Start Wirtschaft Nach Böhmermann-Aufruf: Bundesprüfstelle prüft Indizierung von Coin Master

Nach Böhmermann-Aufruf: Bundesprüfstelle prüft Indizierung von Coin Master

Ausschnitt aus
Ausschnitt aus "NEO Magazin Royale": Jan Böhmermann seziert die "Coin Master"-App (Abbildung: ZDF)

Der nächste Coup von Jan Böhmermann: Nach einem „NEO Magazin Royale“-Beitrag beschäftigt sich die Bundesprüfstelle mit der populären Spiele-App „Coin Master“.

Fast 20 Minuten lang hat sich Moderator Jan Böhmermann am Donnerstagabend in seiner Sendung „NEO Magazin Royale“ an der Spiele-App „Coin Master“ abgearbeitet. Die bonbonfarbene Aufmachung samt knuffiger Tiere erweckt den Eindruck, dass sich die Smartphone-App in erster Linie an Kinder und Jugendliche richtet.

„Coin Master“ ist prinzipiell kostenlos spielbar, doch der Auf- und Ausbau des Dorfes samt Verteidigungsanlagen gelingt nur mit Münzen („Coins“), die man sich an einem simulierten Spielautomaten erspielt. Nach fünf Versuchen ist zunächst Schluss – es sei denn, der ungeduldige Spieler zahlt via In-App-Kauf. Experten sprechen von „simuliertem Glücksspiel“, weil dem Geld-Einsatz keine Geld-Auszahlung entgegen steht. Dadurch würden insbesondere Kinder abgezockt – zumal Prominente wie Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Chart-Stürmer Pietro Lombardi und YouTuberin Bibi in Spots und auf ihren Kanälen für „Coin Master“ werben.

Seitens der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) heißt es, dass derartige Mechanismen ebenso wie Lootboxen keine Berücksichtung bei der Altersfreigabe finden. Smartphone-Apps wie „Coin Master“ durchlaufen ohnehin allenfalls das standardisierte Checklisten-Verfahren IARC.

Böhmermanns Schlussfolgerung: Die für den Jugendschutz zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) müsste sich das Spiel mal genauer ansehen. Indizierte Spiele dürfen Minderjährigen nicht zugänglich gemacht werden, zudem greifen weitreichende Vertriebs- und Werbeverbote.

Da das ZDF nicht antragsberechtigt ist, startete der Satiriker einen öffentlichen Aufruf an Jugendämter, Pädagogen, Kindergärten und Schulen, die Indizierung anzuschubsen. Genau das ist offenkundig seit der Sendung passiert: In einer Pressemitteilung spricht die Bonner Behörde von einer „Vielzahl an Anträgen und Anregungen zur Indizierung des Spiels“.

Jetzt werden sich die BPjM-Gremien mit „Coin Master“ beschäftigen und dazu auch den in Tel Aviv ansässigen Hersteller Moon Active beziehungsweise dessen Rechtsvertreter anhören. Üblicherweise werden die Verfahrensbeteiligten im Vorfeld zu schriftlichen Stellungnahmen aufgefordert. Die BPjM weist aber vorsorglich darauf hin, dass ein Stückweit Neuland betreten wird: Denn die potenziellen Risiken gehen im Falle von „Coin Master“ nicht vom Spielinhalt aus, sondern von der „besonderen Spielanlage“, sprich: von der Spielmechanik und dem Geschäftsmodell.

Zusammen mit den Ingame-Käufen sind Online- und Abo-Dienste wie Xbox Live Gold der Wachstumstreiber der deutschen Spiele-Branche (Stand: 21. Mai 2019)
Zusammen mit den Ingame-Käufen sind Online- und Abo-Dienste wie Xbox Live Gold der Wachstumstreiber der deutschen Spiele-Branche (Stand: 21. Mai 2019)

Eine Indizierung hätte nicht nur Folgen für das konkrete Produkte und Dutzende Nachahmer-Produkte in den Appstores: Sehr grundsätzlich gäbe es auch eine Signalwirkung mit Blick auf Lootboxen und andere Glücksspiel-ähnliche Mechaniken, mit denen sich in Apps und Online-Games geldwerte Vorteile nach dem Zufallsprinzip erspielen lassen, etwa Glücksräder.

Im August war bekannt geworden, dass „Coin Master“ auch von der Landesmedienanstalt NRW geprüft wird, allerdings eher mit Fokus auf Kaufappelle und die omnipräsente Werbung.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Stiftung Warentest populäre Apps unter Kinder- und Jugendschutz-Gesichtspunkten unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nahezu alle Spiele-Apps sind im Test durchgefallen.

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