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Industrieverbände verabschieden eSport-Charta

eSport-Turnier ESL Hamburg 2019: Internationale Industrieverbände wie der deutsche Game haben sich auf eine eSport-Charta verständigt (Foto: ESL / Helena Kristiansson)
eSport-Turnier ESL Hamburg 2019: Internationale Industrieverbände wie der deutsche Game haben sich auf eine eSport-Charta verständigt (Foto: ESL / Helena Kristiansson)

Die größten Verbände der westlichen Videospiel-Industrie haben eine eSport-Charta mit vier universellen „Grundwerten“ aufgestellt.

Die US-amerikanische ESA, die britische UKIE, der schwedische Dataspelsbranschen, der europäische Dachverband ISFE, der deutsche Game-Verband – sie alle und viele weitere Lobby-Verbände aus Europa, Nordamerika und Ozeanien haben sich auf gemeinsame eSport-Standards verständigt und zu diesem Zweck eine Art „Ehrenkodex“ aufgestellt.

Vor dem Hintergrund steigender Zuschauerzahlen und Umsätze sei es erforderlich, eigene Grundwerte zu definieren. Gleichzeitig weise der eSport einige wesentliche Unterschiede zum traditionellen Sport auf, worauf die Verbände explizit hinweisen. Denn die Urheberrechte an Spielen, Marken, Figuren, Turnieren und Spielmodi liegen bei den jeweiligen Spiele-Herstellern, also Ubisoft, Electronic Arts, Riot Games oder Valve. Im Dokument ist demzufolge auch nicht von einem „Sport“, sondern von einer der „am schnellsten wachsenden und faszinierendsten Industrien in der Welt“ die Rede.

Den eingebundenen Industrieverbänden gehören alle relevanten Publisher und Plattformbetreiber an, von A wie Activision Blizzard bis Z wie Zenimax. Allerdings: Wesentliche Teile des globalen eSport-Marktes – etwa China und Südkorea – werden nicht von der eSport-Charta abgedeckt. Inwieweit Breitensport-Verbände wie der eSport-Bund Deutschland (ESBD), eSport-Teams oder -Profis in die Entwicklung des Papiers eingebunden waren, geht aus dem Dokument nicht hervor.

Die Charta besteht aus vier Grundwerten („Principles“):

Sicherheit und Wohlbefinden: Die Ausübung des eSports möge ohne Gewalt und ohne körperliche oder verbale Bedrohungen und Belästigungen auskommen.

Integrität und Fairplay: Cheating, Hacking und andere „unanständige“, betrügerische und unehrliche Verhaltensweisen gegenüber anderen Spielern und Teams haben im eSport nichts zu suchen.

Respekt und Diversität: Im Geiste eines „sauberen Wettkampfs“ fordern die Verbände Respekt und Höflichkeit gegenüber Team-Kameraden, Gegnern, Funktionären, Organisatoren und Schiedsrichtern. Der eSport soll eine offene und inklusive Willkommenskultur pflegen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Können, ethnischer Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung.

Positives und bereicherndes Gameplay: Im besten Fall fördert eSport Selbstvertrauen, Sportsgeist, Kommunikation und Zusammenarbeit im Team. Dies könne auch zur Entstehung neuer Freundschaften führen.

Unklar bleibt, ob die eSport-Charta auch für die eSport-Anbieter und Spiele-Publisher selbst gilt. Zuletzt hatte Blizzard Entertainment weltweite Empörung ausgelöst: Ein taiwanesischer „HearthStone“-eSportler war mit einem Quasi-Berufsverbot belegt worden, weil er sich während eines Live-Interviews für die Unabhängigkeit Hongkongs ausgesprochen hatte.

Gegenüber GamesWirtschaft begrüßt ESBD-Präsident Hans Jagnow die Positionierung der Spielehersteller. Die Inhalte der Erklärung seien ein starkes Statement für einen wertegetragenen eSport. „Wir begrüßen den Einsatz für eine offene und inklusive Bewegung und verstehen die aufgeführten Prinzipien als positiven Maßstab, an denen sich Publisher und Entwickler in Zukunft messen lassen wollen.“

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