Jahresabschluss ungültig, Hauptversammlung verschoben, Aufsichtsrat zurückgetreten: Bastei Lübbe muss die Beteiligung an Daedalic Entertainment neu bewerten.
Jahresabschluss ungültig, Hauptversammlung verschoben, Aufsichtsrat zurückgetreten: Bastei Lübbe muss die Beteiligung an Daedalic Entertainment neu bewerten.

Der Hamburger Publisher Daedalic Entertainment steht im Mittelpunkt von Turbulenzen beim Miteigentümer Bastei Lübbe AG: Der Konzern muss ausgewiesene Gewinne drastisch nach unten korrigieren.

Die Bastei Lübbe AG – mit 48 Prozent an Daedalic Entertainment (Deponia Doomsday, Shadow Tactics) beteiligt – muss die Jahresabschlüsse rückwirkend für die vergangenen beiden Geschäftsjahre berichtigen, wie das Unternehmen in einer Adhoc-Mitteilung einräumt. Das Konzernergebnis für beide Jahre wird deutlich nach unten korrigiert, um insgesamt bis zu 15 Millionen Euro.

Allein für das Geschäftsjahr 2015/16 würde sich das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen um sieben bis neun Millionen Euro verringern – und dadurch glatt halbieren. Grund für die Korrektur ist unter anderem die irreguläre Bilanzierung eines Teilverkaufs der Daedalic-Anteile an einen britischen Investor.

Daedalice Entertainment: Wirtschaftswoche enthüllte Bilanztricks bei Bastei Lübbe

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Bericht der Wirtschaftswoche über die „fragwürdigen Geschäfte“ der Bastei Lübbe AG. Das Blatt hatte dem Unternehmen Tricksereien unterstellt und von „bilanziellen Kunstgriffen“ und „kreativer Bilanzierung“ gesprochen.

Zunächst hatte Bastei Lübbe all diese Anschuldigungen als „substanzlos“ zurückgewiesen. Jetzt haben die Wirtschaftsprüfer von KPMG doch noch einmal genauer nachgerechnet, ihre ursprüngliche Einschätzung revidiert und zähneknirschend eingestanden, dass die Abrechnung falsch ist. Die Hauptversammlung wurde daher von September auf November verschoben. Der Aufsichtsrat hatte bereits Ende Juli angekündigt, geschlossen zurückzutreten.

Hintergrund: Bastei Lübbe und Daedalic Entertainment

Vor etwas mehr als zwei Jahren – im Mai 2014 – stieg die börsennotierte Bastei Lübbe AG beim Hamburger Spiele-Entwickler und -Publisher Daedalic Entertainment ein. Der Kölner Verlag sicherte sich zunächst eine Mehrheit von 51 Prozent für knapp 8 Millionen Euro, verkaufte dann aber im September 2015 ein 3-Prozent-Paket im Wert von 750.000 Euro an den britischen Investor Blue Sky Tech Ventures Limited. Bastei Lübbe behielt also 48 Prozent.

Die Wirtschaftswoche macht folgende Rechnung auf: Da Bastei Lübbe die Mehrheit an Daedalic abgegeben hatte, musste der Publisher nicht konsolidiert werden. Die Beteiligung stand mit nunmehr 13,5 Millionen Euro in den Büchern. Der daraus resultierende Sonder-Ertrag von 6,4 Millionen habe voll in die Gewinn- und Verlustrechnung durchgeschlagen.

Zwei Drittel des gesamten Vorsteuergewinns des Jahres 2015/2016 seien allein durch diese Buchung zustande gekommen.

Wirtschaftswoche spekuliert: Daedalic-Investor nur eine Briefkastenfirma?

Aus den geschlossenen Verträgen gehe hervor, dass Bastei Lübbe bereits 2015 die „Verfügungsgewalt“ über Blue Sky hatte. Übersetzt: Der Verkauf war gar kein „richtiger“ Verkauf. Bereits im Vorjahr habe der Verlag einen ähnlichen Kunstgriff bei einer E-Book-Plattform praktiziert. Auch hier hieß der Käufer Blue Sky Ventures. Laut der Wirtschaftswoche spräche Einiges dafür, dass es sich hierbei lediglich um eine Briefkastenfirma handele.

Zudem seien dem Bericht zufolge weite Teile des Kaufpreises noch nicht überwiesen worden, trotz mehrfach verlängerter Zahlungsfristen. Bleibt das Geld weiterhin aus, muss Bastei Lübbe den Betrag abschreiben.

Vervielfachung von Umsatz und EBITDA in weniger als 10 Jahren: Die Unternehmenspräsentation zeigt, was Bastei Lübbe mit Daedalic vor hat.
Vervielfachung von Umsatz und EBITDA in weniger als 10 Jahren: Die Unternehmenspräsentation zeigt, was Bastei Lübbe mit Daedalic vor hat.

Daedalic Entertainment: Prall gefülltes Portfolio für 2016/17

Für Bastei Lübbe und insbesondere die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ist der Imageschaden enorm, wie sich auch am abgesackten Aktienkurs ablesen lässt. In den kommenden Wochen, spätestens aber zur Hauptversammlung in drei Monaten muss das Medienunternehmen den korrigierten Wert der Daedalic-Beteiligung ausweisen. Bis dahin dürfte sich auch die Rolle des ominösen britischen Investors klären.

Daedalic selbst ist profitabel. Für das Geschäftsjahr 2015/2016 melden die Hamburger einen Umsatz von etwas mehr als 10 Millionen Euro, vor Steuern und Abschreibungen bleibt ein Ergebnis von fast 2 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr ist mindestens eine Verdoppelung der Umsätze angepeilt. Dazu beitragen sollen unter anderem Neuheiten wie die Roman-Umsetzung Die Säulen der Erde, das Weltraum-Strategiespiel A Long Journey Home vom Düsseldorfer Studio Daedalic West und das Taktik-Spiel Shadow Tactics von Mimimi Productions aus München.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here