
Die Auskunft des Forschungsministeriums auf eine ‚Kleine Anfrage‘ der AfD-Fraktion liefert bemerkenswerte Erkenntnisse zur Games-Förderung.
Am 21. September und damit fristgerecht innerhalb von 14 Tagen hat das Forschungsministerium namens der Bundesregierung jene 19 Fragen beantwortet, die die Bundestagsfraktion der AfD unmittelbar nach der Gamescom gestellt hat (Details / Kolumne).
Die Opposition hatte sich nach den „Ergebnissen der Games-Förderung des Bundes“ erkundigt: Seit 2019 hat sich der Staat mit mehr als 250 Mio. € an den Entwicklungskosten von Games made in Germany beteiligt. Ziel: bessere Chancen deutscher Studios im internationalen Wettbewerb, mehr Gründungen, mehr Jobs.
Analog zum Vorjahr hat ‚Games-Ministerin‘ Dorothee Bär (CSU) im Haushalt 2027 erneut Fördermittel im Volumen von rund 120 Mio. € eingeplant.
Games-Förderung: Bundesregierung antwortet auf AfD-Anfrage
Das Dokument (PDF) fördert verblüffende Erkenntnisse zu Tage:
So kann die Bundesregierung nicht beantworten, ob, wann und unter welchem Namen die mehr als 700 geförderten Spiele veröffentlicht wurden. Diese Frage wird „im Einzelfall“ entlang der Verwendungsnachweisprüfung untersucht, aber „nicht flächendeckend erfasst“.
Ebenfalls unklar: Ob und wenn ja: auf welchen Plattformen (PlayStation Store, Steam, Google Play etc.) diese Titel derzeit angeboten werden. O-Ton: „Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.“
Übersetzt: Niemand weiß, wie viele der bezuschussten Games jemals vertrieben und vermarktet wurden.
Erst recht keine Informationen gibt es zu Verkaufs- und Umsatzzahlen der Spiele – und inwieweit die staatlichen Gelder die Einnahmen übersteigen. So bleibt offen, in wie vielen Fällen die Ziele des Förderprogramms erreicht werden. Diese Informationen sollen erst im Rahmen von angestoßenen Studien erhoben und untersucht werden, ebenso wie die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Job-Situation in den einzelnen Betrieben.
Dieser Umstand ist auch deshalb wichtig, weil einmal bewilligte Subventionen aus der Bundes-Förderung normalerweise nicht zurückbezahlt werden müssen. Ausnahme: ein Projektabbruch, der zu einer Rückforderung führt, sofern bereits Gelder geflossen sind. Das ist bislang erst fünf Mal vorgekommen.
Demzufolge hat etwa Daedalic Entertainment mehr als 600.000 € zurück überwiesen, weil der geplante Nachfolger zum Gollum-Spiel nicht zustande kam. Im Falle der THQ-Tochter Piranha Bytes ist offenkundig nach wie vor eine Klage gegen den Widerrufsbescheid anhängig – hier geht es um immerhin 530.724 €.
2,3 Mio. € pro Jahr für den Projektträger
Spannend ist auch ein Blick in den Anhang: Dort sind nicht nur die Spiele-Projekte en detail aufgeschlüsselt, sondern auch die administrativen Kosten der Games-Förderung.
Fast 17 Mio. € sind seit 2019 an den beauftragten Projektträger DLR geflossen, der Antragsteller berät und die Förder-Anträge prüft und bewilligt. Im abgelaufenen Jahr waren es mehr als 2,3 Mio. €.
Im Etat enthalten sind außerdem die Ausgaben für das Standortmarketing, also für Reisekosten, Studien, Empfänge, Messen und Konferenzen. Der Gamescom 2025-Auftritt des Forschungsministeriums in der Business Area schlug mit 240.000 € (Standbau, Fläche, Tickets etc.) zu Buche.
Geschäftsmodell Computerspielpreis
Der Staat kommt zusätzlich für den Deutschen Computerspielpreis auf – das gilt sowohl für das Gesamt-Preisgeld von 800.000 € als auch für die Ausrichtung der Gala, an deren Finanzierung sich der Gastgeber-Standort (Bayern und Berlin im Wechsel) beteiligt.
