
In wenigen Wochen wird in Baden-Württemberg gewählt – allzu konkret fallen die Wahlversprechen für die Games-Branche nicht aus.
Wird es Cem Özdemir gelingen, den scheidenden Langzeit-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (regiert seit 2011) nahtlos abzulösen und als zweiter Grüner in die Stuttgarter Staatskanzlei einzuziehen? Oder kann der erst 37jährige CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel das Stammland nach 15 Jahren wieder für die Union zurückerobern?
Hagel oder Özdemir? Zwischen diesen beiden Namen wird es sich wohl entscheiden, wenn am 8. März 2026 in Baden-Württemberg ein neuer Landtag und damit auch ein neuer Regierungs-Chef gewählt.
Belastbare Umfragen liegen derzeit nicht vor – die letzten Erhebungen stammen vom Herbst 2025. Damals lag die CDU knapp unter 30 %, vor AfD und Grünen mit jeweils rund 20 %. Für eine schwarz-grüne Koalition – unter welchen Vorzeichen auch immer – könnte es also erneut reichen. Die SPD kommt demnach auf 10 Prozent, Linke und FDP durften sich Hoffnungen auf einen Wiedereinzug in den Landtag machen.
Große Hoffnungen gibt es auch bei der Games-Industrie in ‚The Länd‘ (Eigenwerbung): Denn mit einem Förder-Gesamt-Etat von 1,2 Mio. € spielt die Region zwar im Länder-Vergleich vorne mit. Gleichzeitig gibt es mit Ausnahme von Gameforge weiterhin keinen Betrieb mit mehr als 100 Beschäftigten.
Die Szene ist vielmehr geprägt von Mittelständlern (u. a. Black Forest Games, Kr3m Media, Promotion Software etc.) und jungen Studios, wie auch der Gamescom-Gemeinschaftsstand zeigt. Punkten kann die Region mit einer starken Hochschul-Szene, etwa in Karlsruhe, Offenburg, Heidelberg oder Stuttgart.

Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Was die Parteien für die Games-Branche planen
Analog zu vorherigen Wahlen analysiert GamesWirtschaft die Wahlprogramme jener Parteien, die mit hinreichender Wahrscheinlichkeit im Landtag vertreten sind. Die Reihenfolge ergibt sich traditionell entlang der vorliegenden Prognosen.
CDU
Eine „Agenda der Zuversicht“ hat die CDU aufgeschrieben – so lautet zumindest der Titel des Programms (PDF).
Die Partei hat sich vorgenommen, die Bereiche Games und Animation zu stärken – zwei Segmente mit großen Schnittmengen, wie sich alljährlich entlang des Internationalen Trickfilm-Festivals in Stuttgart zeigt.
Die Union will für „attraktive Rahmenbedingungen für Entwicklerstudios“ sorgen und dadurch „digitale Wertschöpfung“ fördern. Im Rahmen der Wirtschaftsförderung sollen Games als eigenständiger Sektor auftreten – mit positiven Effekten für Export- und Messeprogramme.
Indirekt profitieren Games-Unternehmen von der geplanten Ausweitung der Startup-Förderung.
Bündnis 90 / Die Grünen
Das Stichwort „Games“ kommt nur ein einziges Mal im Wahlprogramm vor, das unter dem Motto „Stabil in bewegten Zeiten“ (PDF) steht. Auf Seite 66 heißt es recht allgemein: „Film, Animation und Games sind ein Zukunftsthema.“ Weil in der Kreativwirtschaft viel Potenzial schlummert, wolle man Studiengänge und Gründerzentren ebenso ausbauen wie die Medien- und Filmfördergesellschaft.
Die Grünen wollen außerdem für „gute Rahmenbedingungen“ im E-Sport sorgen – flankiert von „pädagogischen Leitlinien“ und Unterstützung für gemeinnützige Strukturen.
AfD
„Unser Land verdient ein Comeback“ fordert die AfD – wie das gelingen soll, steht auf den 67 Seiten des Wahlprogramms (PDF).
Dort tauchen die Games-Entwickler mit keiner Silbe auf. Gleichwohl lässt sich im Kultur- und Medien-Kapitel erahnen, welche Umwälzungen auf die Branche bei einer AfD-Regierungsbeteiligung zukämen.
Der landeseigenen Medien- und Filmgesellschaft (MFG), die auch für die Games-Förderung zuständig ist, attestiert die AfD, sie würde „gezielt ideologisch geprägte Projekte“ unterstützen. Anstelle von kreativer und technischer Exzellenz würden politisch einseitige „Inhalte mit extrem links-progressiver Ausrichtung und Umerziehungscharakter“ finanziert.
Die AfD fordert eine grundlegende Reform der Filmförderung – sollte dies nicht möglich sein, droht die Partei mit Auflösung der MFG. In jedem Fall müsse es zu einer stärkeren Berücksichtigung wirtschaftlicher Kriterien bei der Vergabe von Fördermitteln kommen.
SPD
„Weil es um dich geht“ – unter diesem Motto ziehen die Sozialdemokraten in den Wahlkampf. Auf 58 Seiten (PDF) hat das Team um Spitzenkandidat Andreas Stoch aufgelistet, wie es das Land voranbringen will – Wirtschaft, Bildung, Wohnen, Gesundheit, Inneres, Digitalisierung.
Vergleichsweise knapp kommt die Computerspiele-Branche weg. In einem Nebensatz im „Qualitätsjournalismus“-Abschnitt heißt es: „Ebenso stärken wir die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, um eine bessere Förderung der Film- und Games-Branche im Land zu erreichen. Um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und diese Wachstumsbranche in Baden-Württemberg zu halten, wollen wir hier endlich zur Spitzengruppe der Bundesländer aufschließen.“
FDP
Außergewöhnlich ausführlich fällt das Programm der Freien Demokraten mit Blick auf die Computerspiele-Industrie im Südwesten aus. Eine ganze Seite ist der Branche im Wahlprogramm gewidmet – Motto: „Die Zukunft spielt sich hier ab: Games-Branche stärken.“
Die Liste der guten Vorsätze ist lang – und reicht von zusätzlichen Studiengängen und ausgeweiteten Förderprogrammen bis hin zur einigermaßen kühnen Idee, Auszeichnungen wie den „Deutschen Computer Preis“ (gemeint ist der Deutsche Computerspielpreis) nach Baden-Württemberg zu holen.
Die Forderung, E-Sport als Sportart anzuerkennen, wurde zwischenzeitlich von der Realität eingeholt.
Baden-Württemberg ist für die FDP ein traditionell wichtiges Pflaster: Als Spitzenkandidat geht der Landesvorsitzende Hans-Ulrich Rülke ins Rennen. Sein Motto: „Zurück auf Vorwärts“. (pf)
Beitrag wird bei Vorliegen neuer Erkenntnisse aktualisiert












