Start Sport Trotz Lootboxen: „FIFA 21“ ohne Altersbeschränkungen freigegeben

Trotz Lootboxen: „FIFA 21“ ohne Altersbeschränkungen freigegeben

"FIFA 21" wurde von der USK ohne Altersbeschränkungen freigegeben (Abbildungen: EA / USK)

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle gibt auch „FIFA 21“ ohne Altersbeschränkungen frei – trotz umstrittener Lootboxen im beliebten FIFA Ultimate Team-Modus.

Dass das Fußballspiel „FIFA 21“ wie all seine Vorgänger ab 0 Jahren freigegeben ist, wäre üblicherweise keine gesonderte Meldung wert. Die Entscheidung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist aber deshalb spannend, weil es sich um eine der ersten Einstufungen nach Inkrafttreten der erweiterten Leitkriterien handelt.

Mitte August hatte die USK nämlich angekündigt, künftig „Glücksspiel“ als eigenen Aspekt bei der Bewertung von Games zu berücksichtigen. Gemeint sind nicht nur klassische Casino-Apps, sondern auch glücksspiel-ähnliche Spielmechaniken wie Glücksräder, Lotterien oder Spielautomaten, wie sie beispielsweise in der umstrittenen App „Coin Master“ verbaut sind.

Explizit ausgenommen von der Regelung sind Ingame-Käufe in Form von „zufallsgenerierten Spielvorteilen“, also Lootboxen. Das Prinzip: Der Spieler erwirbt digitale Packs mit der Chance auf ‚Hauptgewinne‘. Im Falle von „FIFA 21“ sind Fußballer unterschiedlicher Wertigkeit enthalten, die den virtuellen Kader im populären Modus „FIFA Ultimate Team“ (FUT) aufwerten oder auf dem Transfermarkt angeboten werden können. Je mehr Geld in „Packs“ investiert wird, desto höher die Chancen auf Weltstars wie Mbappé, Neuer oder Ronaldo. Die Wahrscheinlichkeit für einen Gold-Spieler mit einer Wertung von 84 Punkten aufwärts liegt bei unter 5 Prozent.

Das Geschäftsmodell ist überaus lukrativ: Allein im abgelaufenen Quartal hat Electronic Arts weit über eine Milliarde Dollar mit solchen „Live Service“-Angeboten eingespielt. Auf YouTube gibt es ganze Kanäle, die sich ausschließlich dem Öffnen von FUT-Packs widmen.

Während die hiesige Games-Industrie diese Praxis mit Verweis auf Überraschungseier und Panini-Alben verteidigt, werden die Bandagen auf internationalen Märkten härter – in Belgien sind Lootboxen bereits verboten. Electronic Arts hat den Vertrieb solcher Ingame-Elemente daraufhin aus der belgischen Fassung entfernt.

In dieser Woche wurde vor einem kalifornischen Gericht eine Klage eingereicht, die detailliert aufschlüsselt, mit welchen Mechanismen nicht zuletzt Minderjährige zur Nutzung von Lootboxen motiviert werden. Nach Ansicht der Kläger verstoßen „FIFA“ und „Madden NFL“ gegen die Glücksspiel-Auflagen des Bundesstaats.

Auf den US-Plattformen von Sony, Microsoft und Nintendo müssen Spiele-Anbieter grundsätzlich die Gewinn-Chancen ihrer Games ausweisen. Die USK-Regelung für Lootboxen sorgt weiterhin dafür, dass dies nicht für „FIFA 21“ gilt: Wer das Spiel im EA-Werksverkauf, bei Versendern wie Amazon oder in den PlayStation- und Xbox-Stores vorbestellt, wird vor dem Kauf nicht auf Risiken und Nebenwirkungen von Lootboxen, deren Kosten und mögliche „Trefferquoten“ hingewiesen (Stand: 26.8.2020).

Eine solche Forderung nach mehr Transparenz hat im vergangenen Jahr die Bundesfamilienministerin erhoben: Aus Sicht von Franziska Giffey (SPD) sollten Lootboxen außerdem Auswirkungen auf die jeweilige Altersfreigabe eines Spiels haben.

„FIFA 21“ erscheint am 9. Oktober für PC, PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch. Beim Gamescom Award 2020 ist das Spiel in der Kategorie „Bestes Sportspiel“ nominiert.

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