Start Meinung Apple Event 2020: Applaus, Applaus, Applaus (Fröhlich am Freitag)

Apple Event 2020: Applaus, Applaus, Applaus (Fröhlich am Freitag)

Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung des iPhone 11 im September 2019 - damals noch vor Publikum (Foto: Apple)
Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung des iPhone 11 im September 2019 - damals noch vor Publikum (Foto: Apple)

Wenn Apple-CEO Cook Hof hält, ist ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit der Tech-Branche sicher. Die Ära der Steve-Jobs-Gedächtnis-Bühnenshows gerät indes zum Auslaufmodell.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

möglicherweise saßen Sie auch am Dienstagabend vor dem Bildschirm, um sich die große bunte Apple-Show anzusehen. Ab 19 Uhr deutscher Zeit wurde – wie erwartet – das neue iPhone 12 vorgestellt. Corona-bedingt musste Apple erneut auf eine vorproduzierte, dafür umso aufwändigere Präsentation zurückgreifen – sehr unterhaltsam und sehr beeindruckend.

Diese Art der Eventisierung von Produkt-Präsentationen wird inzwischen von vielen Unternehmen adaptiert und praktiziert. Wenn Nintendo, Microsoft, Sony, Nvidia, Ubisoft, EA, CD Projekt Red oder eben Apple zu ihren „Showcases“, „Media Briefings“ und „Special Events“ – also schlecht getarnten Dauerwerbesendungen – laden, kleben Millionen Fans (sprich: Multiplikatoren) vor den Geräten.

Im Jahr zuvor hatte sich Apple-Boss Tim Cook noch aus dem konzerneigenen Steve Jobs Theater in Cupertino gemeldet, in das knapp 1.000 Zuschauer passen. Live on stage präsentierte er das iPhone 11. Wie immer war eine Hundertschaft Tech-Journalisten eigens für dieses Event nach Kalifornien gejettet, um jede Verheißung in ihre Macbooks zu tippen – von der Bühne aus blickte Cook wie gewohnt auf ein Meer aus hintergrundbeleuchteten Apple-Logos.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Wie schon zu Jobs-Zeiten wurde Cooks Vortrag regelmäßig unterbrochen vom frenetischen Applaus der Claqueure, überwiegend Apple-Personal. Jeder Aluminium-Rahmen, jeder Inch Bildschirm-Diagonale, jede zusätzliche Minute Akku-Laufzeit wurde bejubelt, als habe Cook soeben die touristische Erschließung des Mondes angedeutet. Oder zumindest eine Lösung im Nahost-Konflikt.

Applaus, Applaus, Applaus!

Diese unmittelbare Resonanz fehlte in diesem Jahr. Es klatschte: niemand. Kein Publikum, keine Emotion, keine Scheinwerfer. Irgendein Apple-Mitarbeiter drückte am Dienstag auf den „Play“-Button – und das Video wurde abgespielt.

Der Social-Media-Reichweite hat die fehlende Live-Komponente nicht geschadet, im Gegenteil: Innerhalb von 48 Stunden wurde das „Apple Event“ allein in Apples YouTube-Kanal mehr als 50 Millionen Mal abgerufen.

Und im kommenden Jahr?

Unterstellt, im Herbst 2021 wäre das Gröbste überstanden – selbst dann wird man sich in Cupertino fragen, ob eine Live-Bühnenshow mit handverlesenem Publikum für die Vorstellung des iPhone 13 noch das richtige Format darstellt. Oder ob die vorgekochte Hochglanz-Konserve ‚reicht‘.

Die Kundschaft hat nach meinem Eindruck längst abgestimmt – es ist ihr offenkundig egal, solange der Content stimmt.

Viel spricht deshalb dafür, dass das Modell Schule macht, auch im Games-Segment. Allerdings müssen wir dann auch auf jene unvorhersehbaren Live-Situationen wie im Juni 2019 beim Xbox E3 Briefing verzichten: Ein Zuschauer hatte Matrix-Star Keanu Reeves mit einem „You are breathtaking…“-Zuruf für eine Millisekunde aus dem Teleprompter-Konzept gebracht – Reeves‘ Reaktion („YOU are breathtaking! You are ALL breathtaking!“) gilt seitdem als veritables Internet-Meme für alle Gelegenheiten.

Wir werden diese Breathtaking-Momente noch vermissen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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