Start Politik Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus (Update)

Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus (Update)

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Verbands-Chef Felix Falk, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Rüdiger Kruse (CDU) läuten Phase 1 der Internationalen Computerspielesammlung ein (Foto: Franziska Krug / Getty Images for Stiftung Digitale Spielekultur)
Verbands-Chef Felix Falk, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Rüdiger Kruse (CDU) läuten Phase 1 der Internationalen Computerspielesammlung ein (Foto: Franziska Krug / Getty Images for Stiftung Digitale Spielekultur)

1,5 Millionen Euro sind in den Aufbau der Internationalen Computerspielesammlung (ICS) geflossen – jetzt droht das vorläufige Aus.

Update vom 3. Juli 2026 (16 Uhr): Die Meldung von der unsicheren Zukunft für die geplante Computerspielesammlung hat zwangsläufig zu Nachfragen geführt, wie es mit dem Projekt nun weitergeht.

Die Exponate bleiben zunächst im Besitz beziehungsweise Eigentum der jeweiligen Gesellschafter, also etwa in den Archiven der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle und beim Berliner Computerspielemuseum.

Was im nächsten Schritt mit der ICS-Datenbank und dem Gesamtprojekt geschieht, ist Gegenstand einer gründlichen Prüfung, zu der unter anderem auch rechtliche und technische Fragen gehören.


Meldung vom 3. Juli 2026 (10 Uhr): Seit 2012 verfolgten die Initiatoren das Ziel, die „weltweit größte Sammlung digitaler Spiele“ zusammenzutragen – mit mehr als 60.000 Computer- und Videospielen auf Modul, Diskette, CD, DVD und Blu-Ray-Disc, dazu Verpackungen, Handbücher, Werbematerialien und Hardware.

Unter anderem sollten die üppigen Bestände der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und des Computerspielemuseums in das Archiv einfließen – auch als Grundlage für Wissenschaft und Bildung. Deshalb waren an dem Projekt auch der Branchenverband Game, dessen Stiftung Digitale Spielkultur und das Zentrum für Computerspielforschung der Uni Potsdam beteiligt.

Die damalige Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) sprach im April 2019 beim Start der Datenbank von einem „weltweit einmaligen Aushängeschild – sowohl für den Games- als auch für den Wissenschaftsstandort Deutschland“.

2023 erfolgte schließlich die Gründung einer gemeinnützigen GmbH, die bis Ende 2025 als öffentlich gefördertes Projekt alle Exponate erfasst, organisatorische Strukturen aufgebaut und die Datenbank weiteentwickelt hat. Der Berliner Senat und der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien haben die ICS mit 1,5 Mio. € unterstützt; diese Phase ist seit Ende April 2026 abgeschlossen.

Im „Fortschrittsbericht“ der Berliner Senatsverwaltung warnte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bereits im Frühjahr, das „eine über den Zeitraum bis April 2026 gehende institutionelle Förderung durch den Bund und das Land Berlin zurzeit noch nicht gewährleistet“ sei. Weitere Gespräche sollten folgen – auch mit Bundesministerien.

Die Internationale Computerspielesammlung (ICS) enthält unter anderem die Bestände der USK (Foto: GamesWirtschaft)
Die Internationale Computerspielesammlung (ICS) enthält unter anderem die Bestände der USK (Foto: GamesWirtschaft)

Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus

Am heutigen Freitag mussten die Initiatoren einräumen, dass ein öffentlich zugängliches, dauerhaftes Archiv „durch das Fehlen der notwendigen öffentlichen Unterstützung“ nicht realisierbar sei. Die Gesellschafter haben deshalb einstimmig entschlossen, das Projekt der ICS unter diesen Umständen nicht weiterzuverfolgen.

