
Forscher aus dem deutschsprachigen Raum sorgen sich ums digitale Games-Erbe: In einem Offenen Brief fordern sie die Politik zum Handeln auf.
Es sind unruhige Zeiten für all jene, die es mit dem Kulturgut Games halten: Die Videospiele-Industrie lässt wenig Zweifel daran, dass sie die Zukunft im rein digitalen Vertrieb sieht – sehr zum Ärger all jener, die weiterhin Spiele auf Datenträgern erwerben und sammeln möchten.
Dem Widerstand schließt sich nun der Arbeitskreis Geisteswissenschaften und Digitale Spiele (AKGWDS) an, dem renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen angehören. In einem Offenen Brief bringen die Experten die Sorge zum Ausdruck, dass physische Medien und Infrastrukturen zur Spiele-Archivierung auf Dauer verschwinden.
Sorge um Kulturgut Games: Forscher schreiben Offenen Brief
So wollte die Initiative ‚Stop Killing Games‘ erreichen, dass Online-Multiplayer-Spiele seitens der Publisher und Vertriebsplattformen in einem spielbaren Zustand gehalten werden. Die EU-Kommission hat allerdings sehr deutlich gemacht, dass von ihrer Seite keine Unterstützung zu erwarten ist, weil es sich um wirtschaftliche Entscheidungen der Betreiber handelt – die Industrie hatte sich zuvor bereits ablehnend geäußert.
Damit könnten abseits des Verbraucherschutzes auch die Interessen von Wissenschaft und Forschung unter die Räder kommen, weil die Titel schlichtweg nicht mehr zugänglich sind.
Weitreichende Auswirkungen hat zudem die Sony-Interactive-Ankündigung, wonach ab Ende 2027 keine PlayStation-Spiele mehr auf Disc produziert und angeboten werden – die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Der PlayStation Store ist somit künftig der einzige Zugang zu Spiele-Software für Sony-Konsolen: Der Betreiber kann nach eigenem Ermessen entscheiden, ob einzelne Spiele verfügbar bleiben oder für immer verschwinden. Auch hier drohen massive Einschränkungen für Forschungsgruppen, Game Labs und Bibliotheken.
Parallel droht auch der Internationalen Computerspielesammlung (ICS) wegen ungeklärter Finanzierung das vorläufige Aus.
Für den AKGWDS ist der Befund daher naheliegend: „Spiele, so scheint es, sind politisch nach wie vor als lukrativer Wirtschaftsfaktor genehm, werden allerdings – trotz gegenteiliger Beschlusslage – nicht als Kulturprodukt verstanden.“ Die Kritik der Spiele-Forscher: Die Politik fokussiert sich auf die Produktion neuer digitaler Spiele, vernachlässigt aber die Bewahrung des kulturellen Games-Erbes.
Der Arbeitskreis fordert eine digitale Infrastruktur zur wissenschaftlichen Archivierung digitaler Spiele – losgelöst vom Einfluss der Publisher, Studios und Plattformen. Daneben sollten Hersteller der Spielwissenschaft künftig ein ‚Pflichtexemplar‘ zur Verfügung stellen. Dritter Punkt: die Ergänzung des Urheberrechts, um etwa legale Sicherungs- und Privatkopien für wissenschaftliche Zwecke zu ermöglichen.












