Start Meinung Fröhlich am Freitag 50/2019: #Teamdiversity

Fröhlich am Freitag 50/2019: #Teamdiversity

Bunte Vielfalt: Mit der Kampagne #TeamDiversity will die Games-Branche ein Zeichen setzen.

Keine 20 Sekunden dauert es, um Mitglied im #Teamdiversity zu werden, der jüngsten Kampagne des Branchenverbands. Das ist auch gut so – die Praxis wird zeigen, was die Vorsätze taugen.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

die allerwenigsten Image-Broschüren, Flure und Eingangsbereiche von Unternehmen kommen ohne sie aus: „Business Principles“, „Mission Statements“, „Core Values“.

Die gedruckten, gemalten, in Bronze gegossenen Grundsätze lauten fast immer gleich: Integrität. Transparenz. Respekt. Verantwortung. Diversität. Aufrichtigkeit. Ehrlichkeit. Offenheit. Solidarität. Demut. Verlässlichkeit. Gleichberechtigung. Wertschätzung. Vielfalt. Fairness. Inklusion. Vertrauen. Customer First. Jede Stimme zählt. You name it.

Nestlé, Monsanto, Volkswagen, Shell oder die FIFA sind zurecht stolz darauf.

In ihrer Schlichtheit und Unverbindlichkeit erinnern die Schlagworte an jene Kalendersprüche, die oft so schön sind, dass man sie am liebsten umgehend in einem Sofakissen verewigen möchte. Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum. Die Tabelle lügt nicht. Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit. Draußen nur Kännchen. Keine Macht den Drogen. Say no to racism. Oder wie es der spätpubertierende Christian L. so unvergleichlich formulierte: „Probleme sind nur dornige Chancen.“

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

In diesen glühweinseligen Weihnachtsfeier-Tagen ist offenbar Hochsaison für die Formulierung gemeinsamer Werte, auch in der Games-Industrie. Ende Oktober Anfang November haben zum Beispiel westliche Lobby-Verbände eine eSport-Charta aufgestellt, Ende Oktober beschloss der hiesige ESBD einen Ethik-Kodex und vorgestern legte der deutsche Branchenverband Game mit der Kampagne „Hier spielt Vielfalt“ nach.

Hashtag #Teamdiversity

Acht Thesen wurden an die Website genagelt: Pro Vielfalt und Diversität – contra Diskriminierung, Extremismus, Menschenfeindlichkeit, Machtmissbrauch. Unter Punkt 3 verpflichten sich die Unterzeichner zum Beispiel, „Personalprozesse zu überprüfen“, auf dass sich Kompetenzen und Talente optimal entfalten können. Und unter Punkt 8 nehmen sich alle ganz fest vor, dass sämtliche Geschlechter Berücksichtigung bei der Besetzung von Führungspositionen finden und möglichst vergleichbar entlohnt werden.

Gut, dass das mal jemand aufschreibt.


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Nun lässt sich weiß Gott nichts Schlechtes daran finden, sich wechselseitig an grundlegende Prinzipien menschlichen Anstands und Miteinanders zu erinnern und sich öffentlich dazu zu bekennen. Keine 20 Sekunden dauert es, die Erklärung zu ‚unterzeichnen‘ – Vorname, Name, E-Mail, Häkchen beim Datenschutz, ab dafür.

Schon ist man Mitglied im #Teamdiversity.

Ungleich anstrengender wird es werden, die honorigen Neujahrsvorsätze in der Praxis umzusetzen. Denn soviel ist sicher: Der Lackmustest wird kommen – etwa dann, wenn sich das nächste Mal die Gründung eines Betriebsrats andeutet, den es ohnehin nur in einer Handvoll deutscher Games-Unternehmen gibt. Also ein Gremium, das dafür sorgen könnte, dass Konflikte nicht nur „offen angesprochen und partnerschaftlich gelöst“ werden, wie es vatikanesk unter Punkt 5 heißt, sondern das auch über die juristischen Instrumente verfügt, falls der teambuildende Kitt von Tischkicker und Tischtennisplatte bröselt.

Ich erlebe die Branche jedenfalls überwiegend so, wie sie der Verband idealtypisch aufgeschrieben hat: als bunt, tolerant, weltoffen, divers, solidarisch, respektvoll. Sollte das eines fernen Tages einmal nicht der Fall sein (und es gibt wenig Gründe anzunehmen, ausgerechnet die Games-Industrie sei sakrosankter als etwa die Film– oder Musik-Branche), dann wird sich das #Teamdiversity hoffentlich an sein Gelübde vom Dezember 2019 erinnern.

In guten wie in schlechten Tagen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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