Start Wirtschaft „Promotion Software ist uns sofort ins Auge gestochen“

„Promotion Software ist uns sofort ins Auge gestochen“

Ralph Stock und Klaas Kersting im Doppel-Interview (Fotos: Promotion Software / Phoenix Games)
Ralph Stock und Klaas Kersting im Doppel-Interview (Fotos: Promotion Software / Phoenix Games)

Interview: Klaas Kersting (Phoenix Games) und Ralph Stock (Promotion Software) über „Emergency“, Förderung, Serious Games und Vertrauen.

Für den einen wurde das Prädikat „Branchenveteran“ erfunden – der andere gehört zu den umtriebigsten Spiele-Investoren des Landes: Gamedesigner und Unternehmer Ralph Stock verkauft seine Tübinger Firma Promotion Software („Emergency“) an Klaas Kersting. Dessen Karlsruher Neugründung Phoenix Games soll mittelfristig zu einer ganzen Studio-Familie anwachsen, also eine Art Holding für eine Vielzahl an Beteiligungen. Stock führt weiterhin die Geschäfte seiner beiden Niederlassungen, eine davon in Berlin.

Die Meldung kommt überraschend: Abseits des gemeinsamen Bundeslands verband beide Unternehmer bislang nicht allzu viel, zumindest augenscheinlich. Im GamesWirtschaft-Interview erklären Kersting und Stock, wie die Übernahme zustande kam – und was die Akquisition für die beiden Promotion-Software-Standorte Tübingen und Berlin bedeutet.

„Ein gut geführtes, solides Unternehmen“

GamesWirtschaft: Seit wann kennt ihr euch? Und wie ist der Deal letztlich zustande gekommen?

Kersting: Seit der Gründung der Phoenix Games im April 2019 untersuchen wir methodisch alle Games-Firmen – wir haben eine klare Vorstellung davon, welcher Art Unternehmen wir helfen können und welchen nicht. Da geht es um Fragen wie Umsatz, Mitarbeiterzahl, Standort, Wert der IPs (Markenrechte, Anm. d. Red.) und so weiter.

Promotion Software ist uns gleich sofort ins Auge gestochen – ein gut geführtes, solides Unternehmen, aber durchaus mit Herausforderungen, sich auf dem internationalen Free2Play-Markt zu etablieren. Da sehen wir einen “Fit”. Ralph und ich persönlich kennen uns schon seit fast zehn Jahren.

Ralph, du gehörst ebenso wie Klaas zu den Pionieren der deutschen Games-Branche und betreibst eines der ältesten Studios des Landes. Wie fühlt es sich an, sein „Baby“ nach all den Jahren in eine neue Firma einzubringen? Welche Überlegungen waren ausschlaggebend?

Stock: Klaas hat es letztes Jahr bei der Gründung der Phoenix Games ganz gut zusammengefasst: Kleine Firmen außerhalb von Leuchtturm-Regionen wie London, San Francisco, Seattle, Helsinki und so weiter haben es schwer, Wachstum extern zu finanzieren. Wir sind lange dabei, arbeiten profitabel, haben starke eigene Marken, aber es ist schwierig, nur aus dem Cashflow heraus den nächsten Wachstumsschritt möglich zu machen.

Zudem gibt es bei Free2play große Synergieeffekte beim Know-how, egal ob in Sachen Vermarktung, Live-Ops oder Monetarisierung – sich dieses Wissen anhand eines einzelnen Spiels zu erarbeiten ist schwer. Hier denken wir, von der Expertise der Phoenix-Mitglieder profitieren zu können.

Im Fall von Klaas kommt natürlich hinzu, dass ich ihn schon eine Weile kenne und mich gut mit ihm verstehe – ohne Vertrauen in den Partner kann ich einen solchen Schritt nicht gehen.

Eure bekannteste Marke – „Emergency“ – ist einerseits eine klassische PC-Marke, aber eben auch als Free2play-Mobile-Version erfolgreich. Auf welchen Plattformen und mit welchem Modell seht ihr die Zukunft für die Serie?

