Start Politik „Nicht willkommen“: Gamescom untermauert AfD-Brandmauer

„Nicht willkommen“: Gamescom untermauert AfD-Brandmauer

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Weltoffen und vielfältig - so sieht sich die deutsche Games-Branche, die Investoren und Fachkräfte umwirbt.
Weltoffen und vielfältig - so sieht sich die deutsche Games-Branche, die Investoren und Fachkräfte umwirbt.

Der Game-Verband macht als Veranstalter von seinem Hausrecht Gebrauch – und abermals deutlich, dass die AfD auf dem Gamescom-Gelände unerwünscht ist.

„Mit der Alternative für Deutschland (AfD) sowie mit Personen, die diese Partei vertreten oder repräsentieren, findet daher keinerlei Zusammenarbeit statt. Die Positionen dieser Partei stehen unseren Werten und Zielen als Branche entgegen.“

So steht es geschrieben im jüngst veröffentlichten Transparenzbericht des deutschen Branchenverbands Game, der die Interessen von mehr als 500 Mitgliedern vertritt – vom Ein-Mann-/Frau-Indie-Studio bis hin zu Weltkonzernen wie Microsoft, Google, Nintendo, Sony, Nvidia oder Samsung.

Gemeinsam mit der Koelnmesse veranstaltet der Game das weltgrößte Games-Event und eine größten Publikumsmessen des Landes: Zur Gamescom 2026 kamen in der letzten August-Woche 368.000 Besucher nach Köln, darunter erstmals das deutsche Staatsoberhaupt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete den Gamescom Congress und unternahm anschließend einen gut eineinhalbstündigen Rundgang.

„Nicht willkommen“: Gamescom untermauert AfD-Brandmauer

In Steinmeiers Anwesenheit wiederholte Game-Geschäftsführer Felix Falk die Abgrenzung zur AfD und begründete die Entscheidung mit dem „klaren Kompass“ der Games-Branche: „Deshalb lassen Sie mich heute auch ganz klar sagen, was eben auch zu dieser Haltung gehört, zumal wir vor wichtigen Wahlen in Deutschland stehen. Diejenigen, die diese demokratischen Prinzipien und eine offene Gesellschaft bekämpfen, so wie die AfD es tut, die sind nicht unser Partner und die sind auch auf einer Gamescom nicht willkommen.“

Für diese Positionierung gab es anhaltenden Applaus (Aufzeichnung).

Neu ist diese Haltung nicht, wohl aber die Plattform: Seit vielen Jahren lädt der Verband zu eigenen Veranstaltungen grundsätzlich keine AfD-Politiker und -Politikerinnen ein – sei es zur Gamescom, zum Gamescom Congress oder zum alljährlichen Verbands-Sommerfest unweit des Kanzleramts.

Dies schließt den amtlichen Deutschen Computerspielpreis ein, der von der Bundesregierung verliehen und bezahlt wird. Die Kosten für Organisation, Gala und Preisgeld trägt das zuständige Ressort (aktuell: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) sowie im Wechsel die Gastgeber-Standorte München und Berlin. In Abstimmung mit dem Bund steuert der Game-Verband die Zusammensetzung der Jury- und Gästeliste über die Töchter Stiftung Digitale Spielekultur und Game Events.

Gern gesehene Gäste auf dem Gamescom-Gelände: Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit Game-Vorstand Lars Janssen (2.v.l.) und Game-Geschäftsführer Felix Falk.
Gern gesehene Gäste auf dem Gamescom-Gelände: Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit Game-Vorstand Lars Janssen (2.v.l.) und Game-Geschäftsführer Felix Falk.

Keine uneingeschränkte Zustimmung zur AfD-Brandmauer

Dass sich ein Lobby-Verband so deutlich und vor allem öffentlich gegen eine konkrete Partei positioniert, kommt im politischen Berlin nicht so häufig vor. Vergleichbare Stellungnahmen gibt es unter anderem vom Digitalverband Bitkom.

Analog zum Bitkom ist der Game-Verband ein eingetragener Verein mit einem (frisch gewählten) Vorstand, einer Satzung und zahlenden Mitgliedern, die mehrheitlich über den Kurs entscheiden.

Wenngleich der Unvereinbarkeitsschluss auf einer sehr, sehr, sehr breiten Zustimmung in den Gremien fußt und auf erkennbare Zustimmung in der deutschen Computerspiele-Branche inklusive der Standortinitiativen trifft, sind bei weitem nicht alle Game-Mitglieder mit dem eingeschlagenen Weg glücklich, wie entlang der Gamescom deutlich wurde – inklusive jener, die sich unterjährig für eine wehrhafte Demokratie engagieren und nicht im Verdacht stehen, mit Positionen der Rechtsaußen zu sympathisieren.

Ein Argument: Indirekt würde dadurch ein ‚Nicht willkommen‘-Signal an Beschäftigte, Unternehmer und Gamescom-Besucher und damit etwaige Wähler einer Partei gesandt, die in Umfragen derzeit bei 29 Prozent im Bund und bei 17 Prozent im Gastgeber-Bundesland NRW liegt – trotz oder wegen aufgezogener Brandmauern, an der es laute Zweifel aus allen Lagern gibt. Die AfD sei zudem die zweitstärkste Fraktion und größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag – und damit Teil eines Verfassungsorgans. Bei der Wahl von Steinmeiers Nachfolger stellt die Partei ein Fünftel der Bundesversammlung.

Der frisch gewählte Vorstand des Branchenverbands Game beim Sommerfest 2026 mit Gastrednerin und Bundesfamilienministerin Karin Prien.
Der frisch gewählte Vorstand des Branchenverbands Game beim Sommerfest 2026 mit Gastrednerin und Bundesfamilienministerin Karin Prien.

Zusammenarbeit mit allen Parteien – außer AfD

Formal hat die AfD natürlich keinen Anspruch darauf, bei Game-Formaten wie der Gamescom berücksichtigt zu werden. Verband und Koelnmesse üben ihr Hausrecht aus. Es obliegt dem Veranstalter, welche Gäste er einlädt – und welche nicht.

Rechtlich nicht verhindern lässt sich indes, dass sich Parteimitglieder, Abgeordnete und Funktionäre auf eigene Faust ein Ticket organisieren und einen Rundgang in den Hallen unternehmen – so wie es die Fraktions-Co-Vorsitzende Alice Weidel zur Gamescom 2018 praktizierte (Video).

Dass es absehbar zu einer offiziellen Einladung der AfD kommt, ist nach Lage der Dinge auszuschließen. Mit dieser Ausnahme unterhält der Verband enge bilaterale Beziehungen zu allen Parteien und Fraktionen in Bund und Ländern – auch mit Blick auf politische Forderungen wie einer Verstetigung der Games-Förderung und der Einführung von ‚Tax Breaks‘. Analog zum Haushaltsjahr 2026 sollen Games made in Germany auch 2027 mit 120 Mio. € bezuschusst werden.

Zu den politischen Stammspielern auf Game-Veranstaltungen gehören unter anderem Dorothee Bär (CSU / Forschungsministerin), Lars Klingbeil (SPD / Finanzminister), Nathanael Liminski (CDU / NRW-Staatskanzlei-Chef) sowie die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU / Nordrhein-Westfalen) und Markus Söder (CSU / Bayern) – in der Ampel-Ära außerdem Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und sein Parlamentarischer Staatssekretär Michael Kellner (Grüne).


Welche Politikerinnen und Politiker den meisten Einfluss auf die Geschicke der deutschen Games-Branche haben, erfahren Sie in dieser Top 10.

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