Die Ausgaben für das ‚Drumherum‘ übersteigen vielfach die Schecks für die Gewinner-Studios. Beispiel 2025: An die Preisträger wurden 578.952 € ausgezahlt – parallel erhält allein der Game-Verband als Co-Veranstalter eine halbe Million Euro für die Durchführung der Verleihung. An das Award-Büro, das bei der Verbands-Tochter Stiftung Digitale Spielekultur angesiedelt ist, gehen weitere 241.892,44 €. Analoges gilt für die Jahre 2023 und 2024.
Mit der Games-Förderung des Bundes beschäftigt sich auch die GamesWirtschaft-Kolumne vom 25. September 2026.













Da hier in den Kommentaren anscheinend viel Unwissenheit vorliegt ein paar kurze Fakten:
– Alle Ausgaben müssen detailliert dokumentiert werden und werden ausgiebig in monatelangen Prüfverfahren untersucht. Es wird kein Euro ausgezahlt welcher nicht über Kostenpunkte und Beweisdokumente nachweislich dem Spiel zugeflossen ist. Die Kostenpunkte müssen verhältnismäßig und nachvollziehbar sein.
– Die Förderung ist anteilig und zwingend an eine Begleitinvestition von grob mindestens 50% gebunden. Bei einer Förderung von Summe X, heißt das dass die Studios ebenso mindestens X Investitionssumme eingebracht haben (was ebenfalls geprüft wird). Aufgrund der eher schwachen lokalen Industrie stammt das Geld häufig von ausländischen Investoren welche überzeugt werden konnten einen erheblichen Geldbetrag in deutsche Firmen zu investieren. Geld welches unmittelbar Anstellungen und Steuerzahlungen in Deutschland unterliegt.
– Das die Förderinstitution nicht genaue Auskunft geben kann zu den Spielerfolgen ist vielleicht verbesserungswürdig, heißt allerdings nicht das die Spiele nicht erscheinen. Zu jedem Abschlussbericht gehört zwingend auch die Beigabe des fertigen Spiels welches geprüft wird. Es ist also keineswegs so, dass die Resultate keinen interessieren, sondern einfach dass das DLR hier nicht halbjährlich den aktuellen Verkauf abfragt, weil sie im aktuellen Ansatz dafür auch gar keinen Auftrag hätte und damit weitere Kosten einhergehen würden. Erhebungen dazu wie sich das Anstellungsverhältnis nach der Förderung geändert hat und wieviele neue Sozialpflichtige Jobs geschaffen wurden gehören allerdings zum Abschlussprotokoll. Ebenso steht die Förderung natürlich nicht im luftleeren Raum sondern unterliegt auch der Prüfung von Ablauf und Verhältnismäßigkeit durch den Rechnungshof.
– Spiele sind Technologietreiber und Kulturgut. Es wäre natürlich schön, wenn jede Firma damit durch die Decke gehen würde, aber leider hat keiner eine Kristallkugel und kann klar vorhersehen welche Investition sich „lohnt“ und welche nicht. Das konnten auch die Amerikaner nicht als sie damals das Silicon Valley über große indirekte Förderungen aufgebaut haben. Das Risiko gehört leider beim Aufbau eines Wirtschaftszweigs dazu. Wenn Deutschland regulatorisch leichteren Zugang zu Wagniskapital hätte wäre sowas vielleicht weniger nötig, hat es aber nicht.
– Viele Länder haben ebenfalls Förderungen, ob in dieser Form oder durch Steuerprogramme. Ein großer Teil der Spieleindustrie beispielsweise in Kanada würde ansonsten nicht existieren. Daher handelt es sich um einen Angleich an internationalen Wettbewerb ohne den die deutsche Industrie den Anschluss potenziell unwiderruflich aufgeben müsste.
