
Deutschlands Games-Branche trauert um einen Visionär: Dr. Klaus Spieler hat unter anderem die Grundlagen geschaffen für die USK-Altersfreigaben.
Angesichts der Verdienste von Klaus Spieler für die deutsche Computerspiele-Branche mutet es fast surreal an, dass sich im Netz nur ganz wenige Beiträge und Interviews finden – und so gut wie kein Bildmaterial von ihm existiert.
Dabei hat Spieler die Games-Landschaft nachhaltig geprägt und verändert – etwa als Vorsitzender des Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e.V. (fjs), als erster Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und als Gründer und langjähriger Leiter des Berliner Computerspielemuseums. Über dieses Projekt hat er gemeinsam mit Andreas Lange ein Buch geschrieben: „Wie die Games ins Museum kamen.“
Im Mai hätte der Computerspiele-Pionier seinen 80. Geburtstag gefeiert. Wie erst in der vergangenen Woche bekannt wurde, ist Dr. Klaus Spieler bereits im Februar verstorben; die Trauerfeier fand im engen Kreis statt.
In einem Nachruf schreibt fjs-Geschäftsführer Thomas Schmidt: „Dr. Klaus Spieler gehörte zu den frühen und wichtigen Stimmen, die Computerspiele nicht allein als technisches oder wirtschaftliches Phänomen verstanden, sondern als Kulturgut ernst nahmen.“ Es sei ein großes Geschenk gewesen, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen, so Schmidt: „Sein Rat, seine Haltung, seine Freundlichkeit und seine unermüdliche Zuversicht werden uns sehr fehlen.“
Gegenüber GamesWirtschaft betont USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker die Verdienste: „Der Tod von Dr. Klaus Spieler erfüllt uns mit großer Trauer. Mit ihm verliert der Jugendmedienschutz in Deutschland eine prägende Persönlichkeit und die USK ihren maßgeblichen Initiator und langjährigen Wegbereiter.“
Secker verweist auf die Gründung der USK im Jahr 1994: „Mit großem visionären Weitblick erkannte er früh die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung digitaler Spiele sowie die Notwendigkeit der Verantwortungsübernahme im Jugendmedienschutz. Durch sein Wirken schuf er damit eine der weltweit ersten Einrichtungen der regulierten Selbstkontrolle für Computerspiele.“
Gemeinsam mit dem damaligen USK-Team habe Spieler den Grundstein für die heutige, international anerkannte Prüfinstitution gelegt. „Der von ihm geprägte Grundsatz ‚Bei der USK wird gespielt‘ steht bis heute für den hohen Qualitätsanspruch der USK-Prüfpraxis und für einen weltweit einzigartigen Ansatz im Jugendmedienschutz bei Games. Dr. Klaus Spieler hat die Games-Branche über Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt. Sein Engagement, seine Haltung und seine Überzeugungskraft wirken bis heute fort.“
Klaus Spieler: Gründer von USK und Computerspielemuseum verstorben
Thomas Dlugaiczyk ist selbst Co-Gründer und Mitarbeiter der ersten Stunde von USK, Games Academy sowie des Game-Bundesverband und heute freier Berater. Seinen sehr persönlichen Nachruf dokumentiert GamesWirtschaft in voller Länge:
„Dr. Klaus Spieler lernte ich im Jahr 1992 kennen. In der Berliner Zeitung stand eine Jobannonce. Ein freier Träger der Jugendhilfe suchte Mitarbeiter, die sich mit neuen Medien und vor allem mit Computerspielen auskannten. Kurzfristig bekam ich auch einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. An Details kann ich mich nicht mehr erinnern, nur daran, dass Klaus Spieler plötzlich aufsprang und mir sagte, ich könne mir meinen Arbeitsvertrag für eine befristete ABM-Stelle bei der Verwaltung abholen.
Die USK als Projekt des Fördervereins für Jugend- und Sozialarbeit e.V. ist vorrangig eine ostdeutsche, genauer gesagt eine Ostberliner Geschichte. Und noch mehr: Es ist die erfolgreiche Geschichte von Menschen aus dem Westen und dem Osten Deutschlands, die gemeinsam etwas aufgebaut haben. Wer waren diese Mutigen, die bereit waren, ohne Vorurteile aufeinander zuzugehen und einander zu vertrauen? Es war vor allem Dr. Klaus Spieler, der diese Idee vertrat und lebte.
Klaus Spieler war 1992 Geschäftsführer des Fördervereins für Jugend- und Sozialarbeit e.V., einem Träger der Jugendhilfe mit Sitz in Berlin-Mitte in der Rungestraße 20.
Die Bedeutung Berlins als Standort für die professionelle Tätigkeit moderner Medien hat wesentlich mit der Gründung und dem Betrieb der USK, der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, zu tun. Schon 1995 stand die USK im Spiegel und war damit bundesweit bekannt. Ohne Klaus Spieler wäre dieses Projekt nie zustande gekommen. Seine Fähigkeit, unorthodox zu denken, Probleme pragmatisch zu lösen und gleichzeitig politisch, systemisch und intellektuell zu kommunizieren und zu handeln – das waren Eigenschaften, die ich an ihm immer bewundert habe. Und: Er hat den Menschen in den Projekten vertraut. Er war mein Mentor in dieser Zeit. Ich konnte unglaublich viel lernen, und dafür bin ich sehr dankbar.
Dieser typisch ostdeutsche Pragmatismus und eine offene Haltung gegenüber neuen Technologien – vor allem Computern und Computerspielen – verbanden uns immer. Wir waren in der Jugendhilfe tätig und ließen uns auf einen Wirtschaftsverband ein. 1992?
Deshalb: Klaus Spieler war über alle Maßen mutig. Als Geschäftsführer des Trägervereins nahm er die Bürde auf sich, diese Einrichtung als Zweckbetrieb wirtschaftlich, politisch und auch in der Verantwortung zu tragen und zu entwickeln. Was für eine Leistung! Man darf es nicht unterschätzen: Die Zusammenarbeit eines Trägers der Jugendhilfe mit der Industrie war in den 90er Jahren eine ungewöhnliche Konstellation und – in einer Zeit des Beginns der Privatisierung sozialer Dienstleistungen – ein von potenziellen Konkurrenten argwöhnisch betrachtetes Projekt.
Die USK war der Schlüssel zur ‚Anerkennung‘ der Computerspielbranche in Deutschland. Der VUD als Verband und sein erstes Projekt, die USK, haben die Grundlage für eine gesellschaftliche Akzeptanz gelegt, die sich bis heute für die Branche bezahlt macht.
Der Verein, der fjs e.V., war Klaus Spieler bei all diesen Dingen immer wichtig. Er stellte seine persönlichen Bedürfnisse stets zurück, wenn es um die Belange des Vereins ging. So wird er es wohl auch in den folgenden Jahren gehalten haben.
Ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen und mit ihm zusammenarbeiten durfte. Es war anstrengend, es war anspruchsvoll, aber es hat unglaublich viel Freude gemacht, mit ihm zu arbeiten. Lieber Klaus, ich danke Dir dafür.“











