwickler öffnen – und deshalb ist Bigpoint sowohl auf der Suche nach passenden Lizenzpartnern als auch nach neuen Talenten, die dann direkt in der neuen Bigpoint-Zentrale starten.