Start Gamescom Steinmeier auf der Gamescom 2026: Der Bundes-Bedenkenträger

Steinmeier auf der Gamescom 2026: Der Bundes-Bedenkenträger

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Staatsoberhaupt trifft Prinzessin: Peach empfängt Frank-Walter Steinmeier am Gamescom-Stand von Nintendo of Europe.
Staatsoberhaupt trifft Prinzessin: Peach empfängt Frank-Walter Steinmeier am Gamescom-Stand von Nintendo of Europe.

Als eines von wenigen Medien konnte GamesWirtschaft den Gamescom-Rundgang von Bundespräsident Steinmeier hautnah begleiten.

„Meine Damen und Herren … der Bundespräsident“: Spätestens in dem Moment, als sich am Donnerstag um kurz nach 10 Uhr das handverlesene Publikum des Gamescom Congress von den Stühlen erhob und dem eintreffenden Ehrengast applaudierte, ahnte auch der letzte, dass die Gamescom endgültig „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ sein könnte.

Und deshalb stand der Bingo-Klassiker auch exakt so im Rede-Manuskript von Frank-Walter Steinmeier.

Dutzende Politiker und Politikerinnen aus Bundestag, Landtagen, Ministerien, Parteien und Fraktionen nahmen an der Auftakt-Veranstaltung zum Gamescom Congress 2027 teil – mit einer Ausnahme.

Denn in seiner Begrüßungsrede hatte Game-Geschäftsführer Felix Falk weiteren Mörtel für die seit Jahren bestehende Branchen-Brandmauer angerührt und mit Blick auf die Landtagswahlen im Osten klargestellt: „Diejenigen, die demokratische Prinzipien und eine offene Gesellschaft bekämpfen, so wie die AfD es tut, die sind nicht unser Partner und die sind auch auf einer Gamescom nicht willkommen.“

Für diese Ansage gab es noch mehr, noch lauteren und noch längeren Applaus als für die Ankündigung des Staatsoberhaupts.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede zum Auftakt des Gamescom Congress 2026 im Confex der Koelnmesse.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede zum Auftakt des Gamescom Congress 2026 im Confex der Koelnmesse.

Steinmeiers Gamescom-Rede: „Killerspiel-Debatte überzeichnet“

Nach Falk trat der Bundespräsident an die Kanzel: In seiner gewohnt pastoralen Rede (Aufzeichnung) dozierte Steinmeier entlang des Kongress-Mottos ‚Spielfeld Demokratie‘ über Chancen und „Schattenseiten“, über Vorzüge, Risiken und Nebenwirkungen von Computerspielen – und über „ein paar Dinge“, über die man nicht hinwegsehen dürfe.

Unterwegs würdigte er die kulturelle, technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Branche – und man merkte an ganz vielen Stellen, dass sich seine Redenschreiber sehr intensiv mit Befindlichkeiten und Phantomschmerzen des Gewerbes auseinandergesetzt hatten.

So sei die Killerspiele-Debatte „ganz sicherlich überzeichnet“ gewesen – er könne sich vorstellen, das sich viele Gamerinnen und Gamer darüber geärgert haben, wenn ihr Hobby undifferenziert und pauschalierend als Gefahrenquelle ausgemacht wurde. Und er machte auch deutlich, dass ungefähr alle Kulturphänomene diese Entwicklung hätten durchmachen und aushalten müssen – vom Rock ’n‘ Roll bis zu Comics. Pastoral, wie gesagt.

Bundespräsident Steinmeier am Gamescom-Donnerstag bei seinem Rundgang auf dem Koelnmesse-Boulevard
Bundespräsident Steinmeier am Gamescom-Donnerstag bei seinem Rundgang auf dem Koelnmesse-Boulevard

Für viele überraschend fügte Steinmeier an, dass Instrumente wie Altersfreigaben zwar hilfreich seien, aber möglicherweise nicht mehr ausreichen. Es brauche klare Regeln, um etwa Gewaltverherrlichung in Games zu verhindern. Denn trotz erfolgreicher „Reinigungsbemühungen“ gebe es „immer noch einige Computerspiele“, in denen junge Menschen mit Brutalität und roher Gewalt in Berührung gebracht werden, mit Sexismus und Rassismus.

Es spricht viel dafür, dass etwa ein Grand Theft Auto 6 mindestens aus Steinmeier-Perspektive all diese Kriterien erfüllt – plus ganz viele Titel, die anders als GTA 6 auf dem Gamescom-Gelände gezeigt werden, wenn auch nur gegenüber Besuchern mit blauem oder rotem ‚Altersbändchen‘. Denn die Gamescom ist mutmaßlich der einzige Ort des Planeten, an dem der Games-Jugendschutz nicht nur praktiziert, sondern auch streng kontrolliert wird.

Von links: NRW-Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski (CDU), Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Koelnmesse-Chef Gerald Böse, die Cosplayerinnen Allaria und Kaddi, Game-Geschäftsführer Felix Falk und Game-Vorstand Lars Janssen.
Von links: NRW-Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski (CDU), Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Koelnmesse-Chef Gerald Böse, die Cosplayerinnen Allaria und Kaddi, Game-Geschäftsführer Felix Falk und Game-Vorstand Lars Janssen.

