Start Politik Nach Förder-Stopp: Games Bavaria Munich appelliert an Staatsregierung

Nach Förder-Stopp: Games Bavaria Munich appelliert an Staatsregierung

Benjamin Zuckerer (links) bildet mit Hendrik Lesser und Johannes Roth den Vorstand von Games Bavaria Munich (Foto: GBM)
Benjamin Zuckerer (links) bildet mit Hendrik Lesser und Johannes Roth den Vorstand von Games Bavaria Munich (Foto: GBM)

Mit „großer Enttäuschung und Besorgnis“ reagiert Games Bavaria Munich (GBM) auf den vorläufigen Stopp der Games-Förderung – und fordert mehr Engagement von der bayerischen Staatsregierung.

Seit dem Halloween-Abend steht fest: Die Computerspiele-Förderung des Bundes legt eine vorläufige Vollbremsung hin. Denn das zuständige Wirtschaftsministerium hat bereits alle Mittel für den Rest von 2022 und die komplette Saison 2023 verplant – neue Anträge können also erst angenommen werden, wenn der Bundestag weitere Millionen-Subventionen genehmigt. Ein entscheidender Termin ist die Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses am kommenden Donnerstag.

Für Spiele-Entwickler kommt die Halloween-Botschaft einer Horror-Meldung gleich, denn dadurch wird die Finanzierung neuer Spiele-Projekte mindestens gefährdet, wenn nicht verhindert. Das sieht auch der Entwickler-Verband Games Bavaria Munich e. V. (GBM) so, der durch den Annahme-Stopp nicht nur die Planungen und die Existenz von Studios in Gefahr sieht, sondern die Perspektiven für die Games-Entwicklung im Land.

Zumindest moralische Unterstützung kommt von der bayerischen Staatsregierung: Die für die Computerspiele-Branche zuständige Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) hat sich in der vergangenen Woche für eine Aufstockung der Bundesmittel ausgesprochen. Ihr Vorwurf: Die Ampel-Koalition würde den Games-Standort Deutschland schwächen.

Der GBM nimmt allerdings auch den Freistaat Bayern in die Pflicht und fordert von Gerlach eine Erhöhung der Fördermittel auf Länderebene sowie eine Intensivierung des Austauschs zwischen Politik und Games-Industrie. Dies würde die „Ernsthaftigkeit der Aussagen“ von Gerlach unterstreichen.

Mimimi Games-Geschäftsführer und GBM-Vorstandsvorsitzender Johannes Roth: „Bayern muss hier als Vorbild für andere Bundesländer dienen. Nicht zuletzt, um seinem eigenen Anspruch als führender Innovations-, Entwicklungs- und Gamingstandort gerecht zu werden. Ein Anspruch, der sich momentan leider nicht in der Höhe der für die Gamesförderung bereitgestellten Mittel widerspiegelt. Wir appellieren daher an Frau Gerlach, ihren Worten nun auch für unsere Region Taten folgen zu lassen und hoffen auf einen konstruktiven Dialog.“

Der staatliche Filmfernsehfonds Bayern (FFF Bayern) hat 2021 mehr als 34 Millionen € in Kinofilme, TV-Serien und Festivals investiert – auf Games entfielen allerdings nur 2,1 Millionen €, also rund 6 Prozent des Budgets.

Das bayerische Kabinett will Ende des Monats den Haushalts-Entwurf für 2023 vorlegen – spätestens zu diesem Zeitpunkt werden auch die Games-Mittel für das kommende Jahr feststehen.

Im Games Bavaria Munich e. V. haben sich einige der größten bayerischen Studios sowie Startups und Dienstleister zusammen geschlosssen, darunter Chimera Entertainment, CipSoft, Travian Games, die Kalypso-Tochter Realmforge, Gentle Troll, Aesir Interactive und Mimimi Games.

Die größten Games-Entwickler und Spiele-Studios in Deutschland (Stand: 6. Oktober 2022)
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