Stock: „Emergency“ markiert seit vielen Jahren international den Standard, wenn es um Rettungsspiele geht. Der Schritt von den klassischen PC-Versionen hin zu einem Free2play-Modell auf Apple und Android ist uns äußerst erfolgreich gelungen – nun geht es darum, uns für die Zukunft zu positionieren.

Dabei werden wir auch weiterhin mit einem Mix aus unterschiedlichen Plattformen und Monetarisierungsmodellen unterwegs sein. Neue, innovative Spielideen werden ebenso zum Erfolg beitragen wie die Bedienung neuer Plattformen. Sony und Nintendo haben ja zum Beispiel spannende Pläne.

„Die Förderung verbessert das Umfeld in Deutschland wesentlich“

Welche Pläne gibt es für die Standorte Berlin und Tübingen?

Stock: Wir sind sehr froh, dass wir beide Standorte haben – das gibt uns viel Flexibilität bei der Akquise neuer Mitarbeiter, bei der Betreuung von Partnern, beim Einwerben von lokalen Förderungen. Wir sehen eine gute Zukunft für beide Standorte.

Welche Rolle spielt(e) die Games-Förderung des Bundes in euren Plänen?

Kersting: Die Förderung verbessert das Umfeld in Deutschland wesentlich, weil viel mehr neue Projekte angestoßen werden – aber unser Fokus als Phoenix Games liegt anderswo.

Stock: Wir freuen uns sehr, dass der lange Kampf der deutschen Branche und ihres Verbands endlich zu konkreten politischen Maßnahmen geführt hat. Damit wird Deutschland hoffentlich ein eigenes Profil im Game Development gewinnen können. Wir werden uns die Förderprogramme sehr genau anschauen und hoffen, davon profitieren zu können.

Massen-Crash auf der Autobahn: "Emergency" konfrontiert die Spieler mit komplexen Rettungseinsätzen (Abbildung: Sixteen Tons)
Massen-Crash auf der Autobahn: „Emergency“ konfrontiert die Spieler mit komplexen Rettungseinsätzen (Abbildung: Sixteen Tons)

Phoenix Games fokussiert sich auf Free2play und Mobile. Welchen Stellenwert hat das Serious-Games-Geschäft – also die B2B-Sparte – in der neuen Konstellation?

Kersting: Das ist natürlich erst mal Ralphs Sache, wie stark er den Fokus darauf legt – die Studios sind in unserer Konstellation ja sehr autonom und keine „Niederlassungen” der Phoenix Games. Ich finde das ein bemerkenswertes Geschäftsfeld, in dem Ralph und seine Leute einzigartige Expertise haben – das wird sicher ein substanzieller Teil der Aktivitäten der Promotion Software bleiben, auch wenn es kein Feld ist, auf dem kurzfristig große Synergien mit anderen Phoenix-Mitgliedern zu heben sind.

Stock: Die Nutzung unseres umfassenden Game Design und Development Know Hows für die Entwicklung sogenannter “Applied Games”, also Serious Games für Industrie- und Forschungspartner, hat mich und mein Team von Anfang an fasziniert. Dabei sind seit 1993 faszinierende Anwendungen entstanden.

Ich möchte nur unser interaktives Game „Menschen auf der Flucht” nennen, das sich schon 2012 – also einige Zeit vor der “Flüchtlingskrise” von 2015 – mit den Ursachen von Migration und Flucht beschäftigt hat und für das wir mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet wurden.

Auf der Phoenix-Games-Website sind neben dem bestehenden Studio drei weitere Neuzugänge aufgeführt – eines davon Promotion Software. Auf wie viele Familienmitglieder soll Phoenix Games in diesem Jahr wachsen?

Kersting: Das ist in diesem Geschäft immer schwer zu sagen. Wir haben eine ganze Reihe von Bällen in der Luft, wollen aber nicht auf Teufel komm raus größer werden, sondern uns stetig entwickeln – jedes neue Familienmitglied muss gut passen, damit sich positive Effekte für die ganze Gruppe ergeben.

Ein, zwei Akquisitionen werden wir dieses Jahr sicher noch verkünden, denke ich.

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