„Bescheiden und düster“ – so beschreibt Daedalic-CEO Carsten Fichtelmann die Marktsituation. Der Hamburger Publisher muss zwölf Stellen streichen.

„Mit Blick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung“ kündigt der Hamburger Publisher Daedalic Entertainment „personelle Umstrukturierungen“ an, übersetzt: Das Unternehmen baut Stellen ab. Nach dem Abschluss der Arbeiten an den Adventures Silence und State of Mind sowie am Taktik-Spiel Shadow Tactics (entwickelt vom Münchner Indie-Studio Mimimi Productions) erhalten zwölf Daedalic-Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen. Hinzu kommt eine nicht weiter spezifizierte Zahl befristeteter Arbeitsverhältnisse, die nicht verlängert werden.

Nach GamesWirtschaft-Informationen betrifft der Stellenabbau ausschließlich die Daedalic-Zentrale in Hamburg. Das neunköpfige Team in der Filiale in Düsseldorf arbeitet derzeit am Weltraum-Erkundungsspiel Long Journey Home, das im Frühjahr 2017 erscheinen soll.

Daedalic beschäftigte zuletzt 160 Mitarbeiter und gehört damit zu den zehn größten Games-Arbeitgebern in Deutschland.

Daedalic gehört zu den zehn mitarbeiterstärksten Spiele-Entwicklern in Deutschland.
Daedalic gehört zu den zehn mitarbeiterstärksten Spiele-Entwicklern in Deutschland.

Daedalic Entertainment: „Eisiger Wind des Marktes“ macht Stellenabbau erforderlich

Im Gespräch mit GamesWirtschaft begründet Daedalic-Gründer und -CEO Carsten Fichtelmann die Maßnahme unter anderem damit, dass die Entwicklung von Hoffnungsträgern wie Silence signifikant länger gedauert habe als geplant. Künftig soll die Entwicklung der Produkte effizienter und schneller vonstatten gehen, bei gleichbleibend hoher Qualität.

„Uns bläst ein eisiger Wind des Marktes ins Gesicht und wir arbeiten nicht wie möglicherweise noch in den Anfangsjahren des Unternehmens mit einem schlanken Kostenkorsett. Die Erlöse pro Titel sind zuletzt bei deutlich gestiegenen Kosten immer mehr zurückgegangen. Wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen, müssen wir diese Entwicklung in unserer Struktur berücksichtigen“, so Fichtelmann.

Hinzu käme ein extrem dichtgedrängtes Wettbewerberfeld mit Neuheiten wie Battlefield 1, Call of Duty: Infinity Warfare, Dishonored 2 oder Watch Dogs 2. Diese Titel stünden zwar nicht in direkter Konkurrenz zu den Daedalic-Titeln, buhlen aber gleichermaßen um Budget und Aufmerksamkeit. Trotz guter Wertungen, Kritikerlob und Influencer-Unterstützung bleiben die Daedalic-Verkaufszahlen hinter den Erwartungen und Planzahlen zurück.

„Egal auf welcher Plattform: Wir haben es heute global mit weitaus mehr Konkurrenz zu tun, wie noch vor einigen Jahren. Man muss konstatieren, dass Spiele unserer Art schwer an die Frau und den Mann zu bringen“, analysiert Carsten Fichtelmann. „Wir müssen neue Antworten darauf finden, wie es uns wieder besser gelingt, Spiele zu entwickeln und zu vermarkten, die nicht nur von einem kleinen Kreis sehr positiv aufgenommen werden, sondern mehr Abverkaufspotential haben, als es zuletzt der Fall war.“

Daedalic: Hoffnung auf Spiele abseits des Adventure-Genres

Mit dem Taktikspiel Shadow Tactics habe man weitere Schritte abseits des Adventure-Kerngeschäfts unternommen. Zudem befänden sich mehrere Spiele auf Unreal-Engine-4-Basis im Prototypenstadium, die ebenfalls Genre-Neuland beträten. Auch das offizielle Spiel zum Ken-Follett-Bestseller Die Säulen der Erde (The Pillars of Earth) sei auf der Zielgeraden.

Carsten Fichtelmann beschreibt die aktuelle Situation als „bescheiden und düster“ – trotz positiver Resonanz auf Neuheiten wie Deponia Doomsday, Silence oder Shadow Tactics. „Darauf müssen wir leider reagieren und stellen uns mit ungebremsten Kampfeswillen für das Jahr 2017 neu auf. Es wird weitergehen. Mir wäre es lieber wenn das Jubiläumsjahr von Daedalic unter besseren Vorzeichen startet, aber wir werden nicht aufhören, den Versuch zu unternehmen Spiele zu entwickeln, die auf den gleichen Wurzeln fußen wie unser Unternehmen.“

Daedalic Entertainment: Zuletzt fast 8 Millionen Euro Umsatz

Daedalic Entertainment wurde 2007 gegründet und begeht im kommenden Jahr das zehnjährige Jubiläum. Seit Mitte 2014 ist der Hamburger Publisher Teil der Bastei-Lübbe AG, der 48 Prozent der Anteile gehören. Der Kölner Verlag sorgte vor kurzem für Schlagzeilen im Zusammenhang mit der fehlerhaften Bilanzierung und Bewertung zweier Beteiligungen, darunter Daedalic. Nach Bekanntwerden der Recherchen der Wirtschaftswoche kam es zum Rücktritt des Aufsichtsrats, die Hauptversammlung wurde verschoben und die Jahresabschlüsse mussten neu aufgestellt werden.

Vervielfachung von Umsatz und EBITDA in weniger als 10 Jahren: Die Unternehmenspräsentation zeigt, was Bastei Lübbe mit Daedalic vor hat.
Vervielfachung von Umsatz und EBITDA in weniger als 10 Jahren: Die Unternehmenspräsentation zeigt, was Bastei Lübbe mit Daedalic vor hat.

Laut korrigiertem Jahresabschluss hat Daedalic im Geschäftsjahr 2015/16 einen Umsatz von 7,8 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Plus von rund 1,8 Millionen Euro gegenüber Vorjahr. Für die kommenden zehn Jahre planen Daedalic und Bastei-Lübbe mit einer Vervielfachung von Umsatz und Ertrag: Die Commerzbank hatte dafür im Juni Kreditlinien im Rahmen von mehr als 10 Millionen Euro zugesichert.

Die verschobene Hauptversammlung von Bastei Lübbe findet am 30. November statt, also in gut einer Woche. Kurz zuvor werden die aktuellen Halbjahreszahlen veröffentlicht, die Aufschluss über die aktuelle Lage von Daedalic geben.

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