Start Meinung Project Helix: Microsoft entdeckt die Xbox-DNA (Fröhlich am Freitag)

Project Helix: Microsoft entdeckt die Xbox-DNA (Fröhlich am Freitag)

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Project Helix - so lautet der Codename für die kommende Xbox-Konsole des Minecraft-Konzerns.
Project Helix - so lautet der Codename für die kommende Xbox-Konsole des Minecraft-Konzerns.

Die nächste Microsoft-Konsole soll beides können: Xbox- und PC-Games – also Country- und Westernmusik. Findet der Konzern mit Project Helix zurück in die Spur?

Verehrter GamesWirtschaft-Leser,
verehrte GamesWirtschaft-Leserin,

Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, dazu Desoxyribose und Phosphat – fertig ist die Desoxyribonukleinsäure, kurz DNA, der Bauplan des Lebens. Zwei gegenläufige Stränge ergeben eine Doppelhelix, die an eine Wendeltreppe erinnert. Bio-Unterricht, achte oder neunte Klasse, schätze ich mal – so genau lässt sich das im Rückblick nicht mehr rekonstruieren.

Die ‚Helix‘ wird Ihnen in den kommenden Wochen und Monaten noch häufiger begegnen. Denn in der Nacht zum heutigen Freitag hat Microsoft „the next generation of Xbox console“ angekündigt – Codename: Project Helix.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Wer sich die Postings auf den amtlichen X-Kanälen genauer anschaut, wird feststellen, dass jede einzelne Silbe mit chirurgischer Präzision hingedrechselt wurde. Kein Wort zu viel, aber auch keins zu wenig.

Immerhin: Im Unterschied zu den bisherigen Xbox-Codenamen, die wahlweise wie ein 80er-Jahre-Mittelklasse-Ford (Scorpio), texanische Provinzstädte (Lockhart) oder eine Filmfigur (Scarlett) klangen und nie wirklich aufgelöst wurden, lässt sich in ‚Helix‘ ungleich mehr hineingeheimnissen und herauslesen.

Erstens: Project Helix ist überraschend klar als ‚Konsole‘ positioniert.

Es ist keine Woche her, dass die neue Xbox-Chefin Asha Sharma „the return of Xbox“ angekündigt hatte – und damit eine Rückbesinnung auf die … nun … DNA der Marke Xbox, die nun mal auf einer Spielkonsole fußt.

In den USA erschien die ursprüngliche Xbox-Baureihe am 15. November 2001 – Bill Gates ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Kartons an die Kunden zu überreichen. Die Marke feiert Ende 2026 also 25jähriges Jubiläum – wenige Tage, bevor Grand Theft Auto 6 erscheint (Stand jetzt), auch für Xbox Series X/S.

Zweitens fährt Microsoft tatsächlich doppelsträngig: Das Gerät soll Xbox-, aber auch PC-Spiele abspielen können. Die Grenzen verschwimmen endgültig – Windows, Xbox, Microsoft, Game Pass, Copilot, Cloud, alles eins. Wer die kommende Xbox kauft, kann also – vermutlich – sowohl GTA 6 spielen als auch Windows-Titel, die auf Steam oder im Epic Games Store gekauft oder via Game Pass ausgeliehen werden. Auf dem ROG Xbox Ally ist das ja schon jetzt gelebte Praxis.

Und dann ergibt auch das neueste Gerücht total Sinn. Denn sollte stimmen, was für gewöhnlich bestens informierte Kreise erzählen, nämlich, dass sich Sony Interactive von der Technologie-Offenheit verabschiedet, dann würden konzerneigene Sony-Singleplayer-Blockbuster nicht irgendwann für PC nachgereicht, sondern (wieder) exklusiv und ausschließlich auf der PlayStation 5 stattfinden – und nachgelagert auf der PlayStation 6.

Naheliegendes Kalkül: Niemand soll in die Verlegenheit geraten, auf die Anschaffung einer fabrikfrischen Sony PlayStation verzichten zu können, um Marvel’s Wolverine oder Intergalactic zu spielen – gleichbedeutend mit einer Investition von 500 € aufwärts für die Konsole, 80 € für Controller, 80 € für Spiele und bis zu 150 € p.a. für Abo-Dienste. So viel Geld können die PC-Umsetzungen gar nicht einspielen, zumal Steam ohnehin ein Drittel einbehält. Und mit Ingame-Folgekäufen ist es bei Solo-Games ja auch nicht weit her.

Es gäbe wieder eine klare Positionierung: Hier Sony und Nintendo mit ihren gated communities – dort der Microsoft-Xbox-PC-Kosmos.

Und drittens: Microsoft erhebt gleich mit der ersten Ansage wieder so etwas Ähnliches wie technologischen Führungsanspruch („lead in performance“) – ein Anspruch, der in den vergangenen Jahren endgültig verlustig gegangen ist.

Mehr noch: Man konnte glatt den Eindruck gewinnen, es werde in Redmond mit einer gewissen Uns-doch-egal-Wurschtigkeit hingenommen, dass ein Microsoft-Spiel wie Indiana Jones und der Große Kreis auf einer PS5 Pro besser aussieht und sich dank DualSense-Gamepad viel besser anfühlt als auf einer Xbox.

Wann genau die Helixbox auf den Markt kommt, lässt Microsoft vorerst offen – ungefähr alles sprich für Ende 2027, wenn sich der GTA 6-Pulverdampf verzogen hat. Dann ziemlich sicher ohne Blu-Ray-Laufwerk und ohne Low-Cost-Experiment à la Series S – dafür aber mutmaßlich mit serienmäßig verbauter Cloud- und Streaming-Funktionalität und einem abermals überarbeiteten Game-Pass-Tarifsystem, das endgültig nicht mehr zwischen Xbox und PC unterscheidet. Ein Zugang, alle Spiele, alle Geräte.

Die größte Herausforderung: ein wettbewerbsfähiger Preis. Erschwert wird diese Quest durch die Lage in der Zuliefer-Industrie, die infolge des KI-Hardware-Hungers unter leeren Hochregallagern und exorbitanten Preisen für Speicher-Chips und Festplatten leidet.

Einer der Haupttreiber dieser Entwicklung: ausgerechnet Microsoft.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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