Start Politik Game-Sommerfest 2020: Verband fordert Förderung über 2023 hinaus

Game-Sommerfest 2020: Verband fordert Förderung über 2023 hinaus

Szene aus dem Livestream zum virtuellen Game-Sommerfest 2020 (Abbildung: Game)
Szene aus dem Livestream zum virtuellen Game-Sommerfest 2020 (Abbildung: Game)

Viel Geld ist gut – mehr Geld ist besser: Beim „Minecraft“-Sommerfest formulierte der Branchenverband Game selbstbewusste Forderungen nach staatlicher Unterstützung.

Die Idee war und ist richtig gut: Mit einem virtuellen Branchen-Treff vor dem liebevoll nachmodellierten „Minecraft“-Bundestag schuf der Industrieverband Game eine rein digitale Ersatzveranstaltung für das traditionelle Sommerfest. 1,1 Millionen Blöcke hat die Jenaer Agentur Pixelbiester nach eigenen Angaben für das Reichtstagsgebäude samt Innenräumen, Bars und Strand verbaut.

Im Livestream zugeschaltet waren unter anderem SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der für Luft- und Raumfahrt sowie Startups zuständige CDU-Abgeordnete Thomas Jarzombek und FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin. YouTuber und Unternehmer Maximilian Knabe („HandOfBlood“) und Game-Geschäftsführer Felix Falk lieferten die Stichworte und galoppierten mit den politischen Gästen von einem Thema zum nächsten.

In der Praxis zeigten sich die Tücken der bundesdeutschen Videokonferenz-Realität in Corona-Zeiten – Motto: „Wir sehen dich, hören dich aber nicht. Kannst du uns hören? … Oh, jetzt isse ganz weg.“

Die einstündige „Diskussion“ brachte nicht zuletzt wegen der durchgängigen Verbindungs- und Ton-Probleme wenig neue Erkenntnisse, erst recht keine konkreten – abseits der bekannten „Man müsste mal“-Positionen mit Blick auf Breitbandausbau, Jugendmedienschutz und Games im Unterricht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass derzeit für die Politik ungleich größere Herausforderungen existieren als die Frage, unter welchen Umständen E-Sport nun als gemeinnützig gelten soll – Wiedervorlage: Koalitionsvertrag Januar 2022.

Der Game nutzte die Gelegenheit, um ein inhaltliches Update der zehn Verbands-Forderungen bei der Politik unterzubringen. Neu ist unter anderem der Aspekt „Keine Chance für Hater, Trolle und Piraten“: Die Industrie will nicht nur Sicherheitsbehörden „digital fit“ machen, sondern wünscht sich auch eine personelle und technische Aufrüstung bei der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen in Form von „Piratenservern“.

An Position 1 des Forderungskatalogs steht weiterhin die Games-Förderung: Keine sechs Monate nach dem Bundestags-Beschluss über die Subventionierung der Branche mit jährlich 50 Millionen Euro bis 2023 plädiert der Lobbyverband schon jetzt für langfristige Zusagen über die Jahre 2024+ hinaus inklusive „Anpassung“ an den voraussichtlich wachsenden Bedarf.

Die fürs Videospiel-Gewerbe zuständige Behörde von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) steht jedoch weiterhin auf der Bremse: Von den 100 Millionen Euro, die für 2019 und 2020 eingeplant sind, wurden Stand Juni weniger als 6 Millionen Euro bewilligt und abgerufen. Seit Februar 2020 liegt dem Verkehrsministerium zudem das „Go“ der EU-Kommission für die großvolumige Förderung vor, doch die dazugehörige Richtlinie lässt weiter auf sich warten.

Ursprünglich war der Start dieser zweiten Stufe des Förderprogramms für das Frühjahr geplant – die Aufholjagd der deutschen Spiele-Entwickler verzögert sich aber zwangsläufig in die zweite Jahreshälfte 2020. Gerade XL- und XXL-Projekte benötigen mehrere Jahre Entwicklungszeit: Vorzeigbare Ergebnisse dürften daher nicht vor 2022/23 vorliegen. Die Studios haben nun die Wahl, ob sie weiterhin zuwarten wollen – oder notgedrungen in die Entwicklung eines neuen Spiels einsteigen, dann allerdings ohne staatliches Geld.

Dessen ungeachtet soll nach den Vorstellungen des Branchenverbands das Standort-Marketing für Games made in Germany verbessert werden, etwa in Form staatlich geförderter Messe-Auftritte im Ausland. Die weiteren Forderungen betreffen unter anderem die Anwerbung von Games-Fachkräften, eine international vorzeigbare Internet-Infrastruktur und die Reform des Jugendschutzes.

Das „Minecraft“-Reichstagsgebäude kann noch bis Ende Juni besichtigt werden.

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