Start Sport Kondition statt Konsole: DOSB bucht PR-Strecke in Micky Maus (Update)

Kondition statt Konsole: DOSB bucht PR-Strecke in Micky Maus (Update)

Mit einem 6seitigen Comic im Magazin Micky Maus propagiert der DOSB einen sportlichen Lebenswandel (Abbildung: DOSB)
Mit einem 6seitigen Comic im Magazin Micky Maus propagiert der DOSB einen sportlichen Lebenswandel (Abbildung: DOSB)

Mit Unterstützung von Wintersport-Ass Felix Neureuther platziert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine games-kritische Strecke im Kindermagazin Micky Maus.

Update vom 6. März 2020: Via Twitter hat der DOSB auf GamesWirtschaft-Nachfrage eingeräumt, dass die sechsseitige Comic-Strecke im Kindermagazin „Micky Maus“ vom Verband initiiert und bezahlt wurde. Neben Anzeigen, die als solche gekennzeichnet sind, sei auch die Produktion des Comics Teil eines „Pakets“ gewesen. Der Absender und Finanzier der Promotion-Strecke ist nicht ausgewiesen.

Meldung vom 5. März 2020: Dass die bilateralen Beziehungen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zur deutschen Computerspiele- und E-Sport-Industrie nicht die herzlichsten sind, ließ sich in den vergangenen Jahren an zahllosen Beispielen besichtigen. Die Frage, ob E-Sport dem traditionellen Sport gleichzusetzen ist, eskalierte zuletzt in einem vom DOSB in Auftrag gegebenen Gutachten. Demnach sind allenfalls „virtuelle Sportsimulationen“ – etwa „FIFA 20“ – anschlussfähig.

Der Begriff „E-Sport“ wird sowohl vom DOSB als auch vom DFB abgelehnt. Der Grund: Mit Ausnahme des ‚Wettkampfcharakters‘ erfüllt so gut wie keine E-Sport-Disziplin die DOSB-Kriterien – etwa mit Blick auf die gemeinwohlorientierte Organisationsstruktur oder die „eigenmotorische, sportartbestimmende Bewegung“. Gleiches gilt für die (Regel-)Autonomie: Das Regelwerk und die Ausgestaltung von Ligen und Turnieren obliegt einzig den Rechte-Inhabern der zugrundeliegenden Computerspiele.

In der Abgrenzung zur Games- und E-Sport-Industrie legt der DOSB jetzt nach – und betreibt Lobby-Arbeit in eigener Sache bei Kindern und Jugendlichen: Die am kommenden Freitag (6. März) erscheinende Ausgabe 6/20 der Egmont-Ehapa-Zeitschrift „Micky Maus“ (verkaufte Auflage: ca. 68.000) enthält nicht nur ein „top-geheimes Agenten-Set“, sondern auch einen sechsseitigen Comic, der in Zusammenarbeit mit dem Olympischen Sportbund entstanden ist.

Aufhänger ist der 50. Geburtstag des DOSB-Maskottchens Trimmy, der seit März 1970 mit Slogans wie „Lauf mal wieder“ für mehr Bewegung wirbt.

Unter dem Motto „Runter vom Sofa“ tritt Donald gegen seine Neffen Tick, Trick und Track an und will beweisen, dass die – O-Ton – „computer- und smartphonegeschädigte Jugend von heute“ keine Chance gegen altgediente Sportler wie ihn habe. Mit erhobenem Zeigefinger ermahnt Donald die konsolen-spielenden Neffen: „Geht lieber raus und treibt richtigen Sport! Die Daddelbox macht euch nur schlapp und träge“. Der Deal: Gewinnt das Trio den Wettkampf, will er ihnen „die neueste PlaX“ kaufen – „ansonsten dürft ihr einen Monat lang nicht spielen.“

Spoiler: Mit freundlicher Unterstützung einer Entenhausen-Version des einstigen Alpin-Ski-Weltmeisters Felix Neureuther steigern Tick, Trick und Track ihren Fitness-Pegel. Im Comic enthalten sind DOSB-gesponserte Anregungen, wie „der Schritt von Konsole und Passivität zu echter Bewegung und gesundem Lebensstil“ gelingen kann.

Mit der Anfang 2020 ins Leben gerufenen „Esports Player Foundation“ unternimmt die Games-Industrie via dem Branchenverband Game ihrerseits einen neuen Anlauf, um das E-Sport-Gewerbe mit einem gesünderen Image aufzuladen. Das Gamepad-Pendant zur Deutschen Sporthilfe propagiert unter anderem „physische und mentale Fitness“, „Ernährung und gesunde Lebensweise“ und einen „verantwortungsvollen Umgang mit Gaming“. Der Geschäftsbetrieb wird finanziert von Sponsoren wie der Deutschen Telekom und der Direktbank DKB.

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