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eSport-Streit: Reaktionen auf DOSB-Absage (Update)

FDP-Digitalexperte Manuel Höferlin gehörte 2011 zu den Organisatoren der ersten
FDP-Digitalexperte Manuel Höferlin gehörte 2011 zu den Organisatoren der ersten "Bundestag LAN" (Foto: FDP)

Die umstrittene eSport-Absage des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) hat vielfältige Reaktionen in Politik und Gesellschaft ausgelöst – ein Überblick.

Der Deutsche Olympische Sportbund hat am 29. Oktober die mit Spannung erwartete Entscheidung veröffentlicht, wie sich der Verband zum eSport positioniert. Abseits von reinen Sportsimulationen erteilt der Verband dem Thema eSport eine vergleichsweise deutliche Absage, inklusive des Begriffs „eSport“. Der DOSB lehnt die von der eSport-Branche ersehnte sportpolitische Anerkennung ab und sieht auch keine Veranlassung für eine Gemeinnützigkeit von eSport-Aktivitäten in Vereinen.

Das Papier dürfte weitreichende Folgen haben: Entgegen der Zusagen im Koalitionsvertrag kann es nun passieren, dass die Bundesregierung von ihren bisherigen Plänen abrückt. Bereits im September wurde bekannt, dass das Anerkennungsverfahren ins Stocken geraten ist und nun vom Votum des DOSB abhängig gemacht werde.

Parallel zur Veröffentlichung des DOSB-Dokuments reagierten der Industrieverband Game und der eSport-Bund Deutschland (ESBD) mit scharfer Kritik. Weitere Reaktionen aus Politik, Branche und Gesellschaft finden Sie im Folgenden.

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eSport-Streit: Reaktionen auf DOSB-Entscheidung

Update vom 31. Oktober 2018: Das derzeit wohl erfolgreichste deutsche eSport-Team Berlin International Gaming (BIG) hat sich in einer Stellungnahme in die aktuelle Debatte eingeklinkt.

„Nach der Entscheidung des DOSB rufen wir all jenen zu, die unsere Community spalten wollen: Unser Sport braucht nicht die Akzeptanz von starrköpfigen olympischen Sport-Organisationen, die unseren Sport diskreditieren. Das ist die Realität, die sie akzeptieren müssen. Wir sind die Zukunft“, heißt es in einer via Twitter verbreiteten Botschaft.

Yilmaz Ozan, Gründer von BIG und Mousesports, legte kurz darauf nach: „Das sind die vergeblichen Versuche eines veralteten Systems, relevant zu bleiben, indem es das Unvermeidliche ignoriert und die Augen vor dem verschließt, was schon längst Realität ist. Wir glauben nicht, dass der eSport die Akzeptanz dieser veralteten Systeme dringend benötigt, ganz im Gegenteil. Die Entscheidung über den Stellenwert des eSport treffen nicht diese Systeme, sondern einzig und alleine die Fans und die sprechen eine deutliche Sprache.“

Update vom 31. Oktober 2018: Marc Helbig, der Vorstandsvorsitzende des Berliner eSport-Club, kündigte per Twitter an, dass sich sein Verein vom DOSB-Entscheid „nicht unterkriegen“ lassen wolle. „eGaming ist ein lächerlicher Versuch, die Sportsimulationen von den anderen eSport-Titeln abzuspalten und sich selbst zu bereichern.“

Update vom 31. Oktober 2018: Der FDP-Digitalexperte und Bundestagsabgeordnete Manuel Höferlin begrüßt, dass sich der DOSB überhaupt mit der wachsenden Bedeutung des eSport auseinandersetzt. Ziel müsse es allerdings sein, dass der eSport „in allen Belangen genauso behandelt wird wie die klassischen Sportarten“. Die Bundesregierung sei in der Pflicht, sich an die Aussagen im Koalitionsvertrag halten.

Update vom 30. Oktober 2018: Die Digitalisierungs-Beauftragte der Bundesregierung Dorothee Bär (CSU) gehört seit vielen Jahren zu den aktiven Unterstützern der deutschen Spielebranche. Das Bundespresseamt verbreitete am späten Abend eine Pressemitteilung, in der Staatsministerin Bär auf deutliche Distanz zum Deutschen Olympischen Sportbund geht: „Wer eSport aus der heutigen Definition des Sports ausklammert, der erfasst nicht, was auf dieser Welt gerade passiert.“

Aus dem Text geht allerdings nicht hervor, ob und wie die Bundesregierung konkret auf das DOSB-Votum reagieren will.

Update vom 29. Oktober 2018: ESL-Gründer und -Geschäftsführer Ralf Reichert gehörte am Montag zu den ersten, die sich zur DOSB-Position äußerten. Via Twitter schloss sich Reichert der Kritik von Verbandsgeschäftsführer Felix Falk an: „Für ESL ist das nicht so relevant, für den Amateur vor Ort, den ehrenamtlichen Helfer usw. ist es schon doof. Last but not least auch inkonsequent mit den Sportspielen“, so Reichert. Die ESL-Mutter Turtle Entertainment GmbH mit Sitz in Köln ist der weltgrößte Veranstalter von eSport-Turnieren und -Ligen und befindet sich mittlerweile im Besitz eines schwedischen Medienkonzerns.

Update vom 29. Oktober 2018: Der rheinland-pfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger sieht in der DOSB-Entscheidung eine „verpasste Chance“. Durch die Positionierung könne der organisierte Sport keinen Einfluss auf die Entwicklung des eSport nehmen, sondern überlasse dieses „Massenphänomen“ sich selbst. Steiniger plädiert dafür, dass die Bundesregierung am Koalitionsvertrag festhält und einen Vorschlag unterbreitet, wie eine rechtssichere Anpassung der Abgabenordnung mit Blick auf eSport-Klubs gelingen könne. „Es darf nicht sein, dass die Gefahr des Aberkennens des Status der Gemeinnützigkeit wie ein Damoklesschwert über denjenigen Vereinen schwebt, die eine solche Abteilung haben“, so der CDU-Politiker, der unter anderem dem Sportausschuss des Bundestags angehört.

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