Start Politik Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz: Games als „Säule des wirtschaftlichen Wachstums“

Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz: Games als „Säule des wirtschaftlichen Wachstums“

Malu Dreyer (SPD), seit 2013 Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (Foto: SPD RLP)
Malu Dreyer (SPD), seit 2013 Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (Foto: SPD RLP)

Eineinhalb Monate nach der Landtagswahl legt die Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz den Koalitionsvertrag vor, der auch Verbesserungen für Games-Branche und E-Sport verspricht.

„Koalition des Aufbruchs und der Zukunfts-Chancen“ – so ist der Koalitionsvertrags-Entwurf überschrieben, den SPD, Grüne und FDP in Rheinland-Pfalz ausverhandelt haben. Die drei Parteien stellen die künftige Regierung an Rhein und Mosel.

Abseits von Klimaschutz-, Digitalisierungs-, Bildungs- und Post-Corona-Projekten enthält das 183 Seiten starke Papier auch Pläne für den Games-Standort. So heißt es auf Seite 48 wörtlich: „Wir unterstützen die Kultur-, Kreativ- und Gameswirtschaft bei der digitalen Transformation durch Zugänge zu Fördertöpfen und nichtstaatlicher Finanzierung, sowie durch gegenseitigen Wissenstransfer innerhalb der Branche.“ 

Die Games-Branche wird in einem eigenen Abschnitt gar als „Säule des wirtschaftlichen Wachstums“ gewürdigt: „Computer- und Videospiele sind Kulturgut, Innovationstreiber, Wirtschaftsfaktor und Bildungsbeschleuniger mit enormen Wachstums- und Umsatzraten. Technologien und Mechanismen der Gameswirtschaft finden heute weit über den Kultur- und Unterhaltungssektor hinaus Anwendung, beispielsweise in der Automobilindustrie, bei Banken, Versicherungen, der Pharmaindustrie und im Gesundheitswesen. Rheinland-Pfalz ist mit zahlreichen gamesbezogenen Studiengängen ein führender Hochschul- und damit Ausbildungsstandort für Berufe rund um die Gamesbranche. Renommierte Unternehmen der Branche sind hier tätig. Diese Bedeutung wollen wir noch konsequenter in der Wirtschaftspolitik abbilden.“

Wie genau dies geschehen soll, geht aus dem Papier nicht hervor. Zwar ist Rheinland-Pfalz tatsächlich einer der wichtigsten Games-Hochschul-Standorte und Heimat von Ubisoft Mainz (ANNO 1800) und Publisher Kalypso Media (Tropico, Commandos), doch im Vergleich zu anderen Bundesländern fällt die staatliche Unterstützung bislang mau aus: Rheinland-Pfalz zählt nach wie vor zu den wenigen Bundesländern, in denen regionale Spielehersteller nicht mit dedizierten Fördertöpfen subventioniert werden.

Immerhin wurde erst wenige Tage vor der Landtagswahl ein Startup-Wettbewerb gestartet, zu dem bislang aber noch keine Ergebnisse vorliegen. Auch die Standortinitiative „GameUP! Rheinland-Pfalz“ soll weiterhin gefördert werden. Die bisherige und wohl auch künftige Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte daher im Wahlprogramm den „schrittweisen Einstieg in die Games-Förderung“ angekündigt.

Auf Seite 183 finden sich außerdem Hinweise zum Thema E-Sport: „Wir werden dafür werben, dass E-Sport in den Sport integriert und auf Bundesebene als gemeinnützig anerkannt wird. Dazu bedarf es eines Abbaus von Ressentiments, klarer Definition von Begriffen und einer offenen Herangehensweise.“ Auch in diesem Fall bleibt offen, inwieweit die Ampel-Koalition die umstrittene Position des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) teilt, der E-Sport in Vereinen auf Sportsimulationen wie FIFA 21 oder NBA 2K21 begrenzt sehen will – die ungleich populäreren Action- und Strategiespiele blieben in diesem Kontext außen vor.

Das für den Games-Bereich zuständige Wirtschaftsministerium liegt nach Medienberichten künftig nicht mehr in Händen von FDP-Generalsekretär Volker Wissing, der sich ganz dem Bundestagswahlkampf widmen wird: Seine Aufgabe soll Staatssekretärin Daniela Schmitt (ebenfalls FDP) übernehmen.

Die 20 größten Games-Studios in Deutschland 2021 (Stand: 13.4.21)
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