Start Politik Games-Förderung 2023: Bayern fällt zurück (Update)

Games-Förderung 2023: Bayern fällt zurück (Update)

Judith Gerlach (CSU) ist seit November 2018 als bayerische Digitalministerin im Amt (Foto: Susie Knoll / Stimmkreisbüro Judith Gerlach)
Judith Gerlach (CSU) ist seit November 2018 als bayerische Digitalministerin im Amt (Foto: Susie Knoll / Stimmkreisbüro Judith Gerlach)

Bayern bleibt stabil – aber auch nur das: Für die Games-Förderung im Jahr 2023 hat CSU-Digitalministerin Gerlach erneut zwei Millionen € eingeplant.

Update vom 16. November 2022: Mit Blick auf die Vergleichbarkeit zu anderen Standorten verweist das bayerische Digitalministerium darauf, dass der Freistaat weitere 1,5 Millionen € für Augmented- und Virtual Reality-Projekte ausgibt – etwa holografische 3D-Projektionen oder virtuelle Stadtführungen.

Zusammen mit den knapp 2 Millionen € für die klassische Games-Förderung plus 700.000 € für das Standortmarketing errechnet sich für 2023 ein Budget von 4,15 Millionen €.

Bei den Zuschüssen für Computer- und Videospiele liegt Bayern dennoch auf Platz 3 – hinter Nordrhein-Westfalen und Berlin-Brandenburg. Allein im Juni und November hat die Film- und Medienstiftung NRW mehr als 2,2 Mio. € für knapp 30 Projekte bewilligt.


Meldung vom 16. November 2022: „Signale auf Rot“.Das nächste Chaos“. „Ein Tiefschlag für diesen Wirtschaftszweig“: Mit scharfen Worten hatte Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach vor zwei Wochen den Annahme-Stopp für Games-Subventionen des Bundes infolge leerer Fördertöpfe kritisiert.

Habecks Wirtschaftsministerium lasse eine ganze Branche im Regen stehen – die Ampel schwäche damit den Games-Standort Deutschland. Dass die Mittel nun last-minute doch noch aufgestockt wurden, führt Gerlach „auch auf Druck Bayerns“ zurück.

Für ihr eigenes Bundesland reklamierte die CSU-Politikerin in diesem Zusammenhang, dass Bayern „weiterhin ein starker und verlässlicher Partner der Spieleentwickler“ bleibe: Man setze sich für die Entwicklerinnen und Entwickler von Games in Bayern ein. Das Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder sieht den Freistaat gar als „Vorreiter“, der mit der Computerspiele-Förderung immer wieder Maßstäbe gesetzt habe.

Im Haushalts-Entwurf für das Jahr 2023 lässt sich dieser Führungs-Anspruch nur bedingt ablesen: Denn wie ein Sprecher des Digitalministeriums auf GamesWirtschaft-Anfrage bestätigt, plant die Behörde auch in der kommenden Saison mit rund 2 Millionen € – also in unveränderter Größenordnung. Zum Vergleich: Spielfilme, TV-Serien, Kinos und Festivals wurden vom FFF Bayern zuletzt mit mehr als 30 Millionen € subventioniert.

Zur Begründung verweist das Ministerium auf das „wirtschaftlich schwierige Umfeld“ – Bayern halte die Spiele-Förderung vor diesem Hintergrund „stabil auf einem weiterhin hohen Niveau“. Für „allgemeine Fördermaßnahmen“, etwa im Rahmen des Standortmarketings, seien weitere 700.000 € eingeplant.

Damit fällt Bayern bei den Zuschüssen für die Games-Entwicklung im Ländervergleich absehbar zurück: So hatte Nordrhein-Westfalen die 2023-Budgets erst vor wenigen Tagen auf 3,5 Millionen € aufgestockt. Auch die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg – im Frühjahr 2023 Gastgeber des amtlichen Deutschen Computerspielpreises – plant eine kräftige Erhöhung.

Games Bavaria Munich (GBM) – die Interessensvertretung bayerischer Spiele-Entwickler – hatte erst Anfang November an die Vorbildfunktion Bayerns als Innovations-Standort erinnert. Dieser Anspruch spiegele sich derzeit nicht in der Höhe der für die Games-Förderung bereitgestellten Mittel wieder, so GBM-Vorstand und Mimimi-Games-Gründer Johannes Roth, der an Gerlach appellierte, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.

Die Staatsregierung hat sich vor drei Jahren das Ziel gesetzt, dass „Games made in Bavaria“ mehr Auszeichnungen beim Computerspielpreis erringen. Für den E-Sport sah Bayern „hohe gesellschaftliche Relevanz“ – die von der Staatsregierung gewünschte Ausrichtung eines „großen E-Sport-Event-Turniers“ ist bislang nicht geglückt.

Unter den 35 größten Spiele-Studios Deutschlands finden sich fünf in Bayern: Travian Games (München), Upjers (Bamberg), CipSoft (Regensburg), HandyGames (Giebelstadt bei Würzburg) und Chimera Entertainment (München). In der Landeshauptstadt haben außerdem Plaion (ehemals Koch Media), Take Two und Microsoft Xbox ihren Sitz.

Die größten Games-Entwickler und Spiele-Studios in Deutschland (Stand: 6. Oktober 2022)
Die größten Games-Entwickler und Spiele-Studios in Deutschland (Stand: 6. Oktober 2022)

2 Kommentare

    • Dagegen spricht das Kleingedruckte – nämlich, dass die Games-Entwicklung (nicht das Publishing) im Mittelpunkt steht. Wenn aber ein Großteil der Belegschaft mit Lizenztiteln beschäftigt ist, dann ist das kein ‚Studio‘. Laut Geschäftsbericht fanden zuletzt keine Eigen- oder Auftragsentwicklungen statt – das kann sich aber natürlich mal wieder ändern.

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