Wie kommt es eigentlich, dass Hiobs-Botschaften auf so viel mehr (messbares) Interesse stoßen als positive Nachrichten? Die Kolumne zum Thema der Woche.

Fröhlich am Freitag 50/2018: Die wöchentliche Kolumne aus der Chefredaktion

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

zwei bekannte deutsche Studios machten in den vergangenen Tagen Schlagzeilen: Wooga (Berlin) und Travian Games (München). Beide sind ungefähr gleich groß und relevant, was Umsätze, Belegschaft und Portfolio anbelangt.

Das eine – Travian Games – gibt zwei Games-Projekte auf (kein ungewöhnlicher Vorgang) und baut jede sechste Stelle ab. Das andere – Wooga – wurde für einen deutlich dreistelligen Millionen-Betrag an ein israelisches Casino-Games-Unternehmen verkauft. Ein Mega-Exit eines deutschen Spiele-Startups, in einem Atemzug zu nennen mit InnoGames, Goodgame Studios und Bigpoint.

Jetzt tippen Sie doch mal spaßeshalber, welche Meldung roundabout zehn Mal mehr Abrufe erzeugt hat als die andere. Richtig: die Entlassungen bei Travian Games.

Das liegt nicht etwa daran, dass sich für Wooga so viel weniger Menschen interessieren würden, im Gegenteil. Auch die Berliner haben schon die Abruf-Statistiken angeführt, allerdings ging es in diesen Fällen – Sie ahnen es – um Entlassungen.

Woran liegt das?

Dass Abertausende Flugzeuge jeden Tag sicher von A nach B fliegen und mehr oder minder sanft landen, ist keine Meldung wert, weil es schlicht niemanden interessiert – wohl aber der eine Flieger, der über die Landebahn hinaus saust und (im glimpflichsten Fall) evakuiert werden kann. Nachrichtenwert hat also die Abweichung von der Norm – bad news are good news. So zynisch, so wahr.

Wenn Sie sich ansehen, wie die Meldungen auf großen Nachrichten-Websites, auf Titelblättern oder in der Tagesschau gewichtet sind, dann fällt auf, dass es sich meist um ‚bad news‘ handelt – bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, Unfälle, Anschläge, Firmenpleiten. Katastrophen-Tourismus, wenn Sie so wollen. Boulevard-Medien fokussieren sich aus guten Gründen auf „Rot- und Blaulicht-Themen“, also das komplette Spektrum menschlicher Abgründe und Tragödien, das Zuschauer und Leser (nachweisbar) am meisten fasziniert.

Dieses „sensation seeking“ ist keine Erfindung der Presse, sondern zeigt nur, wie die meisten Menschen ‚ticken‘ – und gilt daher in noch viel stärkerem Maße für soziale Netzwerke, live zu beobachten an den Twitter-Trends.

Als Journalist muss man sich daher damit abfinden, dass eine Studio-Schließung zwangsläufig immer auf erheblich mehr ‚Nachfrage‘ stoßen wird als jede noch so glamouröse Studio-Eröffnung. Das kann man einerseits beklagen, andererseits zeigt sich in solchen Momenten auch der unternehmens-übergreifende Zusammenhalt innerhalb der vergleichsweise übersichtlichen deutschen Games-Branche: Schon wenige Minuten nach der Veröffentlichung der Meldung kursierten Dutzende Job- und Vermittlungs-Angebote für die betroffenen Mitarbeiter.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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