Start Gamescom Games-Branche contra AfD: Koelnmesse darf Gamescom-Zugang nicht verweigern

Games-Branche contra AfD: Koelnmesse darf Gamescom-Zugang nicht verweigern

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Keine Fahrräder, keine Skateboards, keine Roller - und möglichst auch keine AfD-Politiker: Die Gamescom-Veranstalter halten die eigenen Ziele und Werte für unvereinbar mit der Alternative für Deutschland.
Keine Fahrräder, keine Skateboards, keine Roller - und möglichst auch keine AfD-Politiker: Die Gamescom-Veranstalter halten die eigenen Ziele und Werte für unvereinbar mit der Alternative für Deutschland.

Deutschlands Games-Industrie baut eine Brandmauer rund ums Gamescom-Gelände. Doch die Koelnmesse kann den Zugang für AfD-Politiker nicht per se unterbinden.

„Nicht willkommen“ – so lautete die unmissverständliche Ansage des Verbands der deutschen Games-Branche in Richtung AfD anlässlich der Gamescom 2026. Game-Geschäftsführer Felix Falk nutzte die Bühne des weltgrößten Computerspiele-Events, um die seit vielen Jahren eingeübte Praxis zu unterstreichen – explizit mit Verweis auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Botschaft der Branche: Die Brandmauer war, ist und bleibt intakt, weil Ziele und Werte unvereinbar sind. Deshalb werden zu Branchen-Veranstaltungen grundsätzlich keine AfD-Politiker und -Politikerinnen eingeladen – weder zur Gamescom noch zu anderen Formaten. Die außergewöhnlich klare Festlegung stieß auf ein breites Medien-Echo.

Gamescom: AfD muss draußen bleiben – was sagt die Koelnmesse?

Aber ‚darf‘ der Game eigentlich einzelne Parteien oder Personen ausschließen? Er darf. Schließlich handelt es sich um einen eingetragenen Verein mit Vorstand, Satzung und mehr als 500 Mitgliedern, die mit breiter Mehrheit den politischen Kurs mittragen. Die Marke Gamescom gehört ohnehin dem Verband. Und so kommt es, dass an Empfängen, Rundgängen und Konferenzen auch diesmal Hunderte Vertreter des kompletten politischen Spektrums teilnahmen – eben mit Ausnahme der Alternative für Deutschland.

Etwas komplizierter ist die Lage beim Co-Veranstalter: Die Koelnmesse GmbH betreibt eines der größten Messegelände Europas und ist seit 2009 unter anderem verantwortlich für Technik, Logistik, Sicherheit und Ticket-Verkauf der Gamescom. Die Tochter Koelncongress vermarktet außerdem Event-Locations wie den Tanzbrunnen, die Flora und den Gürzenich.

Der Konzern (450 Mio. € Umsatz / 1.200 Mitarbeiter) gehört zu 79 Prozent der Stadt Köln, weitere knapp 20 Prozent hält das Land Nordrhein-Westfalen – was wiederum erklärt, warum Rathaus und Staatskanzlei signifikante Summen in die Hand nehmen, um die Gamescom auf Dauer in Köln zu halten. Gamescom Congress, Devcom und Gamescom City Festival werden mit jeweils sechsstelligen Zuschüssen subventioniert. Der Vertrag wurde erst 2025 langfristig verlängert (Details / Kolumne).

Von links: Koelnmesse-Chef Gerald Böse, Köln-OB Henriette Reker, NRW-Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski, Game-Geschäftsführer Felix Falk, die Game-Vorstände Lars Janssen und Ralf Wirsing sowie Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese (Foto: Koelnmesse / Jakob Studnar)
Von links: Koelnmesse-Chef Gerald Böse, Köln-OB Henriette Reker, NRW-Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski, Game-Geschäftsführer Felix Falk, die Game-Vorstände Lars Janssen und Ralf Wirsing sowie Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese (Foto: Koelnmesse / Jakob Studnar)

Koelnmesse: „Weltoffenheit und Toleranz“ als Grundlage des Geschäftsmodells

Auf GamesWirtschaft-Anfrage macht die Koelnmesse deutlich, dass sie sehr grundsätzlich „für Weltoffenheit, Toleranz und den freien Austausch von Menschen, Unternehmen und Ideen aus aller Welt“ steht.

Dies sei keine politische Positionierung, sondern schlichtweg die Grundlage des Geschäftsmodells und eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Messe-Standorts Deutschland, so ein Unternehmenssprecher. Die deutsche Messewirtschaft sei darauf angewiesen, dass Aussteller und Besucher – unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion, Geschlecht, Identität oder Weltanschauung – „miteinander ins Gespräch kommen, Geschäfte machen und sich in Deutschland willkommen und respektiert fühlen“.