In einer Stellungnahme heißt es: „Das Aus für die ICS ist aus unserer Sicht sehr bedauerlich – wenn wir auch Verständnis für die politischen Gründe haben. Wir sind weiterhin überzeugt, dass es wie bei anderen Medien auch eine öffentliche Aufgabe ist, das Kulturmedium Games zu bewahren. Wir hoffen, dass dies in anderer Form in Zukunft doch noch umgesetzt wird. Dabei werden nicht nur die Erkenntnisse und Vorarbeiten der ICS helfen, sondern alle Gesellschafter stehen auch individuell als Partner zur Verfügung.“

Informierten sich über das Projekte "Internationale Computerspielesammlung": SPD-Chefin Saskia Esken und Wirtschafts-Staatssekretär Michael Kellner (Foto: GamesWirtschaft / Fröhlich)
Informierten sich über das Projekte „Internationale Computerspielesammlung“: SPD-Chefin Saskia Esken und Wirtschafts-Staatssekretär Michael Kellner (Foto: GamesWirtschaft / Fröhlich)

Das CSU-geführte Bundesforschungsministerium (BMFTR), das seit Mai 2025 für die Games-Politik im Land zuständig ist, teilt auf GamesWirtschaft-Anfrage mit: „Der nächste Schritt wäre die dauerhafte Etablierung der ICS als physische Einrichtung, mit eigenen Archivräumen und Arbeitsplätzen zur Nutzung des Archivguts. Da dafür eine längerfristige Finanzierung benötigt wird, wäre eine sogenannte ‚Institutionelle Förderung‘ notwendig, die jedoch an hohe haushaltsrechtliche Hürden geknüpft ist. Die Möglichkeit einer institutionellen Förderung wurde im BMFTR geprüft, ist jedoch aktuell für die ICS nicht umsetzbar.“

Eine Sprecherin von Giffeys Wirtschafts-Behörde bestätigt auf Anfrage, dass das erwähnte Konzept vom zuständigen Bundesministerium „nach Prüfung als nicht tragfähig bewertet“ und daher zurückgewiesen wurde. Ein Abschlussbericht vom 4. Juni (PDF) begründet die Entscheidung unter anderem damit, dass der Vorschlag „in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit und den beschriebenen Aufgabenumfang der ICS weit über den bisherigen Umfang“ hinausreicht. Die finanziellen Belastungen würden die Kernaufgaben der Sammlung übersteigen.

Der Berliner Senatsverwaltung lägen darüber hinaus „keine Informationen“ über die weiteren Planungen zum Fortbestand der ICS vor: „Da es sich bei der ICS um eine reine Sammlungs- und Forschungsstruktur zur Wahrung des digital-interaktiven Kulturerbes handelt, ist eine fachliche Zuständigkeit oder finanzielle Förderung durch die Wirtschaftsverwaltung leider nicht möglich.“

Damit endet eine bittere Woche für all jene, die es mit der Videospiele-Kultur halten: Erst am Mittwoch hat Sony Interactive angekündigt, nach mehr als drei Jahrzehnten künftig keine Datenträger mehr für PlayStation-Konsolen zu produzieren.

5 Kommentare

  1. Nach der heutigen Nachricht wird die ICS als Projekt/gesellschaftliche Struktur aufgelöst bzw. nicht weiterverfolgt, aber die Sammlungen selbst bestehen weiter. Entscheidend ist: Die physischen Bestände stammen aus den Archiven der Partner wie Computerspielemuseum, USK, DIGAREC und Stiftung Digitale Spielekultur; diese Bestände verschwinden nicht automatisch mit der ICS-Struktur.

  2. Wenn man in Richtung Deutsche Nationalbibliothek schaut, scheint dieses Problem der Finanzierung für den weiteren Betrieb aktuell ja nicht nur die ICS zu betreffen:

    Die Kernkompetenz des Sammelns sollte allerdings in allen Fällen unbedingt weiter gewahrt bleiben. Darüber hinaus mögen einige Aufgaben sicherlich auch sinnvoll sein, das darf aber nicht die Archivierung finanziell gefährden. Insofern lässt sich nur hoffen, dass das noch abgewendet werden kann.

  3. Das klingt doch für mich nach einer EU-Fördergelegenheit. Kein Papierberg könnte zu hoch sein, um das zu retten, was uns weltweit an die Spitze gebracht hat: Die ICS ist weltweit führend. Wenn sich niemand aus der deutschen Politik berufen führt, ist das zwar wieder mal eines dieser Zeichen. Sollte uns aber nicht davon abhalten es trotzdem zu tun.
    Eventuell finden sich auch nicht-institutionelle Förderer?

  4. Oh noo 😭
    Wo haben die denn all die guten Sachen gesammelt? Ist das in Deutschland? Und was passiert jetzt mit all diesen Games?

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