Start Politik Esports Nations Cup 2026: Keine Unterstützung vom ‚Games-Ministerium‘

Esports Nations Cup 2026: Keine Unterstützung vom ‚Games-Ministerium‘

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Game-Verband, Esports Player Foundation und E-Sport-Bund (ESBD) bilden das 'Team Germany' für den Esports Nations Cup 2026 im saudischen Riad
Game-Verband, Esports Player Foundation und E-Sport-Bund (ESBD) bilden das 'Team Germany' für den Esports Nations Cup 2026 im saudischen Riad

Die Bundesregierung plant keine Unterstützung der Nationalmannschaft, die beim Esports Nations Cup in Saudi-Arabien antreten soll – aus Gründen.

Der Esports Nations Cup ist mutmaßlich das weltweit erste Großereignis, bei dem der Veranstaltungsort und das Gastgeber-Land in Pressemitteilungen und in Trailern mit keiner Silbe erwähnt werden.

Dabei ist offenkundig: Das E-Sport-Turnier steigt im November in Riad, der Hauptstadt des Golf-Anrainers Saudi-Arabien – vorausgesetzt, die geopolitische Lage lässt die praktische Durchführung bis dahin grundsätzlich zu. So hat etwa die Lufthansa mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten alle Linienflüge nach Riad bis Ende Oktober ausgesetzt.

Im Unterschied zum Esports World Cup (EWC), der bereits im Juli startet, treten beim Esports Nations Cup (ENC) 100 Nationen und Regionen in Disziplinen wie Counter-Strike 2, EA Sports FC 26 oder Rocket League an. Die teilnehmenden Länder entsenden also eigene ‚Nationalmannschaften‘.

Das ausrichtende Königreich Saudi-Arabien flankiert das Preisgeld von 20 Mio. $ mit einem ‚Development Fund‘ von weiteren 20 Mio. $, der lokales Marketing, Trainer, Logistik und Reisekosten finanziert. Dieses Setup hat auch Deutschlands Lobby-Verbände überzeugt, die eine erfolgreiche Bewerbung abgegeben haben: Der Branchenverband Game, der Talent-Förder-Ableger Esports Player Foundation (EPF) und der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) werden in allen 15 Disziplinen ins Rennen gehen. Der Game e. V. teilt auf Anfrage mit, dass er keine Mittel aus diesem Topf erhalten werde.

In den kommenden Monaten soll nun das ‚Team Germany E-Sport‘ entstehen. Motto: Drei Partner – eine Mission. Selbst der traditionell E-Sport-kritische Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützt das Projekt.

Bemerkenswert: Auch die Social-Media-Kanäle von ‚Team Germany E-Sport‘ lassen ‚Saudi-Arabien‘ und ‚Riad‘ gänzlich unerwähnt.

Esports Nations Cup: Keine Unterstützung vom ‚Games-Ministerium‘

Die Bundesregierung macht offenkundig einen feinen, aber klaren Unterschied zwischen privatwirtschaftlich organisierten Formaten wie dem Esports Nations Cup und Events, die von (Sport-)Verbänden getragen werden.

Noch bei der Ankündigung der Olympic Esports Games – eine Co-Produktion zwischen Saudi-Arabien und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) – hatten das SPD-geführte Innenministerium und das Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) ganz offiziell die Rückendeckung durch den Bund zugesagt: Man sei gemeinsam bereit, „die Entsendung eines Deutschen Teams zu den Olympic Esports Games 2025 in Saudi Arabien“ unterstützen. Das Format wurde allerdings im Oktober 2025 abgesagt.

Innen- und Wirtschaftsministerium wollen die Entsendung eines deutschen Teams zu den Olympic Esports Games in Saudi-Arabien unterstützen (Abbildung: IOC / Deutscher Bundestag)
Innen- und Wirtschaftsministerium wollen die Entsendung eines deutschen Teams zu den Olympic Esports Games in Saudi-Arabien unterstützen (Abbildung: IOC / Deutscher Bundestag)

Und wie verhält es sich mit dem Esports Nations Cup? Auf politischer Seite ist seit Mai 2025 das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für den E-Sport zuständig. Eine Sprecherin von CSU-Ministerin Dorothee Bär teilt auf GamesWirtschaft-Anfrage mit, man „begrüße die erkennbare Ambition und den Zusammenschluss der genannten Akteurinnen und Akteure für die internationale Sichtbarkeit des deutschen E-Sport.“

Gleichwohl stellt das BMFTR fest, es handele sich um „ein von Saudi-Arabien initiiertes Turnierformat“, das in keinem Zusammenhang mit den Olympic Esports Games des IOC steht. „Von daher hat die Bundesregierung aktuell keine Position zum Esports Nations Cup. Derzeit ist keine Unterstützung vorgesehen.“

In den verbleibenden sieben Monaten wird es nun für Team-Manager Christian Lenz darum gehen, einen international wettbewerbsfähigen Kader zusammen zu stellen. Ein Selbstläufer wird das nicht: In der Szene gibt es erhebliche Vorbehalte mit Blick auf die Menschenrechtslage und die anhaltende E-Sport-Machtkonzentration in Saudi-Arabien. So hat etwa das League of Legends-Profi-Team Eintracht Spandau bereits 2024 im Kontext der Olympic Esports Games klargestellt, man wolle mit der eigenen Reichweite „keinen Beitrag zum Sportwashing leisten.“