Start Wirtschaft Activision Blizzard: Deutsche Niederlassung aufgelöst (Update)

Activision Blizzard: Deutsche Niederlassung aufgelöst (Update)

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Der Videospiele-Weltmarktführer Activision Blizzard konsolidiert das Publishing-Geschäft in London – davon betroffen ist auch die Niederlassung in Deutschland.

Update vom 7. Juni 2022 (8:30 Uhr): Ende einer Ära: Laut Handelsregister wurde die Activision Blizzard Deutschland GmbH in Ismaning bei München im Mai 2022 aufgelöst. Die operative Geschäftstätigkeit endete bereits im März 2021 – Investitionen fanden nicht mehr statt. Laut Geschäftsbericht wurde 2021 „lediglich ein Laptop angeschafft“.

Die Arbeitsverhältnisse der verbliebenen 19 Mitarbeiter hat das Unternehmen überwiegend bereits 2021, spätestens aber zum Stichtag 31. Mai 2022 gekündigt. Mittlerweile steuert der US-Konzern alle Publishing-Aktivitäten von der europäischen Zentrale in London (Details siehe unten).

Schon vor gut einem Jahr hatte Koch Media den Vertrieb der physischen Produkte (Call of Duty, Tony Hawk’s Pro Skater, Crash Bandicoot) auf Blu-Ray und Modul im Einzelhandel übernommen, wie schon zuvor für Capcom, Warner Bros. und Square Enix.

Ein Grund für die Liquidation der deutschen GmbH: der zunehmende Digitalvertrieb. Wörtlich heißt es: „Mit dem Rückgang der physischen Verkäufe und der erwarteten Umstellung auf ein rein digitales Geschäft entspricht ein lokales, auf einzelne Länder fokussiertes Einzelhandelsmodell nicht mehr den Geschäftsanforderungen.“

Die lokalen Umsätze waren in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft – von 55 Millionen € (2018) auf zuletzt 35 Millionen € (2020). Der Großteil der Einnahmen wurde über die MediaMarkt-Saturn-Gruppe und Amazon erzielt.

Die Auflösung der deutschen Activision-Blizzard-Filiale steht nicht im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme durch Microsoft für fast 70 Milliarden $. Der Vorgang soll bis Mitte 2023 abgeschlossen werden – zuvor müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Die Lage der Deutschland-Niederlassungen internationaler Publisher beleuchtet diese GamesWirtschaft-Analyse.


Update vom 23. März 2021 (16 Uhr): Activision Blizzard hat eine für börsennotierte Unternehmen übliche Stellungnahme nachgeliefert, die bewusst allgemein gehalten ist und keine Details zu Art und Umfang der geplanten Stellenstreichungen enthält:

„Die Spieler entscheiden sich zunehmend dafür, sich auf digitalem Wege mit ihren Spielen zu verknüpfen. Wir haben unsere Pläne den Teams in Europa vorgestellt, wie wir unsere Organisation im Sinne unserer Spieler anpassen können, um die jeweilige Region bestmöglich für künftiges Wachstum vorzubereiten. Wir werden umfangreiche Maßnahmen einleiten, um unsere Angestellten auf diesem Weg zu unterstützen und gleichzeitig die Transformationen für jene Kollegen zu erleichtern, die von diesen geplanten Änderungen möglicherweise betroffen sind.“


Update vom 22. März 2021 (16:45 Uhr): Auf Anfrage will Activision Blizzard die Meldung vom Wochenende nicht kommentieren. Der Beitrag wird aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen.


Meldung vom 22. März 2021 (11:30 Uhr): Laut einem Bericht von Gamesindustry.biz wird der US-Publisher Activision Blizzard (Call of Duty, World of Warcraft, Diablo, Overwatch, Tony Hawk’s Pro Skater) die Marketing- und Vertriebs-Büros in mehreren europäischen Ländern schließen. Davon betroffen sind demzufolge die Niederlassungen in Frankreich, Spanien, den Niederlanden und in Deutschland. Die Publishing-Aktivitäten sollen im europäischen Hauptquartier in London zusammengezogen werden, in unmittelbarer Nähe des Flughafens Heathrow.

Ein Activision Blizzard-Sprecher hat den Bericht gegenüber Gamesindustry.biz im Grundsatz bestätigt und damit begründet, dass die Spieler zunehmend über digitale Kanäle wie auf das Sortiment zugreifen, etwa den PlayStation Store oder das hauseigene Battle.Net. Man habe die Pläne für den Stellenabbau bereits den Angestellten mitgeteilt und befände sich nun in weiterführenden Gesprächen.

Die Activision Blizzard Deutschland GmbH mit Sitz in Ismaning bei München verzeichnet seit Jahren sinkende Umsatzerlöse: Zuletzt haben sich die Einnahmen fast halbiert – von 81 Millionen Euro (2016) auf 47 Millionen Euro (2019).

Ein wesentlicher Faktor ist auch hier der massive Ausbau des Digitalvertriebs: So sind Neuheiten wie Call of Duty: Modern Warfare oder Crash Bandicoot 4: It’s About Time nur noch vereinzelt oder gar nicht mehr im stationären Handel oder per Versand erhältlich. Auch die Handelslandschaft hat sich dramatisch gewandelt: Längst muss nicht mehr jede MediaMarkt-Filiale persönlich betreut werden – stattdessen gibt es zentrale Ansprechpartner. Entsprechend hat sich auch die Belegschaft bei Activision Blizzard verändert: Ende 2019 waren weniger als 40 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Umstrukturierung bei Activision Blizzard hält seit Jahren an: Im Herbst 2020 wurde unter anderem die europäische Blizzard-Zentrale in Versailles nahe Paris geschlossen. Vor einer Woche wurde zudem bekannt, dass 50 Mitarbeiter in der Live-Event- und E-Sport-Abteilung das Unternehmen verlassen müssen.

Mit einem Umsatz von 8 Milliarden Dollar (rund 6,2 Mrd. Euro) hat Activision Blizzard zuletzt abermals Rekord-Ergebnisse vorgelegt. Der Aktienkurs hat gegenüber März 2020 um rund 50 Prozent zugelegt – Marktkapitalisierung: rund 70 Milliarden Dollar.

Nicht von den Kürzungen betroffen ist die Activision-Sparte King.com, die in Berlin ein Studio unterhält und dort an Candy Crush-Mobilegames arbeitet.


GamesWirtschaft hat Activision Blizzard um eine Stellungnahme gebeten.

1 Kommentar

  1. Schweinerei, machen Milliarden Gewinne und entlassen die Leute. Zudem bin ich immer noch jemand der eine CD in der Hand halten möchte und kein download Code per Email bekommen will.

    Leider wird die Gier der reichen immer größer. Wird dann irgendwann so sein wie im Film „In Time“

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