Start Politik Electronic Arts: „Wir sind dem Jugendschutz und der Transparenz verpflichtet.“

Electronic Arts: „Wir sind dem Jugendschutz und der Transparenz verpflichtet.“

Martin Lorber ist PR Director von Electronic Arts in Köln (Abbildungen: EA)
Martin Lorber ist PR Director von Electronic Arts in Köln (Abbildungen: EA)

Was ändert sich durch Giffeys neues Jugendschutzgesetz für Spiele-Hersteller in der Praxis? Voraussichtlich nicht allzu viel: Lootboxen wie in FIFA 21 könnten mit einem Warnhinweis versehen werden.

Mehr als 1,5 Millionen Mal hat sich FIFA 21 seit Oktober 2020 allein in Deutschland verkauft. Wer im Online-Modus des Fußballspiels mithalten will, kann seinem Kader durch den Erwerb kostenpflichtiger FIFA Ultimate Team (FUT)-Packs auf die Sprünge helfen.

Mit solchen Lootboxen werden Zufalls-Kicker unterschiedlicher Qualität freigeschaltet. Der Haken: Anders als bei Panini-Stickern sind Superstars wie Ronaldo, Mbappé und Lewandowski nicht genauso oft wie Durchschnitts-Fußballer enthalten, sondern viel, viel seltener. Das macht den Einsatz von FIFA-Points für die Zielgruppe so verlockend – und für die Hersteller lukrativ.

Fast jeder vierte Euro, den Electronic Arts mit Videospielen einnimmt, stammt aus dem Verkauf sportlicher Ingame-Währungen wie den FIFA Points – 2020 waren das knapp 1,5 Milliarden Dollar. Für Electronic Arts ist dieses Geschäftsmodell also von erheblicher kommerzieller Bedeutung.

In Großbritannien wurde heute eine Studie veröffentlicht, wonach die Hälfte des Lootbox-Umsatzes von nur fünf Prozent der Käufer stammt. Die Autoren schlussfolgern, dass den Lootboxen ein geldwerter Vorteil zugewiesen wird – was eine Regulierung rechtfertigt. Regierungen in vielen Ecken der Erde vermuten in Lootboxen daher Glücksspiel oder zumindest glücksspiel-ähnliche Mechaniken: So beschäftigt sich die Justiz in Brasilien derzeit mit einem Lootbox-Verbot.

Auch wenn Lootboxen längst in Deutschlands Parlamenten angekommen sind: Zu einem FIFA-Points-Verkaufsstopp wie im Nachbarland Belgien dürfte es hierzulande eher nicht kommen – womöglich noch nicht einmal zu einer höheren Alterseinstufung.

Zwar sollen Kinder und Jugendliche durch das neue Jugendschutzgesetz wirksamer vor ‚Kostenfallen‘ geschützt werden, so zumindest die Idee von Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Doch unter Umständen läuft es bestenfalls auf einen ‚Kann Spuren von Lootboxen enthalten‘-Warnhinweis hinaus, der das bekannte USK-Siegel auf der Spielepackung ergänzt: Ebenso wie die Vorgänger ist FIFA 21 ohne Einschränkungen freigegeben.

Welche Leitplanken aus dem frisch verabschiedeten Gesetz folgen, muss nun ohnehin zunächst von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und den Behörden erarbeitet werden. Beraten wird die USK von einem zwölfköpfigen Beirat, dem neben Wissenschaftlern und Jugendschützern auch drei Industrie-Vertreter angehören, darunter Jens Kosche – Managing Director beim FIFA 21-Hersteller Electronic Arts in Köln.

„Wir glauben nicht, dass irgendetwas in EA-Spielen als Glücksspiel ausgelegt werden kann“

Im GamesWirtschaft-Interview ordnet EA-Unternehmens-Sprecher Martin Lorber die möglichen Auswirkungen des Gesetzes auf die Branche und das Unternehmen ein.

GamesWirtschaft: Der Jugendschutz werde ‚ins digitale Zeitalter gebracht‘, heißt es aus dem Bundesfamilienministerium zum neuen Jugendschutzgesetz. Wie bewertet Electronic Arts Deutschland das Papier, wie es Ende März in Bundesrat und Bundestag verabschiedet wurde? Welche Regelungen bringen aus eurer Perspektive den meisten Fortschritt für den Jugendmedienschutz – an welcher Stelle werden die Ziele möglicherweise verfehlt?

Lorber: Wir schließen uns der Meinung des Game, wie sie in diesen Pressemitteilungen zum Ausdruck kommt, an. (Anm. d. Red.: Die dazugehörige Einordnung von Verbands-Geschäftsführer Felix Falk finden Sie hier)

Stichwort Transparenz: Für wie sinnvoll haltet ihr Piktogramme und Symbole, wie sie schon bei PEGI oder ESRB üblich sind?

Solche Lösungen sind sinnvoll und werden ja auch von der USK schon seit Jahren bei Online-Spielen und Apps genutzt. Die Games-Branche setzt sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen und die Förderung von verantwortungsvollem Spielen ein. Die Branche betreibt aktive Selbstregulierung zum Beispiel durch die ESRB- und PEGI-Alterseinstufungssysteme, die Spielern und Eltern klare und genaue Informationen über die Jugendschutzrelevanz von Spielen liefern.

PEGI wird in ganz Europa verwendet und anerkannt und findet die ausdrückliche Unterstützung der Europäischen Kommission. Es gilt als ein Modell der europäischen Harmonisierung im Bereich des Kinder- und Jugendmedienschutzes. Sowohl PEGI als auch ESRB haben außerdem vor kurzem Deskriptoren eingeführt, die anzeigen, wenn ein Spiel optionale In-Game-Käufe enthält, einschließlich Käufe von Zufallsinhalten.

Nach den Vorstellungen der Bundesregierung sollen Kinder und Jugendliche vor „Kostenfallen“ und „glücksspielähnlichen Elementen wie Lootboxen“ geschützt werden. Die Definition einer Lootbox trifft auch auf den FUT-Spielmodus in FIFA 21 zu, das wie schon die Vorgänger ohne Einschränkungen vertrieben wird. Was spricht dagegen, dass Spiele mit Lootboxen künftig erst ab 12, 16 oder 18 Jahren freigegeben sind?

Wir glauben nicht, dass irgendetwas in EA-Spielen als Glücksspiel ausgelegt werden kann. Und zur Klarstellung: Das Gesetz sagt nicht, dass es grundsätzlich auf eine höhere Altersfreigabe abzielt.

Stattdessen besagt das Gesetz, dass die Berücksichtigung von Interaktionsrisiken durch Deskriptoren geschehen soll (§ 14 Abs. 2a) und höhere Alterseinstufungen nur in Ausnahmefällen in Betracht kommen können, wenn außerordentlich hohe Risiken bestehen und die Vorsorgemaßnahmen auf den entsprechenden Plattformen nicht ausreichen (§ 10b Abs. 3).

Im Übrigen sind wir und die Branche dem Jugendschutz, der Förderung des verantwortungsvollen Spielens und der Transparenz verpflichtet und arbeiten eng mit den zuständigen Stellen zusammen, um dies auch weiterhin zu gewährleisten.