Start Meinung Fröhlich am Freitag 36/2019: Vom rechten Umgang mit der AfD

Fröhlich am Freitag 36/2019: Vom rechten Umgang mit der AfD

AfD-Politiker und Haushaltsausschuss-Vorsitzender Peter Boehringer bei einer Rede im Plenersaal (Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek.net)
AfD-Politiker und Haushaltsausschuss-Vorsitzender Peter Boehringer bei einer Rede im Plenersaal (Foto: Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek.net)

Darf, kann, muss man die größte Oppositionspartei im Bundestag ignorieren? Ja, sagt die Spiele-Industrie. Für die (Fach)Presse ist die Antwort weit weniger klar.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

vor einer Woche hat die AfD-Fraktion in Hessen einen Antrag in den Landtag eingebracht, der nahezu gleichlautend von den Lobbyverbänden Game oder ESBD hätte stammen können. Darin wird die Regierung von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) aufgefordert, sich in Berlin für die Gemeinnützigkeit von eSport einzusetzen – unter anderem.

Demnächst wird sich der Wiesbadener Landtag mit dem Thema beschäftigen. Mutmaßlich wird der Antrag mit Pauken und Trompeten durchrasseln, weil es sich nun mal um einen AfD-Vorstoß handelt. Hätten die Rechtspopulisten beantragt, Bouffier möge sich für Frieden auf Erden stark machen – es liefe aufs Gleiche hinaus. Ähnlich brillante Chancen auf Umsetzung hätte der eSport-Antrag, wenn er von anderen Oppositionsparteien – etwa der SPD oder der Linken oder der FDP – gekommen wäre.

Es handelt sich so gesehen um einen ganz normalen Vorgang, wie er tagtäglich in Kommunen und Parlamenten vorkommt. Was aber auch zeigt, dass es in diesem Geschäft irrsinnig selten um die vielbeschworenen „Inhalte“ oder gar um „die Sache“ geht, sondern darum, dem politischen Gegner keinen Millimeter Landgewinn zuzugestehen – egal, wo er im politischen Spektrum steht.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Eines war mir jedenfalls schon vorher klar: Ab der Sekunde, in der die AfD-eSport-Meldung auf Sendung geht, würde es Reaktionen geben. Und die erfolgten dann auch zuverlässig und heftig, sowohl in den sozialen Medien als auch in persönlichen Gesprächen und via Mail.

Überwiegender Tenor: Darf man der AfD eine Bühne geben – indem man, wie in diesem Fall, über die Partei berichtet?

Der Industrieverband Game hat diese Frage längst für sich beantwortet – und zwar dahingehend, dass eine Zusammenarbeit mit der größten Oppositionspartei im Bundestag erst gar nicht stattfindet. Das ist natürlich sein gutes Recht, auch im juristischen Sinne. Auf der Gamescom oder beim Branchen-Sommerfest hat der Game nun mal das Hausrecht und darf namens seiner Mitglieder frei entscheiden, wen er dabei haben möchte und wen nicht.


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AfD-Politiker werden sich daher damit abfinden müssen, dass sie auch auf der Gamescom 2020 und beim nächsten „Debatt(l)e Royale“ personae non gratae bleiben. Was – wie man hört – nicht nur, aber auch damit zusammenhängt, dass sich Abgeordnete anderer Parteien wahnsinnig ungerne gemeinsam mit AfD-Vertretern auf ein Podium setzen und absagbare Termine daher zur Not auch mal absagen, gerne auch kurzfristig und mit Verweis auf „Termingründe“. Bei Anne Will oder Maybritt Illner geht das schlecht, auf der Gamescom natürlich sehr wohl. Der Game-Verband bestreitet derlei Zusammenhänge auf Anfrage.

Wie also mit der AfD umgehen? Bürger, Politiker, Unternehmen und Verbände können die Auseinandersetzung mit der AfD natürlich nach eigenem Ermessen regeln und gestalten.

Für die Presse im Land indes wäre es meines Erachtens falsch und fatal, die Partei aus prinzipiellen Erwägungen stumpf auszublenden. Denn das hieße zwangsläufig, dass man die kritische Auseinandersetzung aus freien Stücken aufgibt – etwa mit Blick auf das Programm bei Landtags– und Bundestagswahlen. Da spielt es auch keine Rolle, ob es sich um einen redaktionellen Vollsortimenter wie den SPIEGEL und die Tagesschau oder aber ein Fachmagazin mit einem vergleichsweise engen Blickwinkel (hier: Videospiele) handelt.

Meine Auffassung: Journalisten würden ihrem Berufsstand nicht gerecht, wenn sie die eigene Weltanschauung zum Maßstab nehmen, ob bestimmte Themen und Personalien – etwa AfD oder Trump – überhaupt vorkommen dürfen. Die Frage muss vielmehr lauten, ob eine Meldung Relevanz für die Branche und somit Nachrichtenwert hat – ja oder nein? Das war und ist nach meinem Dafürhalten hier der Fall.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Folgen unserer Kolumnen-Reihe finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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