Start Wirtschaft Phoenix Games: Erster Zugang fürs Kerstings Spiele-Holding (Update)

Phoenix Games: Erster Zugang fürs Kerstings Spiele-Holding (Update)

Unter dem Dach von Phoenix Games will Gründer Klaas Kersting erfolgreiche Games-Studios noch erfolgreicher machen (Foto: Phoenix Games)
Unter dem Dach von Phoenix Games will Gründer Klaas Kersting erfolgreiche Games-Studios noch erfolgreicher machen (Foto: Phoenix Games)

Mit Phoenix Games bringt Klaas Kersting eine Holding an den Start, die mehrere Free2play-Entwickler unter einem Dach vereint. Mögliche Ziele sieht Kersting auch in Deutschland.

Update vom 3. Mai 2019: Exakt einen Monat nach Ankündigung von Phoenix Games vermeldet die junge Firmen-Familie den ersten Neuzugang. Well Played Games stammt aus dem englischen Birmingham, existiert seit 2017 und entwickelt das Sammelkarten-Mobilegame „Warhammer Combat Cards“, unter Lizenz von Games Workshop.

Das Team setzt sich aus ehemaligen Mitarbeitern bekannter Studios wie Codemasters, Rebellion, SEGA und Electronic Arts zusammen.

Für Phoenix-Games-Gründer Klaas Kersting ist Well Played Games eine Art Blaupause, welche Studios er im Blick hat: „Als kleines, aber ambitioniertes Studio sind sie exakt die Art von Firma, um die herum Phoenix Games gebaut werden soll.“

Phoenix Games: Klaas Kersting gründet Spiele-Holding (Meldung vom 3. April 2019)

In Karlsruhe entsteht ein neues Games-Unternehmen – allerdings kein Entwicklerstudio und auch kein Publisher. Doch wenn es nach Seriengründer und Investor Klaas Kersting (Gameforge, FlareGames) geht, dann wird die Phoenix Games Holding GmbH bis Jahresende eine wahrnehmbare Rolle in der nationalen und internationalen Branche spielen.

Denn Kersting baut eine neue Firmengruppe auf, die Spiele-Unternehmen akquiriert. Im Fokus sind Studios, die Produkte auf Basis des Free2play-Modells entwickeln und bereits zählbare Erfolge vorweisen können, also im besten Fall ein bis mehrere Produkte im Live-Betrieb haben.

Phoenix Games wird dadurch zum Mitbewerber von Unternehmen wie InnoGames oder der schwedischen Stillfront Group, die ebenfalls Ausschau nach geeigneten ‚Targets‘ halten. Stillfront kontrolliert inzwischen mehrere umsatzstarke Hamburger Online- und Mobilegames-Anbieter wie Goodgame Studios, Playa Games, Bytro Labs oder die Kölner OFM GmbH („Online-Fußballmanager“).

Für die kommenden Monate kündigt Kersting mehrere Akquisitionen an. Mit Phoenix Games will er eines der Grundprobleme kleiner und mittelgroßer Spiele-Unternehmen lösen: den Zugang zu frischem Kapital und hinreichend Liquidität, um auf Dauer in einem extrem umkämpften Markt bestehen zu können. Denn nicht überall sind die Rahmenbedingungen des Finanzmarkts so günstig wie in Skandinavien – was erklärt, warum in Finnland oder Schweden ungewöhnlich viele erfolgreiche Games-Firmen entstanden sind.

Klaas Kersting ist einer der bekanntesten deutschen Games-Unternehmer. Nach seinem Ausstieg beim Spieleriesen Gameforge gründete er 2011 in Karlsruhe den Mobilegames-Entwickler FlareGames (u. a. „Nonstop Knight“, „Royal Revolt“) und investierte als Business Angel in Startups aus dem Tech-, Games-, eCommerce- und Food-Segment, darunter Wooga und Supercell. Im GamesWirtschaft-Interview erklärt Kersting, was er mit Phoenix Games konkret vor hat.

Phoenix Games-Gründer Kersting: „Deutschlands Entwicklerlandschaft ist einer der Märkte, die wir genau im Blick haben“

GamesWirtschaft: Klaas, was ist mit Phoenix Games möglich, was innerhalb der bestehenden Flaregames-Struktur nicht möglich ist?