– Auch wenn sich die Fördersumme immens anhört muss man sich im Verhältnis nur Mal betrachten dass das Staatstheater Stuttgart beispielsweise grob um €100M jährlich bekommt, während die Spieleindustrie sich vergleichbare Summen unter Dutzenden von Projekten teilt die ungleich mehr Leute beschäftigen und als Produkte ungleich mehr Menschen erreichen.
danke für diesen informativen Kommentar. Es wird heut zu Tage zu schnell auf allem rumgehackt und dabei wenig hinterfragt oder gar intensiv recherchiert. Es gäbe so viele Steuerabgründe, wo es um Milliarden geht und teils gar nichts für den Steuerzahler bei rum kommt. Siehe Tankrabatte, oder wenn wir bei Stuttgart sind, war da nicht so ein Bahnhofprojekt oder ein neues Gehege für 22 Mio.?
In Relation sind die bislang ausgelobten 280 Mio. € (+ je 120 Mio. € für 2026 + 2027) natürlich nicht ‚viel‘ – das Maut-Desaster, um mal im Whataboutism-Feld zu bleiben, war deutlich teurer und hat exakt nix gebracht. Und es gibt natürlich viele und gute Gründe für die Games-Förderung. Gleichwohl mangelt es erkennbar an Transparenz und Erfolgskontrolle, um nachsteuern zu können. Aktuell handelt es sich um eine Blackbox – und das fängt schon damit an, dass das Ministerium nicht von sich aus offen legt, wie die Gelder eingesetzt werden.
Vielen Dank für die Perspektive der Entwickler, Riad. Würde auch in (fast) allen Punkten zustimmen.
Ich habe auch den Eindruck, dass die Vergabe sehr gewissenhaft und professionell geprüft wird. Gleichwohl ist es so, dass man zwar die faktische Fertigstellung des Spiels nachweisen muss – im Anschluss interessiert es aber kaum jemanden, was damit geschieht. Bzw.: ob was damit geschieht. Gerade in den Appstores und bei Steam finden sich hinreichend ‚Zombie-Spiele‘, die dann irgendwann abgeklemmt werden.
Überschlägig ist es so, dass in den sieben Jahren die Zahl der Studios und Studios per saldo gewachsen ist, aber der Standort trotzdem stagniert. An dieser Stelle würde man sich mehr Transparenz und vor allem eine ehrliche, sprich: unabhängige Bestandsaufnahme wünschen.
Petra
GamesWirtschaft
Hiermit ergeht die herzliche Bitte um gesitteten Umgang im Kommentar-Bereich. Wir werden keine Beiträge akzeptieren bzw. freischalten, die z. B. Unterstellungen oder Beleidigungen enthalten.
Dass die jeweilige Opposition (egal ob SPD, CDU, AfD, Grüne, Linke) eine Anfrage an die Bundesregierung stellt, ist ihr gutes Recht und sogar unbedingt wünschenswert. Nur so ist eine wirksame parlamentarische Kontrolle möglich.
Herzlichen Dank
Die Redaktion
Wenn ein dreistelliger Millionenbetrag verballert wird, dann darf es nicht nur Einzelprüfungen geben, was denn aus den Subventionen letztendlich wurde. Das erinnert an die Corona-Testzentren, wie viele Scheinprojekte waren denn dieses Mal mit dabei?
„Niemand weiß, wie viele der bezuschussten Games jemals vertrieben und vermarktet wurden.“
Und niemand weiß, ob diese jemals im Ansatz entwickelt wurden?
Die Städte und Kommunen pfeifen finanziell auf dem letzten Loch ,aber diese unsägliche Bundesregierung fördert mit Steuergeldern eine Spieleindustrie die sich dumm und dämlich verdient. Was stimmt in diesem Land nicht? 😡
Leider verdient sich die deutsche Spieleindustrie nicht dumm und dämlich. Hierzulande gibt es zwar einen sehr hohen Umsatz, jedoch machen die großen Gewinne größtenteils ausländische Unternehmen.
Jetzt wäre noch interessant, wieviel Euro die Ministerin in ihrer Funktion als Staatssekretärin für Digitalisierung versammelt hat??
Ist doch völlig egal ob es viel Geld eingebracht hat. Um einen Wirtschaftsstandort aufzubauen muss man investieren. Man kann nicht erwarten dass wir gleich auf Rockstar Niveau einsteigen. Erstmal muss hier überhaupt eine florierende Game Studio Kultur aufgebaut werden die lernen und sich entwickeln darf. Typisch AfD-rumgejammer, null Ahnung von irgendwas.