Nintendo, Ubisoft, Cosplayer: Die Stationen von Steinmeiers Gamescom-Rundgang

In weiser Voraussicht hatten Koelnmesse und Verband dafür gesorgt, dass Steinmeier entlang seines 90minütigen Rundgangs erst gar nicht mit möglicherweise grenzwertigen Themen in Kontakt kam.

Für ein Staatsoberhaupt, das unterjährig Kirchentage, Karlspreise und Buchmessen gewohnt ist, dürfte der Gamescom-Aufenthalt trotzdem so etwas wie ein Kulturschock gewesen sein. Denn es ist fast unmöglich, martialisch gewandete Besucher zu übersehen, die sich mit Schaumstoff-Äxten, Raketenwerfern und Spielzeug-MG ‚bewaffnet‘ unters Volk mischen.

Den Auftakt bildete geschmeidiger Smalltalk mit den Cosplayerinnen Kaddi (als Witcher-Ciri) und Allaria (als Baldur’s Gate-Shadowheart) in Halle 5. Im Anschluss ging es weiter zur Bundeszentrale für Politische Bildung in der Indie Area der Halle 10, wo Steinmeier auf die Spiele-Macherinnen Yifan Zhou und Fiona Dietz traf. Ihr Kasseler Zwei-Frau-Studio WieLuft baut das Serious Game Egglets – Die langen zehn Tage.

Bei Nintendo in Halle 9 nahm die Bundesrepublik Deutschland erstmals diplomatische Beziehungen mit dem Pilzkönigreich auf: Prinzessin Peach machte ihre Aufwartung – gefolgt von einer Runde Bogenschießen mit Nintendo Switch Sports Resort, wo sich Steinmeier gemeinsam mit Managing Director Clemens Mayer-Wegelin im JoyCon-Bogenschießen an der Switch 2 übte.

Bundespräsident Steinmeier beim Nintendo Switch Sports Resort-Bogenschießen mit Nintendo-Justiziar Clemens Mayer-Wegelin
Bundespräsident Steinmeier beim Nintendo Switch Sports Resort-Bogenschießen mit Nintendo-Justiziar Clemens Mayer-Wegelin

Keine zehn Minuten später musste er sich in Halle 6 schon wieder an eine komplett andere Steuerung gewöhnen: Ubisoft-Manager Benedikt Grindel drückte ihm einen Xbox-Controller in die Hand und startete den Sofa-Koop-Modus von Rayman Legens Retold. Das quietschbunte und herrlich alberne Jump & Run ist eine europäische Co-Produktion und in Teilen made in Germany, weil die Ubisoft-Studios in Düsseldorf und Berlin mitwirken.

Offene Stände wie jener von Ubisoft sind der wahr gewordene Albtraum all jener, die für das Wohlergehen von Gamescom-VIPs verantwortlich sind. Die Sicherheits-Maßnahmen folgerichtig: enorm. BKA-Beamte und Hundestaffeln hatten Laufwege und Messestände inspiziert, die Nummer 1 im Staat wurde engmaschig abgeschirmt.

Umgeben von einer Traube aus Polizei, Personenschützern und Koelmesse-Security bahnte sich Steinmeiers Entourage den Weg durch die Hallen – eine ungleich größere Herausforderung als am angenehm luftigen Fachbesuchertag. Schließlich läuft die Messe am (ausverkauften) Gamescom-Donnerstag bereits unter Volllast.

Wer A drückt, muss auch B drücken: Ubisoft-Manager Benedikt Grindel erklärt Steinmeier die Tastenbelegung von Rayman Legends Retolds.
Wer A drückt, muss auch B drücken: Ubisoft-Manager Benedikt Grindel erklärt Steinmeier die Tastenbelegung von Rayman Legends Retolds.

Wichtiges Signal nach innen und außen

Was bleibt nun von Steinmeiers Gamescom-Besuch? Mit der Zusage des Bundespräsidenten schließt sich ein Kreis, der mit Merkels Premiere anno 2017 begonnen hatte und 2026 ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat – mehr Wertschätzung ist nicht zu bekommen. Die Symbolkraft ist nicht zu überschätzen, weil sie weitere Türen öffnet.

Der Vorgang markiert zugleich das intensive Bretterbohren des Verbands, um der einst verpönten Branche zu politischer Anschlussfähigkeit zu verhelfen – was sich buchstäblich auszahlt.

Wer die Branche seit Jahrzehnten verfolgt, mag solche Ereignisse mittlerweile als selbstverständlich empfinden. Doch das ist es nicht. Denn mit wechselnden Regierungs-Konstellationen und Personalien beginnt das Rennen stets von Neuem. Zur Erinnerung: Noch vor zwei Jahren hießen die relevanten Branchen-Ansprechpartner Habeck, Lindner, Roth, Kellner und Paus.

Und wer weiß, wer zur Gamescom 2027 kommt.

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