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Eine "gigantische Releasewelle" kündigt Daedalic-Gründer Carsten Fichtelmann an.

Daedalic hat einen Kredit jenseits von 10 Mio. Euro aufgenommen: Der Hamburger Publisher will damit den Titel-Ausstoß erhöhen und den Umsatz mindestens verdoppeln.

Nicht weniger als das Losbrechen einer „gigantischen Releasewelle“ kündigt Daedalic-Entertainment-Chef Carsten Fichtelmann an, darunter auch Titel auf Basis von Hollywood-Lizenzen. Für ein solches Wagnis braucht es Geld, viel Geld – und das kommt in diesem Fall von der Commerzbank („Die Bank an Ihrer Seite“).

Kreditlinien in einem Volumen von mehr als 10 Mio. Euro werden dem Hamburger Publisher (Deponia, The Long Journey Home) zur Verfügung gestellt. Die Mittel dienen dazu, das Geschäft auszuweiten und den Umsatz von zuletzt 10,5 Mio. Euro „deutlich“ zu steigern. Deutlich heißt in diesem Fall: mindestens Verdoppelung, also weitere 10 Mio. Euro.

Umsatzverdoppelung im Blick: Daedalic holt sich frisches Geld

Große Hoffnungen ruhen auf dem offiziellen Spiel zum Ken-Follett-Straßenfeger „Die Säulen der Erde“: In einem Jahr – also Mitte 2017 – soll das bislang aufwändigste Daedalic-Projekt für PC und Konsole erscheinen. Daedalic widerum gehört mittlerweile zu den Säulen von Bastei Lübbe: Die Kölner sehen die Daedalic-Beteiligung als Schwerpunkt der „Multichannel-Strategie“, die neben Belletristik, Sachbüchern, Kinder- und Jugendbüchern, Hörbüchern und Apps auch Games umfasst. Das börsennotierte Unternehmen will die Daedalic-Spiele auch dazu nutzen, den Konzern bei jenen bekannter zu machen, die ihn bislang entweder gar nicht oder „nur“ als Rätselheft-Verlag wahrgenommen haben. „Das wird sich nun ändern“, kündigt Lübbe-Vorstand Thomas Schierack an. Dabei will Bastei Lübbe auch verlagseigene Stoffe umsetzen: Die Firma sitzt auf einem wahren Schatz an Geschichten, historische Romane ebenso wie Science-Fiction- und Fantasy-Titel – ein wahrer Steinbruch an Bestsellern, der nur darauf wartet, abgebaut zu werden.

Im Geschäftsjahr 2014 betrug der Daedalic-Umsatz 7,2 Mio. Euro, das EBITDA lag bei 1,7 Mio. Euro. 2015 soll der Umsatz auf die erwähnten 10,5 Mio. Euro gewachsen sein, das EBITDA liegt nach Unternehmensangaben bei 1,9 Mio. Euro. Daedalic beschäftigt an den Standorten Hamburg und Düsseldorf rund 160 Mitarbeiter.

In der Daedalic-Pressemitteilung ist von einer „Finanzierungsrunde“ die Rede – was üblicherweise den Einstieg von Investoren unter Abgabe von Anteilen beschreibt. Die Adhoc-Mitteilung der börsennotierten Bastei-Lübbe AG hingegen spricht von eingeräumten Kreditlinien. Auf Nachfrage von GamesWirtschaft bestätigte Daedalic, dass es sich bei dem Gesamtvolumen um ein klassisches Darlehen handelt.

Bastei Lübbe hat im September 2015 einen 3-Prozent-Anteil an Daedalic an einen britischen Investor abgegeben und ist seitdem noch mit 48 % (vorher: 51 %) an dem Hamburger Adventure-Spezialisten beteiligt. Der überraschende Schritt vom Mehrheits- zum Minderheitseigentümer wurde damals mit den ehrgeizigen, jetzt bekannt gewordenen Wachstumsplänen von Daedalic und der Verteilung der Risiken auf mehrere Schultern begründet.

„Die Säulen der Erde“ handelt übrigens vom Bau einer spektakulären Kathedrale im 12. Jahrhundert – ein gewaltiges Projekt, das im Lauf der Jahrzehnte allerlei Widrigkeiten und Rückschlägen ausgesetzt ist. Dass die Kathedrale schlussendlich doch noch finanziert und fertiggestellt werden kann, hat in erster Linie mit dem Vorstellungsvermögen, der Vision und der Hartnäckigkeit der Baumeister zu tun. In gewisser Weise erinnert Daedalics 10-Millionen-Wette an Follets Geschichte: Im kommenden Jahr – also pünktlich zum 10jährigen Jubiläum des 2007 gegründeten Studios – wird zu besichtigen sein, wie sich die Baupläne von Daedalic-Architekt Fichtelmann entwickelt haben.

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