Start Sport Coronakrise: Umsatz-Einbruch bei E-Sport-Marktführer MTG

Coronakrise: Umsatz-Einbruch bei E-Sport-Marktführer MTG

MTG-Zahlen 2019: Steigende E-Sport-Umsätze bei wachsendem Verlust (Foto: ESL / Helena Kristiansson)
MTG-Zahlen 2019: Steigende E-Sport-Umsätze bei wachsendem Verlust (Foto: ESL / Helena Kristiansson)

Das Coronavirus beeinflusst nicht nur den E-Sport-Turnierplan der ESL, sondern hinterlässt auch tiefe Spuren in den Bilanzen des Mutterkonzerns MTG.

Ende Februar ließen die Behörden im polnischen Katowice noch zu, dass die Intel Extreme Masters 2020 zumindest vor leeren Rängen stattfinden – ursprünglich wurden mehr als 170.000 Fans zu einem der weltgrößten E-Sport-Turniere erwartet. Doch selbst daran ist inzwischen nicht mehr zu denken: Live-Veranstaltungen aller Art werden verschoben oder abgesagt – vom Club-Konzert bis zu den Olympischen Spielen.

Betroffen ist auch die ESL Gaming GmbH mit Sitz in Köln: Die Tochter des schwedischen Medienkonzerns Modern Times Group (MTG) hofft, dass im zweiten Halbjahr wieder Live-Events stattfinden können – sicher ist das allerdings nicht. Parallel laufen die Geschäfte bei der zweiten deutschen MTG-Beteiligung – dem Hamburger Mobilegames-Entwickler InnoGames GmbH – weiterhin gut. In Zeiten von Ausgangssperren und Quarantäne steigen Spielerzahlen und Spielzeit.

Dessen ungeachtet verfolgt MTG den Plan, sich zu einer reinen E-Sport-Firma zu entwickeln: Für InnoGames wird weiterhin ein Partner oder Käufer gesucht – laut Unternehmen gibt es mehrere Interessenten. Die Verhandlungen sollen fortgeführt werden, sobald sich die Finanzmärkte wieder stabilisieren.

Klar ist schon jetzt: Die Auswirkungen des Coronavirus werden erhebliche Spuren in den Bilanzen hinterlassen – Modern Times Group rechnet für das Gesamtjahr mit Umsatzeinbußen von 40 Prozent. Das hat der börsennotierte Konzern am frühen Nachmittag per Adhoc-Meldung bekannt gegeben.

Der Grund: Ähnlich wie im Falle der Fußball-Bundesliga oder Champions League sind weite Teile des Geschäftsmodells derzeit schlicht nicht praktikabel. Stadien und Hallen sind gesperrt – Teams und Fans können nicht anreisen, weil der internationale Flugverkehr zum Erliegen gekommen ist. Solange keine E-Sport-Events stattfinden, entfällt der Umsatz aus dem Verkauf von Tickets und Fanartikeln. Profis und Zuschauer müssen zwangsläufig auf Livestreams zurückgreifen.

Heimspiel: Die Lanxess Arena ist Austragungsort der ESL One Cologne (Foto: ESL / Adela Sznajder)
Heimspiel: Die Lanxess Arena ist Austragungsort der ESL One Cologne (Foto: ESL / Adela Sznajder)

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum werden die beiden MTG-E-Sport-Marken ESL und DreamHack zwischen 35 und 45 Prozent weniger Umsatz im ersten Halbjahr 2020 ausweisen. Besonders prekär: Durch kurzfristig angeordnete „Geisterspiele“ wie im Falle der Intel Extreme Masters in Katowice bleibt die ESL auf den Kosten sitzen.

MTG muss und will deshalb sparen: Bei der ESL und DreamHack sollen die Kosten um mindestens 14 Millionen Euro sinken. Das Unternehmen unterstellt, dass ab dem 3. Quartal – also ab Juli – wieder Live-Events möglich und erlaubt sein könnten. Bei steigenden Umsätzen wies MTG zuletzt anhaltend hohe Verluste im E-Sport-Geschäft aus – und das lange vor Corona.

Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zerstreut MTG mit Verweis auf üppige Cash-Bestände von 160 Million Euro. Die traditionelle Investoren-Präsentation („Capital Markets Day“) wurde vom Frühjahr auf den Herbst verschoben.

Eine ausführliche Analyse zu den Geschäftszahlen und den Herausforderungen der ESL finden Sie hier.

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