Aus dem obigen Artikel:
Übersetzt: Niemand weiß, wie viele der bezuschussten Games jemals vertrieben und vermarktet wurden.
Würde schon gerne wissen ob das Geld tatsächlich verwendet wurde…
oder nur wieder mal abgezweigt…
(was ja nie vorkommt)
Low Performer mindset, so wird das bestimmt was.
Warum sollte ich alle Firmen fördern und die die sich richtig reinhängen bekommen dann weniger?
Typisch plebs rumgejammer, null Ahnung von irgendwas.
Schau dir mal deutsche spiele an. Das meiste sind nur halbherzig hingerotzte spiele wie Gollum oder Autobahnpolizei Simulator. Diese Spiele haben einen extrem hohen Geldbetrag als Fördermittel bekommen und anstatt es in die Entwicklung und co. zu stecken floss/fließt vieles in die eigene Tasche. Das einzige deutsche Spiel was sich bis heute wacker hält und den Ansprüchen gerecht wird ist Anno. anstatt einen sinnbefreiten hetz Kommentar gegen die AfD bringen zu müssen, sollte man sich lieber etwas mehr mit der Materie beschäftigen. Liebe Grüße von einem AfD Gamer.
Die Darstellung ist nicht korrekt. Es gibt abseits von Anno Dutzende geförderte Spiele, die sowohl qualitativ als auch kommerziell hervorragend funktionieren.
So sieht es aus. Pauschal gegen irgendeine Partei wie die AfD hetzen und zu arrogant (dumm) sein die Realität zu begreifen
Naja abgesehen was die AFD mit diesen Anfragen erreichen will, ist es doch schon blöd ,dass Investitionen nicht nachvollzogen werden können. Es ist ja nicht so schwer wenn Firma A für Spiel B Geld beantragt, zu wissen, ob das Spiel erfolgreich war oder nicht. Es geht ja darum den Standort auszubauen und wenn Firma A für 3 Spiele Investitionen beantragt aber Spiel 1 und 2 totale Flops waren…muss man dann noch Spiel 3 unterstützen? Sollte man dann nicht lieber Firma B unterstützen?
So gesehen wäre es auch egal, ob und wie viel Geld fliesst? Zu einer vernünftigen Bilanz gehört es doch auch dazu Buch zu führen, welche Unternehmen wie mit den Subventionen umgehen und was dabei entstanden ist. Der Geldtopf ist nicht unerschöpflich und stammt aus unseren Steuergelden.
Dieses „Gejammer“ gehört zu einer jeden guten Opposition dazu, egal ob man die Partei mag oder nicht. Ich wäre eher noch dankbar für die Informationen, die diese AfD Anfrage erst erbracht hat.
Machen wir uns nichts vor, mehr kann eine Opposition ohnehin nicht machen.
Auch wenn man glaubt, daß man diese „Industrie“ in Deutschland braucht und deswegen Fördermittel zahlt, ist eine Überprüfung der Wirksamkeit der Förderung sehr sinnvoll. Es ist natürlich, daß sich die Nutznießer darüber aufregen, aber der Steuerzahler hat ein Recht auf sinnvolle Nutzung seiner Steuergelder.
Wenn man von Investitionen keine Ahnung hat sollte man ruhig sein.
außerdem geht es hier weniger um Investitionen, sondern wohl er Veruntreuung der aktuellen Regierung! Erst denken dann…..
Es könnte aber schon helfen zu verstehen was mit dem Geld am Ende passiert ist und ob die selbstgesteckten Ziele erreicht wurden.
ok, schick mir dein geld als investment, bitte so 50 mio, aber frag bitte nicht innerhalb der nächsten 10 Jahre bei mir nach, was daraus geworden ist.
Traumtänzer
Die Förderung ist wichtig und richtig. Die positiven Effekte sind an vielen Stellen zu besichtigen. Gleichzeitig mangelt es seit jeher an Transparenz. Dass der Bundesregierung zum Verbleib der Gelder ‚keine Erkenntnisse‘ vorliegen, würde nirgendwo sonst akzeptiert.
Na bei dir hat sich zumindest die Investition in Propaganda hart gelohnt. Keine Ahnung von irgendwas, aber eine starke Meinung, die du mit Worthülsen begründest, die du selbst nicht mal verstehst.
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