Start Wirtschaft Hashtag #BlizzardBoycott: Hongkong-Konflikt erreicht Games-Branche (Update)

Hashtag #BlizzardBoycott: Hongkong-Konflikt erreicht Games-Branche (Update)

Schleift Blizzard Entertainment die Meinungsfreiheit? Durch die Suspensierung eines HearthStone-Spielers steht das US-Unternehmen in der Kritik (Abbildung: Blizzard)
Schleift Blizzard Entertainment die Meinungsfreiheit? Durch die Suspensierung eines HearthStone-Spielers steht das US-Unternehmen in der Kritik (Abbildung: Blizzard)

Der Rausschmiss eines China-kritischen „HearthStone“-Spielers entwickelt sich für Activision Blizzard zu einem veritablen Image-Super-GAU.

Update vom 9. Oktober 2019 (17 Uhr): Via Twitter hat Epic-Games-Gründer, -CEO und -Mehrheits-Aktionär Tim Sweeney klargestellt, dass es jedem Spieler freisteht, sich zu politischen Themen oder Menschenrechten zu äußern. Im Falle einer vergleichbaren Situation hätte der „Fortnite“-Hersteller nicht eingegriffen.

Der chinesische Internet- und Computerspiele-Gigant Tencent ist mit rund 40 Prozent an Epic Games beteiligt.

Meldung vom 9. Oktober 2019 (12 Uhr): Das US-Spielestudio Blizzard Entertainment – Teil des börsenotierten US-Konzerns Activision Blizzard – sieht sich mit wachsendem Groll der Zielgruppe in sozialen Netzwerken konfrontiert. Auf Twitter trenden weltweit Hashtags wie #BlizzardBoycott, die das Vorgehen des Unternehmens scharf kritisieren. Auf Screenshots ist zu sehen, wie Spieler Blizzard-Produkte deinstallieren.

Hintergrund: Blizzard („World of Warcraft“, „Overwatch“) hatte den eSportler Ng Wai Chung – Kampfname „blitzchung“ – von allen Wettbewerben ausgeschlossen und die Auszahlung von Preisgeldern verweigert. Blitzchung ist spezialisiert auf das Sammelkarten-Spiel „HearthStone“. Während einer Live-Übertragung hatte der junge Spieler zur „Befreiung Hongkongs“ aufgerufen – und damit ein politisches Statement abgesetzt. Auch die Zusammenarbeit mit den beiden Kommentatoren des Turniers wurde beendet.

Blizzard beruft sich auf die Teilnahmebedingungen des Turniers, wonach für eine potenzielle Rufschädigung des Unternehmens just jene Konsequenzen vorgesehen sind. In einem Blog-Eintrag weist Blizzard darauf hin, dass zwar das Recht auf freie Meinungsäußerung respektiert werde. Gleichzeitig müssten sich alle Teilnehmer von Blizzard-Turnieren an die vorgegebenen Spielregeln halten.

Seit Wochen wird die 8-Millionen-Metropole Hongkong von Protesten gegen die Regierung erschüttert, die zunehmend auch in Gewalt umschlagen. Unter anderem wurde zeitweise der öffentliche Personennahverkehr in der chinesischen Sonderverwaltungszone eingestellt, regelmäßig gibt es Berichte über Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei. Mit der aufgezogenen Skimaske nahm Blitzchung Bezug auf das jüngst erlassene Vermummungsverbot, auf das die Demonstranten mit angelegten Atemschutzmasken reagiert hatten.

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Pikant: Der chinesische Weltmarktführer Tencent hält fünf Prozent an den Activision-Blizzard-Aktien. Gerade im Mobilegames- und eSport-Segment ist Tencent eine Macht: Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren unter anderem Riot Games („League of Legends“) und Supercell („Clash Royale“) übernommen. Tencent ist zudem an Epic Games („Fortnite“) und Ubisoft („Rainbow Six Siege“) beteiligt.

Auch in anderen Branchen wird der Hongkong-Konflikt zur Belastungsprobe der bilateralen Beziehungen zu China: So führte ein Pro-Hongkong-Tweet eines Managers des Basketball-Teams Houston Rockets dazu, dass das chinesische Staatsfernsehen die Live-Übertragung von NBA-Spielen vorläufig einstellt.

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