Start Meinung 10 Jahre GamesWirtschaft (Fröhlich am Freitag)

10 Jahre GamesWirtschaft (Fröhlich am Freitag)

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GamesWirtschaft feiert 10jähriges Betriebsjubiläum.
GamesWirtschaft feiert 10jähriges Betriebsjubiläum.

Am morgigen 4. Juli wird nicht nur in den USA gefeiert – sondern auch in Mittelfranken: GamesWirtschaft ging vor zehn Jahren an den Start.

Verehrte GamesWirtschaft-Leserin,
verehrter GamesWirtschaft-Leser,

die heutige Ausgabe der Freitags-Kolumne fällt ausnahmsweise in die Kategorie ‚In eigener Sache‘.

Denn Ihr Lieblings-Branchenmagazin feiert am morgigen ‚Independence Day‘ den 10. Geburtstag. Nach einigen Monaten Vorbereitung und Testlauf ging GamesWirtschaft am 4. Juli 2016 offiziell an den Start.

Niemand wundert sich mehr über diese Zeilen als ich. Denn eigentlich war ich 2015 wild entschlossen, nach Hunderten Spielezeitschrift-Ausgaben und mit Anfang 40 (oder wie Stromberg sagen würde: gefühlten Mitte-Ende 30) nochmal die Sportart zu wechseln – andere Industrie, andere Themen, anderer ‚Vibe‘. Doch schon nach wenigen Wochen innerer Klausur reifte die Erkenntnis, das riesige Netzwerk und den Branchen-Einblick nicht einfach ‚wegwerfen‘ zu dürfen.

Was wäre denn, so fragte ich mich, wenn man einen Schritt zurücktritt und den Blick weitet? Das Konzept für GamesWirtschaft wurde konkreter.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Bei einem Frühstück am Rande der Berliner Quo Vadis im Frühjahr 2016 erkundigte sich der damalige Industrieverbands-Chef Maximilian Schenk, was ich denn konkret vor hätte. Meine alliterative Antwort auf diese Frage lautete an jenem Vormittag: ein „SPIEGEL für Spiele“.

Also ein Nachrichtenmagazin, das Politik, Wirtschaft, Kultur und (E-)Sport abdeckt – und den Produkt-Journalismus weitgehend außen vor lässt, der ja von bestehenden Medien bereits wunderbar bespielt wird. Und worauf ich nach 25+ Jahren ehrlich gesagt nur noch wenig Lust hatte.

Schenk fand die Idee gut und wünschte Glück.

Von Anfang an hatte ich mir vorgenommen:

  • GamesWirtschaft sollte eine DACH-Marke sein – also erstens deutschsprachig und zweitens mit Fokus auf einen Markt mit 100+ Mio. Bewohnern.
  • Dann: möglichst keine wirtschaftlichen Abhängigkeiten von jenen, über die man berichtet (was sowohl im B2C- als auch im B2B-Segment nicht trivial ist).
  • Und schließlich: keine Paywall. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass man gerade das, was nicht so dolle läuft im Land, nicht künstlich abschotten darf.

Das gilt bis heute – und weiterhin.

Der Start von GamesWirtschaft im Sommer 2016 fiel in eine denkbar finstere Phase – so blieb etwa bei Goodgame Studios in Hamburg kein Stein auf dem anderen. Hunderte verloren ihre Jobs.

Das, was Daedalic-Chef Carsten Fichtelmann in der ersten und einzigen Episode seiner Kolumnen-Reihe #AUFSMAUL aufgeschrieben hatte, sprach Vielen aus dem Herzen. Die von ihm beschriebenen Herausforderungen für Gründer und Unternehmer blieben. Weil der Markt nun mal so ist, wie er ist: anstrengend, hart, oft ungerecht. Meriten früherer Zeiten interessieren exakt niemanden. Was zählt, ist jetzt. Frag nach bei der Fußball-Nationalmannschaft.

Jetzt – zehn Jahre später – ist immer noch Krise. Genauer: wieder. Nach historischen Umsatz-Rekorden entlang der Corona-Jahre kämpft die Branche mit den Folgen entfesselter Expansions-Kreuzzüge, die zu aufgeblähten Strukturen und einem ‚unmanageable‘ Konvolut an Studios und Marken geführt hatten – gipfelnd in der 70-Mrd.-$-Übernahme von Activision Blizzard.

Microsoft, Sony, Embracer, Stillfront, Ubisoft – sie alle und viele weitere Konzerne sind seitdem damit beschäftigt, ihr Geschäftsmodell nachzuschärfen und die Payroll zu ‚entlasten‘. So schnell, wie zeitweise eingestellt wurde, wird nun ausgestellt. Standorte, die sich nie vorstellen konnten, dass sie jemals einen Betriebsrat brauchen würden, haben plötzlich einen.

Doch wir sollten uns davor hüten, die Lage der Branche schlechter zu reden, als sie ist. Nach wie vor gibt es eine Menge Indies, Mittelständler, Dienstleister und ‚hidden champions‘ im Land, die wie ein Schweizer Uhrwerk ticken – unaufgeregt, nachhaltig, stabil. Viele Themen wurden im abgelaufenen Jahrzehnt abgeschichtet und abgeräumt: Der ehrenamtliche E-Sport ist gemeinnützig, die Fördertöpfe sind randvoll, das Ökosystem ist vielfältiger, in den Ländern hat sich eine Menge getan, Konferenzen und Messen haben sich toll entwickelt.

Selbst die Games-Politik ist nach jahrzehntelanger Odyssee endlich angekommen. Neun Jahre nach der Gamescom-Erstbesteigung durch eine Kanzlerin reist in eineinhalb Monaten der Bundespräsident nach Köln – soll keiner sagen, die Branche sei nicht für Überraschungen gut.

An Berichtenswertem wird es daher auch weiterhin nicht mangeln, so viel ist sicher. Die Philosophin Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf ist mit den Worten zu zitieren: „Die ganze Welt ist voll von Sachen – und es ist wirklich nötig, dass jemand sie findet.“

Ich finde, das ist in meinem Berufsstand nicht die verkehrteste Grundhaltung. Auch und gerade im KI-Zeitalter. Wo die LLMs zwar ganz gut darin sind, Gewesenes im Nachgang zu erklären – aber nicht besonders gut darin, Vier-Augen-/-Ohren-Gespräche zu führen über das, was wirklich geschehen ist. Oder was demnächst geschieht. Und was möglichst (noch) keiner wissen soll.

Ein riesengroßes Dankeschön für die ersten zehn Jahre – und wenn Sie mögen: Willkommen in der nächsten Dekade.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft

PS: Falls Sie der Meinung sind, dass die GamesWirtschaft-Perspektive wichtig ist und wichtig bleibt, dann darf ich Sie schon mal auf die kommende Woche verweisen. Dann gibt es ein paar unverbindliche Ideen, wie Support in der Praxis aussehen kann (abgesehen von täglichem Vorbeisurfen, Newsletter-Abo und einem Follow auf LinkedIn, Facebook, X, Threads oder Bluesky

5 Kommentare

  1. Ganz herzliche Glückwünsche, auch im Namen der Comicschau-Redaktion, zum Jubiläum und auf die nächsten zehn Jahre tolle Berichte aus der Gamesbranche von Menschen für Menschen!

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