Start Wirtschaft App-Store-Streit: Epic Games erreicht Teilerfolg gegen Apple (Update)

App-Store-Streit: Epic Games erreicht Teilerfolg gegen Apple (Update)

Apple und Epic Games streiten um die Höhe von Provisionen im App-Store (Abbildungen: Apple / Epic Games)
Apple und Epic Games streiten um die Höhe von Provisionen im App-Store (Abbildungen: Apple / Epic Games)

Der erbitterte App-Store-Streit zwischen Epic Games (Fortnite) und Apple endet mit einem Pyrrhussieg für beide Kontrahenten – vorerst.

Update vom 13. September 2021: Schon am Freitag hatte Epic-Games-Boss Tim Sweeney angekündigt, weiter kämpfen zu wollen – und genau das passiert jetzt auch: Der Fortnite-Hersteller ist mit dem Urteil unzufrieden und geht deshalb in Berufung.

Mit den wesentlichen Anklagepunkten war Epic Games vor Gericht nicht durchgedrungen: Apple muss lediglich zulassen, dass App-Entwickler auf alternative Bezahlmethoden hinweisen.

Meldung vom 10. September 2021: Entwickler dürfen auf externe Zahlungsmöglichkeiten abseits von Apple Pay in ihren Apps hinweisen – und damit die branchenübliche Apple-Provision von 30 Prozent ‚umgehen‘. Gleichzeitig muss Apple den eigenen App-Store nicht für andere Shops öffnen.

Das hat ein kalifornisches Gericht am Morgen entschieden, das während der monatelangen Verhandlungen auch die Firmen-Chefs Tim Cook (Apple) und Tim Sweeney (Epic) in den Zeugenstand geladen hatte.

Mit einem bewussten Verstoß gegen das Apple-eigene Abrechnungssystem hatte Epic Games im Sommer 2020 den Rauswurf des überaus populären Action-Spiels Fortnite aus dem App-Store provoziert, was wiederum zum beabsichtigten Rechtsstreit führte.

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Apple durch die Beschränkung auf das eigene Bezahlsystem den freien Wettbewerb behindert und dadurch niedrigere Preise verhindert habe. Das Gericht kam anderseits zu der Erkenntnis, dass Apple explizit keine Monopol-Stellung im Markt habe – damit folgte es der Argumentation der Verteidiger: Der Konzern stünde zumindest im Bereich der Online-Games in scharfem Wettbewerb mit Sony (PlayStation), Microsoft (Xbox) und Googles Android.

Ein echter Gewinner ist im Rechtsstreit zwischen App-Store-Betreiber Apple und dem Epic Games (Fortnite) zumindest bislang auszumachen: Denn der Fortnite-Hersteller hat die eigentlichen Ziele der Klage – eine deutliche Reduzierung der Provision und die Zulassung externer Shops – nicht erreicht, wenngleich Apple nicht habe hinreichend darlegen können, wodurch der 30-Prozent-Anteil begründet ist.

Für Apple stehen Provisions-Erlöse in Milliarden-Höhe auf dem Spiel, sollten große Games-Marken alternative Zahlungsmöglichkeiten anbieten. Gleichzeitig droht ein Flickenteppich: Die Kunden dürften kaum gewillt sein, für jeden Hersteller und für jedes Spiel separat Registrierungen vorzunehmen und Kreditkarten-Daten zu hinterlegen. Vielmehr ist die zentrale, unkomplizierte Abrechnung von Ingame-Käufen via iOS-Appstore oder Google Play einer der Erfolgsfaktoren dieser Plattformen.

„Das heutige Urteil ist kein Gewinn für Entwickler oder Verbraucher“, twitterte Epic-Games-Boss Tim Sweeney folgerichtig in einer ersten Reaktion. Fortnite werde in den App-Store zurückkehren, sobald man ein eigenes In-App-Bezahlsystem anbieten könne, das einen fairen Wettbewerb mit Apple zulasse. Im ersten Schritt muss Epic Games überschaubaren Schadenersatz in Höhe von 4 Millionen Dollar wegen des absichtlichen Vertragsbruchs leisten.

Die Auseinandersetzung um eine gerechte Verteilung der milliarden-schweren App-Store-ist mit dem heutigen Richterspruch noch lange nicht beendet, sondern bestenfalls der Anfang: Beide Parteien können das Urteil anfechten – konkrete Auswirkungen könnten in der Praxis auf sich warten lassen. Außerdem sind Klagen in der Europäischen Union und gegen Google anhängig, das ein ähnliches Provisionsmodell einsetzt.

3 Kommentare

  1. also im Prinzip braucht apple epic doch einfach nicht mehr rein lassen.
    Es kann mich doch keiner dazu zwingen Sachen zu verkaufen die ich nicht verkaufen möchte.
    Fortnite ist jetzt schon solange nicht im ios und Apple stört das doch nicht wirklich.

  2. Ist das denn richtig so?

    https://www.reuters.com/legal/litigation/judge-epic-suit-says-apple-restrictions-anti-competitive-2021-09-10/

    So wie ich Reuters verstehe, ist Apple nun eben NICHT verpflichtet, App-Herstellern die Integration eigener Bezahlsysteme zu erlauben.

    Weiter unten wird auch eine Stellungnahme von Apple erwähnt, dass sie das Urteil auch nicht so verstehen.
    Umgekehrt: Könnte Epic jetzt einfach nach Belieben eigene Bezahlsysteme nutzen, stünde einem eigenen In-App-Purchase Shop ja nichts mehr im Wege und Epic müsste eigentlich glücklich sein.

    Allerdings ist auch der Reuters Artikel für mich sehr widersprüchlich.

    Ich habe eher den Eindruck, dass weder Apple noch Epic momentan genau wissen, was das Urteil nun für sie bedeutet.

    • Am Kursverlauf der Apple-Aktie sieht man, wie groß die Verunsicherung ist – einen echten ‚Gewinner‘ gibt es nicht.

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