Start Meinung Deutschlands beliebteste Spielkonsole (Fröhlich am Freitag)

Deutschlands beliebteste Spielkonsole (Fröhlich am Freitag)

Junge Smartphone-Gamer auf der Gamescom 2019 (Foto: GamesWirtschaft)
Junge Smartphone-Gamer auf der Gamescom 2019 (Foto: GamesWirtschaft)

Berichte über das bevorstehende Ende der Spielkonsolen haben sich regelmäßig als haltlos erwiesen: Das Segment boomt – doch Mobile-Games wachsen noch stärker.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

als Google im März 2019 den Games-Streaming-Dienst Stadia vorstellte, lautete der Slogan: „The Future of Gaming is not a box“ – in Anspielung darauf, dass Videospiele künftig zusammen mit Strom, Internet und Netflix aus der Steckdose kommen. Ein Gaming-PC oder eine klassische 300-bis-500-Euro-Spielkonsole, wie sie Microsoft, Nintendo und Sony zusammenlöten, würden nicht länger benötigt.

Heute, zwei Jahre später, stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

Ungefähr niemand wäre überrascht, wenn Google seinerseits den Stecker zieht oder das Geschäftsmodell ‚weiterentwickelt‘, also umkrempelt.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Auch Star-Entwicklerin Jade Raymond, gerade frisch von EA zu Stadia gewechselt, twitterte im Frühling 2019 den markigen Slogan – nur, um erst vor wenigen Wochen anzukündigen, dass sie Google verlassen hat und abermals völlig excited sei, ein neues Studio aufzubauen. Diesmal für Sony PlayStation. Sie kennen den Spruch mit dem Brot und dem Lied.

Zur Wahrheit gehört: Mit der Konsolen-Dämmerung-These war und ist Google nicht alleine. Gefühlt seit der PlayStation 3 erzählen Analysten, Industrielle und Journalisten, dass dies die allerallerletzte Spielkonsolen-Generation sei – diesmal wirklich. Doch die Realität des Jahres 2021 ist nun mal, siehe oben, eine andere.

Weil Google aus guten Gründen vermieden hat, die Vokabel ‚future‘ näher einzuordnen (1 Jahr? 5 Jahre? 10 Jahre?), kann es natürlich trotzdem sein, dass sich die Not-a-box-Prophezeiung zeitnah erfüllt. Womöglich war Google einfach einen Tick zu früh dran – wie es ja oft bei Innovationen zu beobachten ist, die sich dann mit Verzögerung durchsetzen. Überhaupt dauert es ja meist viel, viel länger, bis Menschen gewillt sind, sich von einer gelernten Technologie zu verabschieden.

So zeigt zum Beispiel der Musikmarkt, dass immer noch 20 Prozent des Umsatzes mit klassischen CDs erwirtschaftet wird – 15 Jahre nach Erfindung von iPod und Spotify. Und: Trotz ansonsten völlig identischer Technik entscheiden sich drei von vier PlayStation-5-Käufern für ein Gerät mit Laufwerk – und gegen die 100 Euro günstigere Digital Edition.

Dabei hat Google eigentlich Recht behalten – wenn auch anders als beabsichtigt. Denn die Zukunft des Gamings ist tatsächlich keine Box fürs Wohnzimmer, sondern wiegt kaum mehr als eineinhalb Schokoladentafeln und passt in die Hosentasche: Mobile-Games sind abermals der große Gewinner auf dem deutschen Spiele-Markt.

Games-Umsatz 2020 in Deutschland: Mobile-Games als großer Gewinner (Stand: 9.4.2021)
Games-Umsatz 2020 in Deutschland: Mobile-Games als großer Gewinner (Stand: 9.4.2021)

Von 100 Euro, die 2020 für Spiele-Software ausgegeben wurden, entfallen schon jetzt 43 Euro auf In-App-Käufe, wie der Branchenverband in dieser Woche bekannt gegeben hat. Wie viele dieser 2,3 Milliarden Euro von Candy Crush Saga-Superfan Bodo Ramelow stammen, ist nicht überliefert.

Fakt ist aber: Das Geschäft mit Free2Play-Spielen hat gerade im Corona-Jahr 1 kräftig zugelegt – plus 24 Prozent. Gegenüber 2017 haben sich die Umsätze glatt verdoppelt. Und das, obwohl Fachkraft Andreas Scheuer im selben Zeitraum sowohl für den Breitbandausbau als auch den Mobilfunk und obendrein die Games-Politik zuständig war.

60 Millionen Smartphone-Besitzer gibt es hierzulande. Und die restlichen 20 Millionen? Die sind offenbar weiterhin mit ihrem Nokia 3310 glücklich und freuen sich darüber, dass sie das Gerät kurz nach Inbetriebnahme zum letzten Mal aufladen mussten.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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8 Kommentare

  1. Guter Artikel,

    aber zu der Anmerkung „viele Kunden kaufen noch die PS5 mit Laufwerk“ möchte ich anmerken:
    Zumindest aktuell ist es immer noch so, dass (Playstation)Spiele oft günstiger in Physischer Form zu kaufen sind, als wenn man sie digital kaufen würde. Oft sind die Disc-Versionen auch früher rabattiert als die digital-Versionen. Da armotisieren sich die 100€ sehr schnell und sparen dem Kunden sogar am Ende wahrscheinlich einige Euro.

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