Kersting: Erstmal: Phoenix Games wird nicht mit FlareGames oder anderen Publishern konkurrieren. Es ist einfach ein anderer Ansatz; Phoenix bringt keine Spiele heraus und bietet kein Publishing an.

Die Arbeit mit Projekten führt notwendig zu kurzfristigem Denken, man muss als Publisher für sich und die Partner sofort Wert schaffen, für das augenblickliche Projekt. Aber meist geht die Beziehung nicht weiter als bis dahin und es ist selten Zeit, sich grundlegenden Fragen zu widmen.

Was bei Flare am besten war, waren die langfristigen Beziehungen mit unseren eigenen Studios, Kopla und Keen Flare. So soll das auch bei Phoenix sein: Alle angeschlossenen Studios werden zu Mitbesitzern der Phoenix, der Erfolg von einem soll der Erfolg von allen sein.

Welche internationalen Vorbilder gibt es für das geplante Modell?

Ach, wir versuchen nicht, irgendwen zu emulieren – wir haben unsere eigenen Maßstäbe und unsere eigene Herangehensweise. Phoenix Games als junge Firma ist schon sehr inspiriert durch meine Erfahrungen als Investor und meine Sichtweise auf den Markt – nach den ersten Akquisitionen wird meine Sicht weniger wichtig werden, da wir in die Familie die Stärken aller Mitglieder einfließen lassen wollen.

Wir gehen nicht mit einer Passform an den Markt, in die wir die Partner pressen möchten. Wir suchen nach Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten, im Verbund Synergien zu heben.

Welche Größe soll das Phoenix-Team zum Start haben? Werden FlareGames-Mitarbeiter zu Phoenix wechseln?

Phoenix ist ein sehr kleines Team, aber eines mit großer Erfahrung. Wir sind exzellent aufgestellt, um passende Firmen zu identifizieren und zu bewerten. Wir haben aber keine Pläne, die Mannschaft zu einem Publisher zu entwickeln, also werden wir keine Struktur ähnlich der FlareGames aufbauen, weder mit Kollegen aus der Flare noch von anderswo. Das sind eigene Firmen mit eigenen Zielen und eigenen Teams.

Wir haben aber zu Beginn einige Leute aus der FlareGames übernommen, etwa Norman Pretzl, den CFO.

Du kennst du den deutschen Markt in- und auswendig. Wie viele potenzielle ‚Targets‘ gibt es hierzulande, die bzgl. Team-Struktur und Portfolio grundsätzlich in Frage kämen für Phoenix?

Deutschlands Entwicklerlandschaft ist natürlich einer der Märkte, die wir genau im Blick haben – wir führen hier auch schon konkrete Gespräche und es würde mich sehr freuen, wenn wir ein oder mehrere deutsche Studios akquirieren könnten.

Wir sind aber natürlich nicht eingeschossen auf ein Land oder eine Region – es ist ein grundlegendes Problem in der Industrie, dass Zugang zu Kapital stark von dem Standort einer Firma abhängt. Das ist eines der Probleme, die wir zu lösen helfen wollen.

In der Ankündigung ist die Rede von „mehreren Akquisitionen“. Wenn es optimal läuft: Wie viele Studios und Projekte sind bis Jahresende unter dem Phoenix-Schirm versammelt?

Es ist nicht schwer, interessante Firmen zu finden, aber wir gehen die Sache mit großer Ruhe an – jedes neue Team in der Gruppe soll nicht nur Umsatz einbringen, sondern auch einzigartige Fähigkeiten, von denen alle profitieren. Ich denke, wir kommen bis Jahresende sicher auf ein halbes Dutzend Mitgliedsfirmen im Verbund.

Abschließend: Welche Pläne verfolgst du mittelfristig mit FlareGames?

FlareGames ist bei Todd (Todd English, CEO seit November 2018, Anm. d. Red.) in sehr guten Händen und ich bin glücklich, ihm das Steuerrad übergeben zu haben.

Die Jungs haben alle Hände voll zu tun, gerade ist „Monsters With Attitude“ erschienen; mit „Nonstop Knight 2“ und „Warhammer Combat Cards“ auch schon zwei weitere Titel mit Hit-Potenzial in Sichtweite – ich mache mir um die FlareGames keine Sorgen.

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