Unliebsame Überraschungen vermeiden, klare Regeln schaffen: Zum 10jährigen Jubiläum gehen die DCP-2018-Ausrichter auf Nummer Sicher, kommentiert GamesWirtschaft-Chefredakteurin Petra Fröhlich.

Drei Monate nach der Wahl und nur eine Woche vor Weihnachten – genauer: am 17. Dezember 2013 – wurde Angela Merkel als Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland wiedergewählt. Erst im Anschluss konnten Bundestag, Minister, Ministerien, Staatssekretäre und Beamte ihre Arbeit aufnehmen.

Nach der Bundestagswahl 2017 wird es vermutlich kaum schneller gehen, im Gegenteil. Der künftige Bundestag mit voraussichtlich sechs Fraktionen lässt anstrengende und langwierige Koalitionsverhandlungen erwarten.

Was hat das nun mit dem Deutschen Computerspielpreis 2018 zu tun? Wenn es nicht gelingt, vor dem Jahreswechsel eine handlungsfähige Regierung zu schmieden, dann könnte die DCP-Einreichungsfrist im Januar enden, ohne dass geklärt wäre, welches Ministerium künftig zuständig ist.

So lange bleibt das Verkehrsministerium erster Ansprechpartner der Branche. Wenn es das Schicksal nicht gut meint mit Bundesminister Alexander Dobrindt, sollte er sich den Abend der DCP-Preisverleihung im April 2018 also sicherheitshalber noch freihalten.

Deutscher Computerspielpreis 2018: Alle Angaben ohne Gewähr

Die Bundestagswahl birgt für Branche, Parteien und Ministerien eine Reihe von Unwägbarkeiten. Daher wurde in buchstäblich letzter Minute – wenige Tage vor dem Wahl-Wochenende – eine neue Vereinbarung unterzeichnet, die allerdings nur für die kommenden zwei Jahre gilt. Schon im Oktober 2019 endet die Vertragslaufzeit – weit vorher muss erneut verhandelt werden.

Dass im April 2018 tatsächlich die veranschlagten 550.000 Euro an die zehn Preisträger verteilt werden, ist dabei keineswegs garantiert. Denn die komplette Finanzierung des Preises steht unter Vorbehalt: Im extrem mächtigen Haushaltsausschuss werden Vertreter sämtlicher im Bundestag vertretenen Parteien sitzen, die einer eigenen Agenda folgen und einen Strich durch die Rechnung machen könnten – so geschehen im Jahr 2016.

Der bereits verabschiedete Etat für das Jahr 2018 weiß jedenfalls noch nichts von der neuen Vereinbarung. Für das Projekt „DCP 2018“ gilt daher das Gleiche wie für die Bekanntgabe der Lottozahlen: Alle Angaben ohne Gewähr.

DCP 2018: Sonderkündigungsrecht bei Änderung des zuständigen Ministerums

Die Computerspielpreis-Ausrichter haben aus diesen und anderen guten Gründen eine Reihe von Sicherheitsnetzen, doppelten Böden und Hintertürchen ins Reglement eingebaut, inklusive Selbstverpflichtungen, Absichtserklärungen und Sonderkündigungsrechten.

Immerhin regelt die frisch unterzeichnete Vereinbarung nun viele Selbstverständlichkeiten, um gesittete Jury-Sitzungen und Skandal-befreite Preisverleihungen zu ermöglichen – und Betriebsunfälle wie im Jahr 2017 zu vermeiden. Viele Regelungen sind sinnvoll und überfällig.

So dürfen Mitarbeiter der Lobby-Verbände und des Ministeriums künftig nicht mehr Teil der Jury sein. Auch das Abstimmungsverhalten wird präziser und nachvollziehbarer dokumentiert – gut so. Eine Situation wie 2017 wird sich nach menschlichem Ermessen nicht wiederholen.

Deutscher Computerspielpreis 2018: Das iPhone 8 unter den Kulturpreisen

Wie soll es nun mit dem DCP weitergehen? Aktuell ist es so, dass die Hälfte des Preisgelds aus den Kassen der BIU- und GAME-Mitglieder stammt, also innerhalb der eigenen Branche umverteilt wird. Streng genommen hat das weniger mit Förderung, sondern mehr mit einem Akt der Nächstenliebe zu tun.

Die Branche wünscht sich für den Games-Preis daher perspektivisch ähnliche Verhältnisse wie beim Deutschen Filmpreis – also erstens signifikant höhere Preisgelder und zweitens, dass die Bundesregierung möglichst den kompletten Betrag bereitstellt.

Beides kann für die Verleihungen 2018 und 2019 nach Lage der Dinge ausgeschlossen werden. Vielmehr ist die Bundesregierung laut Vertragstext „bestrebt“ (übersetzt: stets bemüht), den Preisgeldanteil des Bundes zu erhöhen. Heißt: Wenn der Haushaltsausschuss mitspielt. Und die Sterne günstig stehen.

Der Deutsche Computerspielpreis 2018 ist somit das iPhone 8 unter den Kulturpreisen: in vielen Details klar besser als der Vorgänger – aber noch kein iPhone X.

Weitere Informationen rund um den Deutschen Computerspielpreis:

Disclaimer: Die Autorin ist seit 2009 Jury-Mitglied des Deutschen Computerspielpreises.

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