Davon zu unterscheiden seien die Äußerungen des Verbands, der ebenso wie andere Co-Veranstalter eigene politische oder gesellschaftliche Positionen vertreten kann. Aus den Äußerungen einzelner ideeller Träger lasse sich nicht zwangsläufig die Perspektive der Koelnmesse als Betreiberin des Messegeländes und Veranstalterin eigener Messen ableiten.

„Dürfen Besuch nicht allein aufgrund der Parteizugehörigkeit verwehren“

Doch was folgt daraus in der Praxis? Werden Besuchs-Anfragen von AfD-Bundestags- und Landtags-Abgeordneten sowie -Fraktionen für Koelnmesse-Veranstaltungen und -Liegenschaften erfüllt? Und falls ja: Stellt die Koelnmesse entsprechende Kapazitäten (etwa Security) bereit, um einen gesitteten Ablauf zu gewährleisten?

Die Koelnmesse räumt ein, dass sie als Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft „einer besonderen rechtlichen Verantwortung“ unterliegt. Personen, die in Orts-, Landes- oder Bundesparlamenten vertreten sind, dürften nicht allein aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit unterschiedlich behandelt werden.

Im Klartext: „Gewählten Funktionsträgern der Alternative für Deutschland (AfD) können wir den Besuch einer unserer Veranstaltungen oder einen Rundgang nicht allein aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit verwehren. Gleiches gilt grundsätzlich für andere im Parlament vertretene Parteien“, so der Unternehmenssprecher gegenüber GamesWirtschaft.

Für Parteiveranstaltungen gelten ohnehin gesetzliche Rahmenbedingungen, die sich unter anderem aus dem Grundgesetz ergeben: „Ein pauschaler Ausschluss einer im Parlament vertretenen Partei von unseren Räumlichkeiten ist nicht möglich. Ausnahmen können sich insbesondere aus sachlichen Gründen wie Termin- oder Kapazitätsengpässen ergeben.“

Just diese Gründe kamen zuletzt 2021 zum Einsatz, als die AfD ihren Landesparteitag in den Messe-Hallen abhalten wollte.

Koelnmesse-Chef Gerald Böse, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, EU-Kommissions-Vize Henna Virkkunen, Finanzminister Lars Klingbeil, Forschungsministerin Dorothee Bär, Game-Geschäftsführer Felix Falk und Verbands-Vorstands-Chef Lars Janssen bei der politischen Eröffnung der Gamescom 2026.
Koelnmesse-Chef Gerald Böse, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, EU-Kommissions-Vize Henna Virkkunen, Finanzminister Lars Klingbeil, Forschungsministerin Dorothee Bär, Game-Geschäftsführer Felix Falk und Verbands-Vorstands-Chef Lars Janssen bei der politischen Eröffnung der Gamescom 2026.

AfD-Brandmauer greift auch bei kommenden Game-Veranstaltungen

Die Kölner legen Wert auf die Feststellung, dass der Zugang zum Gelände in Deutz nicht als politische Unterstützung zu werten sei. Die Aufgabe des Unternehmens bestünde lediglich darin, einen „rechtssicheren, sicheren und professionellen Rahmen für Messeveranstaltungen“ zu gewährleisten.

Und genau hier verläuft die Grenze zu einer Großveranstaltung wie der Gamescom, die in Form einer „Partnerschaft“ ausgerichtet wird. Dort greift die Entscheidung des Game-Verbands, wonach „mit der AfD sowie mit Personen, die diese Partei vertreten oder repräsentieren“, keinerlei Zusammenarbeit stattfindet.

Zur praktischen Anwendung gelangt der Branchen-AfD-Unvereinbarkeitsbeschluss auch im kommenden Frühjahr bei der Verleihung des staatlichen Deutschen Computerspielpreises in Berlin, beim traditionellen Game-Sommerfest und natürlich bei der Gamescom 2027 vom 23. bis 29. August.

Zuvor wird nicht nur in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch im Gastgeber-Bundesland Nordrhein-Westfalen ein neues Parlament gewählt: Am 25. April 2027 stellt sich Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) an Rhein und Ruhr zur Wiederwahl, wo er seit 2022 weitgehend geräuschlos mit den Grünen regiert. Wüst gehört zu den Gamescom-Stammgästen und richtete in diesem Jahr erstmals einen dedizierten NRW-Empfang aus – Motto: „Gaming Has A Home In Cologne“.


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