
Das Kapitel Freaks 4U Gaming endete abrupt – jetzt schlägt Michael Haenisch ein neues auf: Am E-Sport-Hotspot Spandau entsteht Onethreefive Gaming.
An der Spreeschanze, 13599 Berlin. So lautete bis zuletzt die Adresse der Freaks 4U Gaming GmbH, die in der Spitze mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigte. Mittlerweile ist die Website nicht mehr erreichbar, der Geschäftsbetrieb ist eingestellt, seit Februar läuft das Insolvenzverfahren.
Was war passiert? Schließlich zählte das Unternehmen über Jahre zu den größten Games-Marketing- und E-Sport-Agenturen des Landes – mit eigenen TV-Studios, großen Communities, eigenen Festivals, üppigen Gamescom-Bühnen und einem langfristigen Abkommen mit der Tencent-Tochter Riot Games für den Betrieb der League of Legends-Ligen Premier Tour und Prime League.
Dann kam der ‚E-Sport-Winter‘, der die gesamte Branche traf wie Blitzeis im Morgengrauen und das komplette Geschäftsmodell in Frage stellte: Die Pandemie sorgte ab März 2020 dafür, dass reihenweise Turniere und Festivals abgesagt werden mussten. Das zarte Pflänzlein einer Erholung bremste ab 2022 der Krieg in der Ukraine aus: Werbepartner und Spielehersteller scheuten Risiken und kürzten Budgets.
Wie Freaks 4U Gaming in die Insolvenz schlitterte
Ein indischer E-Sport-Vermarkter wettete hingegen auf den E-Sport-Frühling: Ende 2023 beteiligte sich Nodwin Gaming an Freaks 4U Gaming mit 13,51 Prozent, woraus sich eine Bewertung von knapp 60 Mio. € errechnete. Ein halbes Jahr später wurde der Anteil auf 57 Prozent und später auf 62 Prozent aufgestockt – mit dem Ziel, einen Fuß in den europäischen Markt zu bekommen, die Internationalisierung der ‚Freaks‘ voranzutreiben und den Turnaround einzuleiten.
Kurz vor Weihnachten 2025 zog Nodwin den Stecker: Das Management verkündete überraschend, keine weiteren Gelder nachzuschießen und das Investment abzuschreiben. Zwangsläufige Folge: die Insolvenz der Freaks 4U Gaming GmbH.
In der Folge war Freaks 4U-Gründer und Geschäftsführer Michael Haenisch mit der Abwicklung seines Lebenswerks beschäftigt – Inventar, Mobiliar, Verträge, alles in enger Abstimmung mit der Insolvenzverwalterin. Und immer wieder die Frage: Was kommt eigentlich als Nächstes?
Onethreefive: Der Neustart der Freaks 4U Gaming-Macher
Die Antwort ist seit wenigen Wochen zu besichtigen: Gemeinsam mit Marija Haenisch und Matthias Remmert hat er die Heartbase Group GmbH (Eigenschreibweise: heartbase group) gegründet, die als Dachmarke für zwei Töchter fungiert:
- Zum einen die Marketing-Agentur Marqed Agency (Eigenschreibweise: marqed agency), die von der langjährigen Freaks 4U-Marketing- und Kommunikations-Chefin Marija Haenisch gemeinsam mit Anna Ziegler geleitet wird.
- Zum anderen Onethreefive Gaming (Eigenschreibweise: onethreefive gaming) – abgeleitet aus der Spandauer Postleitzahl 135xx. Denn das Unternehmen hat seinen Sitz weiterhin an der Spreeschanze, also an alter Wirkungsstätte.
Der Handelsregister-Eintrag verrät: Onethreefive will Gaming- und E-Sport-Wettbewerbe, -Turniere und -Ligen konzeptionieren, organisieren und betreiben, inklusive Vermarktung und Distribution. Damit bewegt sich das Startup im selben Geschäftsbereich wie schon zuvor Freaks 4U.
Mit Matthias ‚Knochen‘ Remmert hat Michael Haenisch ein echtes E-Sport-Urgestein an der Seite, mit dem er seit über 20 Jahren zusammenarbeitet. Remmert kommentierte und moderierte große Turniere, war regelmäßig im TV zu sehen und baute die Counter-Strike-Community 99Damage auf. Beim E-Sport-Bund Deutschland sitzt er im Präsidium. Für Freaks 4U Gaming war er seit 2012 im Einsatz und Teil des Managements – zuletzt als Senior Vice President Product, TV & Media Productions.

Prime League: Riot Games setzt auf Onethreefive
Das Onethreefive-Team hat bereits den ersten Deal an Land gezogen – nämlich die weitere Durchführung der Prime League in den kommenden beiden Spielzeiten. In der Königsdisziplin messen sich die besten Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zum kompletten Bild gehört allerdings auch, dass der scheinbar nahtlose Übergang von der Freaks 4U-Pleite zum Onethreefive-Neustart inklusive Riot-Auftrag nicht nur Begeisterung in der Branche ausgelöst hat. Die Insolvenz hinterließ zwangsläufig tiefe Spuren – bei Partnern, Kunden, Fans und natürlich bei der Belegschaft, die in den zurückliegenden Jahren mehrfach von Kurzarbeit und Stellenabbau betroffen war. Haenisch ist sich dieser Lage bewusst, wie er in einem Linkedin-Beitrag schreibt.
Auch aus diesem Grund wird es jetzt im ersten Schritt darum gehen, neues Vertrauen aufzubauen. Mit Blick auf die Prime League scheint dies zu gelingen: Nicht nur das Abkommen mit Riot musste neu ausverhandelt werden, sondern auch die Verträge mit Sponsoren. Die Techniker Krankenkasse, die Direktbank DKB, MediaMarkt-Saturn oder die Riegel-Marke KitKat haben sich bewusst für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit entschieden.
Derzeit laufen die Vorbereitungen für den nächsten Aufschlag – dann auf der Gamescom 2026 in Köln.












