Mit Mimimi Games hat er Deutschlands Games-Branche geprägt – jetzt meldet sich Johannes Roth mit dem Nintendo 64-Projekt Phazer 64 zurück.
Auf der Gamescom 2023 schien die Welt noch in Ordnung: Mit Vizekanzler Robert Habeck hatte sich Johannes Roth über die Herausforderungen hiesiger Indie-Studios ausgetauscht und Shadow Gambit: The Cursed Crew vorgestellt. Mehr als 2 Millionen Euro hat das Wirtschaftsministerium seit 2020 in das Mimimi-Spiel investiert.
Zu diesem Zeitpunkt ahnten die wenigsten, was Roth und sein Co-Gründer Dominik Abé wenige Tage später am 29. August verkünden würden: Mimimi Games werde bis Ende 2023 den Betrieb kontrolliert runterfahren (Details / Kolumne). Shadow Gambit sollte das letzte Spiel des Münchener Vorzeige-Studios werden – die fast 40köpfige Belegschaft musste sich neue Jobs suchen.
Zur Begründung hieß es, nach Shadow Gambit sei der richtige Zeitpunkt gekommen, „unser eigenes Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen und auf die Bremse zu treten, statt uns auf einen weiteren mehrjährigen Produktionszyklus einzulassen.“
Um mit Habeck zu sprechen: Die Mimimi Games GmbH war nicht insolvent – sie hat nur einfach erst mal aufgehört zu produzieren. In diesem Fall: vielfach preisgekrönte Taktik-Spiele.
Dieses Auf-die-Bremse-Treten hat von außen betrachtet gut geklappt: Die beiden Gründer haben die kurz zuvor bezogenen Büros aufgelöst (dort residiert mittlerweile die ‚Gamerei‘), Mobiliar verkauft, Verbands-Ämter abgegeben und sich ins Private zurückgezogen.
Im Rückblick spricht Unternehmer Roth von der absolut richtigen Entscheidung – zumal sich die Branchen-Unwucht bereits 2023 abgezeichnet hatte. Gleichwohl ist er als Co-Geschäftsführer weiterhin mit den bürokratischen Tiefausläufern beschäftigt – Jahresabschlüsse, Verträge, Steuerliches, Lizenzen.
Denn die GmbH existiert ja weiterhin – und die Spiele sind erst recht noch erhältlich: Den Vertrieb von Shadow Gambit hat beispielsweise Hooded Horse übernommen, Daedalic vermarktet Shadow Tactics (ab 18. März auch für Switch 2), Desperados 3 liegt bei THQ Nordic.
Johannes Roth: „Ich hab vergessen, wie viel Spaß mir das Spiele-Entwickeln macht.“
In den vergangenen Wochen hat Johannes Roth den selbstgewählten Stealth-Modus allmählich verlassen und sein neues Spiele-Projekt vorgestellt: Phazer 64 – ein spielgewordener Liebesbrief an den 90er-Jahre-Jump & Run-Klassiker Commander Keen. Der Spieler erkundet einen 2D-Weltraum, landet auf Planeten, sammelt Sternen-Nuggets und lässt Asteroiden zerbersten.

Das Projekt ist entlang eines Gamejams für seinen geliebten Nintendo 64 entstanden. Die Kultkonsole erfährt derzeit so etwas wie einen zweiten Frühling: So hat sich Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey nach dem Gameboy das N64 vorgenommen und bringt demnächst das ModRetro M64 auf den Markt – Motto: „Plug in the Memories“.
Für Roth ist Phazer 64 ebenfalls ein ‚back to the roots‘. Denn mit dem rasanten Mimimi-Wachstum habe er sich immer öfter zwischen mehreren Rollen entscheiden müssen „Bei all dem Business habe ich vergessen, wie viel Spaß mir das Spiele-Entwickeln macht“, sagt Roth im GamesWirtschaft-Gespräch. Die Begeisterung für die Freiheit, alles wieder selbst machen zu dürfen – sie ist spürbar.
Schon nach kurzer Einarbeitung habe er gemerkt: „Oh, ich kann das ja noch.“ Mit ‚das‘ sind jene Fähigkeiten gemeint, die er in seinem Studium erlernt hat. Was er nicht (mehr) weiß, lässt er sich von Künstlicher Intelligenz erklären: „Durch KI ist das Coden so einfach wie noch nie – aber man sollte wissen, was man tut.“
Als Leiter der Qualitätssicherung fungiert im Übrigen der Sohnemann – der die richtigen Fragen stellt: Warum geht eigentlich das nicht? Und wieso kann ich dies nicht machen? Die Ideen dürften Solo-Entwickler Roth so schnell also nicht ausgehen.
Wer sich für Phazer 64 interessiert: Auf der Website von Core Production gibt es viele weitere Informationen zu Download, Technik und Umsetzung plus eine Newsletter-Option. Auf YouTube gibt es ein Gameplay-Video. (pf)














> Im Rückblick spricht Unternehmer Roth von der absolut richtigen Entscheidung – zumal sich die Branchen-Unwucht bereits 2023 abgezeichnet hatte. Gleichwohl ist er als Co-Geschäftsführer weiterhin mit den bürokratischen Tiefausläufern beschäftigt – Jahresabschlüsse, Verträge, Steuerliches, Lizenzen.
Wohl auch dem Umsatz aus dem Katalog mit dem es sich bestimmt ganz gut leben lässt. Davon hat man als Ex-GF was, die Mitarbeiter sicherlich auch, oder?