
Ein klassischer ‚Gamer‘ sei er nicht, sagt IKEA-Designer Lukas Bazle. Beste Voraussetzungen also, um gemeinsam mit Microsoft die Xbox-Kollektion XYSTABY zu bauen.
Er hat KRÖNIKÖR, KÖLVATTEN und mit den Hängeleuchten YTLÄGE und KUDDLAVA echte Bestseller erfunden, die in Hunderttausenden Wohnungen von der Decke baumeln – jetzt hat Lukas Bazle eine neue Quest angenommen: Der Berliner Designer war Teil eines siebenköpfigen Teams, das gemeinsam mit Microsoft Xbox die neun Produkte der YXSTABY-Kollektion entworfen hat.
Die Konsolen-Marke feiert in diesem Jahr 25jähriges Jubiläum. Oder wie es die Presse-Abteilung formuliert: „Skandinavisches Design trifft auf Gaming-Know-how“.
Zum Sortiment gehören ein wippender ‚Thumbstick-Hocker‘ (39,99 €), gemütliche grüne Kissen in Steuerkreuz-Form und chromfarbene Serviertabletts in D-Pad-Anmutung für je 14,99 €, außerdem Monitor-Ständer, Lounge-Sessel, Controller-Displays und Beistelltische. Die Produkte sind ab 1. Oktober in den Einrichtungshäusern zu haben – ab dem 15. Oktober zusätzlich im Online-Shop.
Es ist die mittlerweile dritte ‚Gaming-Kollektion‘ von IKEA – die Weltpremiere erfolgte standesgemäß entlang der Gamescom am Microsoft-Stand in Halle 7. Die Designer waren eigens nach Köln gereist, um ihre Produkte gegenüber Presse, Interior-Influencern und Gamescom-Besuchern zu präsentieren.
IKEA-Designer Lukas Bazle: So entstand die Xbox-Kollektion
Bazle hat ursprünglich Industriedesign in Schwäbisch-Gmünd studiert, startete dann bei einem Berliner Design-Label und lebt und arbeitet seit 2021 im schwedischen Älmhult – inmitten einer Bullerbü-Postkarten-Idylle mit rot gestrichenen Häusern, blau-gelben Flaggen vor der Tür, mit ganz viel Wasser und noch mehr Wald.
Älmhult ist das IKEA-Design-Hauptquartier: In den dortigen Werkstätten wird gezeichnet, getüftelt, gesägt, geschraubt, geschreinert, poliert, geschweißt, gehämmert, gelötet und vor allem jede Menge verworfen, denn nur ein winziger Bruchteil der Ideen schafft es tatsächlich in die Möbel-Ausstellung oder in die Markthalle. Von 50 Konzepten ‚überlebt‘ kaum eines – das erfordert ein dickes Fell. Zwei bis drei Jahre dauert so ein Prozess im Schnitt.
Die Anforderungen sind enorm, denn die Möbel und Accessoires müssen auf dem ganzen Erdball funktionieren – in winzigen Studentenbuden genauso wie im Reihenhaus oder im Großraum-Büro, im eher frischen Nordeuropa genauso wie auf einer brütend-heißen Mittelmeer-Insel. Und Bazle muss von Anfang an den späteren Ladenpreis mitdenken: Es soll leistbar sein.

Eine Xbox-Konsole zum Probespielen
Auch wenn er sich sehr auf GTA 6 freue, würde er sich nicht als ‚Gamer‘ bezeichnen, räumt Lukas im GamesWirtschaft-Gespräch ein. Er empfand diese Ausgangslage aber eher als Vorteil. Schließlich sollen die Produkte alltagstauglich sein, aber eben nicht zu ’nerdig‘ und sich in jeder Hinsicht gut in jede Wohnzimmer-Konfiguration einfügen, optisch wie funktionell.
Im Falle der Xbox-IKEA-Kollektion kam noch hinzu, dass ganz unterschiedliche Alltagssituationen berücksichtigt werden müssen. Klischee-Beispiel: Er spielt – sie nicht. Oder umgekehrt. Oder beide gleichermaßen, aber eben nicht täglich. Aus dieser Überlegung heraus ist etwa der rollbare TV-Wagen entstanden, dessen Ablageflächen auch ‚zweckentfremdet‘ werden können.
Um ein Gefühl für Farben, Formen und Materialien zu bekommen, hat ihm Microsoft eigens eine Xbox-Konsole zur Verfügung gestellt. Außerdem waren Xbox-Teams regelmäßig zu Besuch in Schweden, um sich Prototypen anzusehen und dafür zu sorgen, dass das Design ‚on brand‘ ist und mit Gamepads, Kabeln und Konsolen harmoniert. Auf den ersten Blick soll die Assoziation mit der Xbox-Welt gelingen.
Ob Lukas und seine Kollegen mit YXSTABY den Geschmack des Publikums getroffen haben, weist sich schon in wenigen Wochen. Dann wird er sich, wie er das gerne tut, wieder inkognito unter das Volk im Einrichtungshaus mischen und die IKEA-Kunden dabei beobachten, wie sie auf ’seine‘ Produkte zusteuern, darüber diskutieren, prüfend mit der Hand über den Stoff fahren, probesitzen, das Maßband anlegen, Fotos machen, das Etikett studieren, die Teile möglichweise wieder zurück ins Regal legen – oder im besten Fall in den Einkaufswagen packen.
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